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12/01/2019

Und Brian sagt am Kreuz: „Ihr idiotischen Saukerle“

Die Vorgänge in der SPÖ haben viel mit Shakespeare zu tun, aber auch mit Monty Python.

von Gert Korentschnig

Wenn die Politik nur nicht so banal wäre.

Am vergangenen Sonntag stand an dieser Stelle, als Prognose der Reaktionen auf die Steiermark-Wahl zu lesen: Andere werden in Katerstimmung verfallen, den steirischen Vorsitzenden infrage stellen und spätestens eine halbe Stunde später auch die Chefin in Wien. Wer, bitte, soll sonst schuld sein?

Und heute, trara: Der steirische Vorsitzende ist Geschichte, die Chefin in Wien so gut wie. Und cui bono? Den türkis-grünen Verhandlern, die mehr oder weniger unbemerkt von der Öffentlichkeit verhandeln können, was das Verhandlungszeug hält, während sich die Opposition zerfleischt. Die erinnert an das Suizidkommando der judäischen Volksfront in Monty Python’s „Das Leben des Brian“. „Jetzt haben wir’s ihnen gezeigt“, sagen die Politkämpfer und sind sofort tot. Und Brian am Kreuz schüttelt nur den Kopf: „Ihr idiotischen Saukerle.“

Der Selbstvernichtungstrieb der SPÖ ist pathologisch. Kannte man einst nur von der alten ÖVP. Dabei könnten die Sozialdemokraten gerade zuschauen, wie die FPÖ, der heftigste Gegner im Bemühen um die vormalige Arbeiterschaft, vorbeischwimmt. Und was macht sie? Springt selbst ins kalte Wasser, ohne Rettungsreifen. Eine echte Baustelle, die SPÖ. Mit viel Pfusch am Bau.

Dummheit und Ignoranz

Im Vordergrund herrscht eklatante Dummheit – Kündigungen per eMail, geht’s noch? Im Hintergrund gibt es Grabenkämpfe, Shakespeare’sche Königsdramen – und eine unfassbare Ignoranz im Glauben, dass das eigene Funktionärsdasein heute noch wichtig sein könnte.

Aber jetzt mal ganz sachlich: Hat Doskozil nicht recht, wenn er sagt, er könne das Wort Narrativ nicht mehr hören? Wo sind die Erzählungen der anderen Parteien? Hatte die ÖVP eine Erzählung, ehe sie von Kurz ins Wählerwunderland überführt wurde? Und wo ist heute, abgesehen von einem märchenhaften Instinkt, die Erzählung? Wie steht es um die Erzählung der FPÖ, die all das, was sie jahrelang erzählt hatte, an der eigenen Spitze nicht einmal im Ansatz selbst lebte? Ehrlichkeit, alles gegen die Schmarotzer – eine einzige Lüge, wie sich beim Ex-Chef herausstellt. Die Erzählung der Grünen? Klima allein ist nicht regierungsfüllend. Und die Pinken? (Bitte einfügen, wenn Ihnen außer Bildung was einfällt.)

Nein, die SPÖ ist noch nicht tot. Sie bräuchte nur jemanden, der sich um ÖGB, Sektionen etc. so wenig schert wie zuletzt Kurz um die Bünde – und das auch durchzieht. Weitere Erfolgskriterien: Quereinsteiger, der oder die davor Karriere gemacht hat, Eloquenz, Unabhängigkeit, im Idealfall eine Frau. Hatte Pamela Rendi-Wagner nicht genau diese Voraussetzungen? Das müsste der Partei am meisten zu denken geben.

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