Fellner und Strache: "Pathologischer Hass" und "Kooperation im Übermaß"

Fellner und Strache: "Pathologischer Hass" und "Kooperation im Übermaß"
Warum Strache 2019 mit dem ehemaligen Chef der Online-Krone sehr – und mit Wolfgang Fellner nicht immer zufrieden war.

Dass sich Ex-FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache für Österreichs Boulevard interessierte, hat nicht zuletzt das Ibiza-Video gezeigt, wo er mit einer vermeintlichen Oligarchennichte einen Kauf der Kronen Zeitung erörterte. Strache pflegte auch das eine oder andere intensive Vertrauensverhältnis zu Boulevard-Journalisten - und versuchte, die Berichterstattung zu beeinflussen.

Das zeigen neu aufgetauchte FPÖ-Chats, über die das profil zuerst berichtete und die auch dem KURIER vorliegen. Bereits bekannt: Strache tauschte sich regelmäßig mit Richard Schmitt aus, dem damaligen Chefredakteur der Onlineausgabe der Kronen Zeitung, der zuletzt als Chefredakteur des Online-Blogs Exxpress auf sich aufmerksam machte. Im Ibiza-Video lobte Strache Schmitt explizit als einen "der besten Leute, die es gibt".

Vizekanzler und Chefredakteur mit der Kronen Zeitung unzufrieden

Chats zwischen Schmitt und Strache verdeutlichen, dass die beiden offensichtlich ein gut eingespieltes Team waren. So bietet Schmitt Strache wiederholt an, zur TV-Talkshow mit Moderatorin Katia Wagner zu kommen, um etwa über die Mindestsicherungsreform oder die Identitären zu diskutieren. "Die anderen Gäste können wir gemeinsam auswählen", meint Schmitt.

Im Februar 2019 loben Strache und Schmitt einander. Wobei beide offenbaren, mit der Blattlinie der Print-Ausgabe der Krone nicht zufrieden zu sein.

Heinz-Christian Strache, 16. Februar 2019

Danke für deine wirklich korrekte Berichterstattung! Lg

Richard Schmitt, 16. Februar 2019

Ich danke für die stets tolle Zusammenarbeit - leider fährt die Print ja sehr oft einen anderen "Kurs" .. LG

Heinz-Christian Strache, 16. Februar 2019

Echt schade. Wie kann man bei der Print gegensteuern?

Richard Schmitt, 16. Februar 2019

Schwierig - können wir ja am Mo besprechen; LG!

Richard Schmitt, 16. Februar 2019

Apropos: Haben jetzt aktuell eine neue tolle Geschicht als Aufmacher, die Herbert Kickl hilft - https://www.krone.at/1854867 - Print wollte die auch nur "klein" ... LG!

In besagtem Artikel von Schmitt, der mittlerweile online nicht mehr aufrufbar ist, unterstützte Verfassungsrechtler Michael Geistlinger das Ansinnen des damaligen Innenministers Herbert Kickl (FPÖ), gefährliche Asylwerber in Sicherungshaft zu nehmen.

Prinzipiell stört Schmitt, dass es "zu wenig Anweisungen" in der Berichterstattung der Krone gebe, wie er Strache auf Nachfrage am 1. Mai offenbart. Einige Redakteure würden gar machen, "was sie wollen".

Heinz-Christian Strache, 1. Mai 2019

Lieber Richard! 

Offene Frage vertraulich: Hat es eigentlich wieder von der Chefetage eine Anweisung gegeben bezüglich Berichterstattung und Krone-Linie gegenüber der FPÖ?

Richard Schmitt, 1. Mai 2019

Hi, nein, derzeit gibts leider viel zu wenig Anweisungen … machen einige, was sie wollen. Mehr dazu jederzeit mündlich. Bei mir läuft’s so wie immer, das weißt Du aber ohnehin - liebe Grüße, Richard

Heinz-Christian Strache, 1. Mai 2019

Verstehe. Da dürfte zur Zeit jeder machen was er will, da der Kopf wo anders ist! Danke :-)

Schmitt: "Das ist wirklich nicht neu"

Schmitt hat auf die Chats bereits gegenüber dem profil reagiert. Demnach habe es sich bei den Anweisungen nur um die Blattlinie der Kronen Zeitung gehandelt. "Es existieren derartige Textnachrichten auch von anderen Politikern anderer Parteien mit mir. Dass Politiker Journalisten kontaktieren, um ihre Inhalte/Ansichten in deren Medien unterzubringen, ist wirklich nicht neu", so Schmitt.

