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Interview
05/15/2021

Klasnic: „Sterbehilfe-Gesetz ist Signal, Versorgung auszubauen“

Waltraud Klasnic will beim neuen Gesetz zur Sterbehilfe dafür sorgen, dass das Gesamtbild stimmt.

von Raffaela Lindorfer

Waltraud Klasnic ist Präsidentin des Dachverbands von Palliativ- und Hospizeinrichtungen in Österreich.

KURIER: In der Debatte um die Sterbehilfe hat man das Gefühl, es ist ein Gesetz, das sein muss, das aber niemand in der Politik will. Wie stehen Sie dazu?

Waltraud Klasnic: Mein Wunsch war es nicht – im Gegenteil. Das Gesetz wäre vielleicht nicht notwendig, wenn wir eine ausreichende Hospiz- und Palliativversorgung hätten. Wir müssen jetzt aber in einer ehrlichen und wertschätzenden Art damit umgehen – auch mit jenen, die sich ein solches Gesetz wünschen.

Wo sehen Sie Ihre Aufgabe?

Wir liefern der Legislative Unterlagen, damit das Gesamtbild stimmt. Es soll die Möglichkeit zum assistierten Suizid geben, gleichzeitig brauchen wir einen Schutz vor Zwang und Missbrauch, um einen Tod in Würde abzusichern.

Stichwort Missbrauch: Wie verhindert man, dass Vereine daran Geld verdienen?

Unser Vorschlag ist: Niemand darf öfter als zwei Mal im Leben Assistierender sein. So kann die Handlung kein Geschäftsmodell werden.

Der Verfassungsgerichtshof sagt, es gibt ein Recht auf Leben, aber nicht die Pflicht, zu leben. Hören Sie das auch von Betroffenen?

Es gibt Einzelfälle, wo jemand sagt: Ich will nicht mehr leben. Das heißt aber meistens: Ich will so nicht mehr leben. Wenn ich eine Einrichtung habe, in der ich mich geborgen fühle, wenn ich schmerzfrei und nicht alleine bin, dann ist das anders.

Viele haben ja die Sorge, nur noch eine Last zu sein. Wie stark wird der Todeswunsch von außen beeinflusst?

In der Öffentlichkeit wird es so dargestellt, dass das letzte Lebensjahr das teuerste ist. Diesen Druck müssen wir herausnehmen. Geld spielt oft eine Rolle.

Wie gut sind Hospiz- oder Palliativbetten verfügbar?

Das kommt darauf an, wo Sie leben – es gibt zum Teil hohen Nachholbedarf. Wir stellen bald eine Studie vor, die aufzeigt, was es in jedem Land braucht. Ziel ist eine österreichweite Versorgung über die Regelfinanzierung.

Es heißt, viele sterben, während sie noch auf der Warteliste stehen.

So ist es, leider. Das betrifft auch viele Kinder und junge Erwachsene. Das neue Gesetz ist das Signal, dass wir die Versorgung ausbauen müssen. Das Recht auf Leben bis zuletzt muss da sein, diese Balance brauchen wir.

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