FPÖ-Chats: Strache wollte endlich Gabalier auf Ö3 hören

FPÖ-Chats: Strache wollte endlich Gabalier auf Ö3 hören
Neu aufgetauchte FPÖ-Chats zeigen, dass die Blauen Martin Thür als "ZiB2"-Moderator verhindern und Andreas Gabalier auf Ö3 stärken wollten.

Neu aufgetauchte Chats, die dem profil vorliegen, zeigen, wie die FPÖ-Spitze 2019 beim ORF personell umrühren wollte. Darüber unterhalten sich unter anderem Harald Vilimsky, Heinz-Christian Strache und Norbert Steger in einer WhatsApp-Gruppe. Zum damaligen Zeitpunkt war die FPÖ bekanntlich in einer Koalition mit der türkisen ÖVP unter Sebastian Kurz.

Dass die FPÖ den ORF kräftig umbauen wollte, ist keine Neuigkeit. Bereits bekannte Chats mit Strache führten unter anderem zum Rücktritt des damaligen ORF-TV-Chefredakteurs Matthias Schrom. In den neuen Chats geht es darum, welche Personen die FPÖ im ORF gerne in höheren Positionen gesehen hätten - und welche verhindert werden sollten.

Zu den in Ungnade gefallenen zählt etwa ZiB2-Moderator Martin Thür. "Thür verarscht uns [...] auf Twitter. Müssen endlich auf den Tisch hauen", schreibt Vilimsky laut profil im Februar 2019. Bereits im Mai 2018 plädierte der damalige ORF-Stiftungsrat Steger dafür, Thür als ZiB2-Moderator zu verhindern. Das blaue Unterfangen gelang nicht. Prinzipiell sei es im ORF "schlimmer als je zuvor", die Österreicher müssten für "unfassbare Propaganda" Gebühren bezahlen, schreibt Vilimsky. Und das, obwohl man gewisse Leute "hochgehievt" habe.

Strache empört über Boykott des "Volks-Rock'n'Rollers"

Den damaligen FPÖ-Chef und Vizekanzler Strache treibt im Juli 2018 noch ein ganz anderes Ärgernis um: Dass Schlagersänger Andreas Gabalier auf Ö3 nicht gespielt werde. "Bitte auch dahinter sein, dass Andi Gabalier endlich auf Ö3 gespielt wird und bei seinen großen Konzerten - Ausverkauf von Stadien in Deutschland und Österreich - der ORF im Sinne des öffentlich-rechtlichen Bildungs- und Kulturauftrages auch darüber berichtet! Ist irre, dass der boykottiert wird!", schreibt Strache.

Die Mitglieder der Chatgruppe haben profil-Anfragen zu den Unterhaltungen nicht beantwortet.

"Fit mit Philipp": TV-Fitnesstrainer wollte größeres Stück vom Kuchen

Auch der Standard berichtet über die neuen Chats. Im Artikel geht es etwa darum, dass ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz, der unter anderem aus der Ukraine berichtet, aufgewertet werden soll. Demnach sollte Wehrschütz Bürochef in Moskau werden - was nicht geschah.  

Gegenüber dem Standard hielt Wehrschütz fest, dass er 2021 vom damaligen ORF-Chef Alexander Wrabetz gefragt worden sei, ob er als Korrespondent nach Moskau wechseln wolle, er dies aber abgelehnt habe, da er nicht bereit gewesen sei, die Ukraine und den Balkan aufzugeben. Erörtert habe er diese Frage nur mit seiner Familie. Die FPÖ habe keine Rolle gespielt.

Strache soll zudem das Frühstücksfernsehen im Visier gehabt haben. Tatsächlich erhält sein Fitnesstrainer Philipp Jelinek in der türkis-blauen Regierungszeit mit "Fit mit Philipp" auch eine eigene Show. Jelinek habe zudem ausführlich mit Strache gechattet und wäre gerne Moderator von Guten Morgen Österreich geworden, heißt es im Standard. "Wir müssen dringend die Weichen für mich stellen", hab Jelinek geschrieben. Der Kuchen werde "jetzt verteilt".

Dafür habe sich Strache dann auch - vergeblich - in der blauen Chatgruppe eingesetzt. Jelinek reagierte auf eine KURIER-Anfrage nicht.

ORF: "Es wurde primär über Mitarbeiter gesprochen"

Der ORF reagierte in einer knappen Aussendung wie folgt: Die Chats würden zeigen, dass "primär über" ORF-Mitarbeiter gesprochen worden sei, nicht mit ihnen. "Einmal mehr zeigt sich, dass politische Wünsche, die in den Chats geäußert werden, vom ORF nicht erfüllt wurden. Weder solche der Politik noch von einzelnen Mitarbeitern", heißt es.

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