Strache an Fellner: "Pathologischer Hass"

Auch mit Medienmanager Wolfgang Fellner hat Strache rege gechattet. Wie der KURIER berichtete, ärgerte sich der Ex-Vizekanzler am 19. April in einer FPÖ-internen Gruppe über Fellner. Der Grund: Dieser lade weiterhin Ewald Stadler zu TV-Debatten auf oe24 ein, obwohl er ihm zugesagt habe, dies nicht mehr zu tun. Stadler war 2007 von der FPÖ zum BZÖ gewechselt. Und er betreibe im Fernsehen "FPÖ-Beschimpfung", schreibt Strache. "Und wenn er dann wieder vorstellig werden sollte, sollten wir ihm klarmachen, dass wir ihn nicht mit Inseraten füttern, damit er permanent vorbestrafte FPÖ-Hasser einlädt und gegen uns anschreibt."

Vier Tage später scheint alles geklärt: „Bitte weiter bei Fellner schalten. Wir haben es geklärt! Er kommt uns entgegen! Lg“, schreibt Strache. Geklärt wurde die Angelegenheit offenkundig via Chat, am 20. und 21. April. Strache stellt zuerst in den Raum, dass künftig doch Stadler oe24 mit Inseraten unterstützen könnte. Fellner beschwichtig, dass Stadler nur für den urlaubenden Andreas Mölzer eingesprungen sei. Fellner betont im Chatverlauf, "im Übermaß" kooperativ zu sein.

Heinz-Christian Strache, 20.-21. April 2019

Es ist schade, aber zur Kenntnis zu nehmen, dass ihr Wort - bezüglich Mölzer statt Stadler - leider nicht zählt! Aber sie können auch nicht länger erwarten, dass wir Stadler - mit seinem pathologischen Hass gegen uns - in ihrer Sendung unterstützen. Das soll dann bitte er mit Inseraten in Zukunft machen!

Mit freundlichen Grüßen und frohe Ostern

Wolfgang Fellner, 20.-21. April 2019

Sehr geehrter Herr Strache, erstens: Stadler kam nur diese Woche zum Einsatz weil Mölzer auf Urlaub ist - geschah auf dessen Wunsch. [...] Ich verstehe Ihre Aufregung nicht - etwas mehr Dankbarkeit und Kooperation wäre angesagt wenn ich ihren Wunsch-diskutanten sofort (!) auf den Sender hole. Dass der diese Woche nicht kann, dafür kann ich wirklich nix! Frohe Ostern- und jetzt hoffentlich bessere Laune! Wolfgang Fellner

Heinz-Christian Strache, 20.-21. April 2019

Wenn sie mir Zusagen, dass Stadler nicht mehr eingeladen wird, dann verlasse ich mich auch darauf… ohne ausreden und ohne wenn und aber.

Und ja, Fairness und eine gute Kooperation sollte immer in beiden Richtungen verlaufen und nicht einseitig.

Frohe Ostern! :-)

Wolfgang Fellner, 20.-21. April 2019

Ich habe Ihnen auf Ihren Wunsch zugesagt, dass ich Stadler durch Mölzer ersetze und das auch sofort umgesetzt - aber das geht natürlich nur wenn er da ist. Werde ihm in ihrem Auftrag sagen, dass er keinen Urlaub mehr machen soll - aber keine Aufregung bitte: von mir ist Fairness und Kooperation im Übermaß gegeben. Alles gute zu Ostern!

Heinz-Christian Strache, 20.-21. April 2019

Ich habe keinen Artikel von Holocaustleugnern geteilt. Diese nachweislich erfundene Silberstein-Medienberichterstattung ist reinste Hetze und schäbigste Diffamierung!

Wolfgang Fellner, 20.-21. April 2019

Bin auf den Malediven - habe bei Niki trotzdem sofort veranlasst dass die Story offline genommen wird. Das nenne ich Kooperation

FPÖ: "Nachricht hatte keinerlei Auswirkungen"

Zur Inseraten-Passage äußerten sich Strache und die FPÖ bereits Ende Februar. Der FPÖ stehe es frei, ihre Werbung dort zu schalten, wo sie es für sinnvoll halte. Es sei auch nicht um Regierungsinserate, sondern Inserate der Partei gegangen, betonte Strache.

Aus der FPÖ hieß es: "Fakt ist, dass seine Nachricht keinerlei Auswirkungen hatte - im Gegensatz zum ehemaligen Bundeskanzler Kern, der damals aus persönlicher Beleidigtheit tatsächlich einen Inseraten-Boykott über die ÖSTERREICH-Gruppe verhängt hat."

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