© REUTERS/CARLOS OSORIO

Politik Inland
09/16/2021

Sind Ungeimpfte am Arbeitsplatz privilegiert?

Tritt ein Infektionsfall auf, müssen Geimpfte weiterarbeiten, Ungeimpfte gehen heim in Quarantäne. Neos fordern Härte wie in Deutschland, WKO-Boss Mahrer einen Impfbonus.

von Daniela Kittner, Ida Metzger

Genießen Ungeimpfte ein Privileg in der Arbeitswelt? Diese Frage entzweit Deutschland und wird auch in Österreich zum Thema. „Wenn im Betrieb ein Infektionsfall auftritt, muss der Geimpfte weiterarbeiten, während der Ungeimpfte in Quarantäne geht“, sagt Wirtschaftskammerboss Harald Mahrer. Das sei zuletzt auch beim Sozialpartnermeeting beim Kanzler zur Sprache gekommen.

In Deutschland wird darüber heftig diskutiert. Mehrere Bundesländer werden den Ungeimpften die Gehaltsfortzahlung streichen, wenn sie in Quarantäne müssen. „Jeder hat die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Wer freiwillig darauf verzichtet, hat keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung“, lautet das Argument in Deutschland. In Österreich schließen sich die Neos dem an.

Allerdings sind die Pinken die Einzigen, die das tun. WKO-Chef Mahrer sagt, Österreich wolle nicht nur auf Strafen verzichten, sondern Impfanreize setzen. Mahrer will, dass der Staat steuerlich fördert, wenn ein Betrieb einem Ungeimpften 100 € Impf-Bonus zahlt.

Aus dem Gewerkschaftsbund heißt es dazu auf KURIER-Anfrage, Lohnkürzungen für Ungeimpfte in Quarantäne werden abgelehnt. Einen Impfbonus wie Mahrer fordert die Gewerkschaft nicht, falls es jedoch einen geben sollte, werde sie nicht dagegen auftreten.

Härte in Frankreich

Wenig Federlesen macht Frankreich mit Ungeimpften. Pflege- und Rettungskräfte, die bis zum Stichtag 15. September nicht geimpft sind, können nicht mehr weiterarbeiten: Ihr Vertrag wird ausgesetzt, die Gehaltszahlung werden eingestellt. Auch in vielen anderen Bereichen müssen Mitarbeiter den Gesundheitspass vorzeigen, Tests werden kostenpflichtig.

Loacker: Härte auch in Österreich

Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker glaubt, dass auch in Österreich andere Zeiten anbrechen werden. Für Loacker sind die derzeitigen Maßnahmen viel zu zahnlos. Kanzler Kurz müsse die „Daumenschrauben mehr anziehen“, so Loacker.
Doch wegen der bevorstehenden Landtagswahl in Oberösterreich betreibe die Bundesregierung eine „feige Politik“

Loacker geht davon aus, dass ähnliche Maßnahmen wie in der Schweiz und in Deutschland kommen werden. „In der Schweiz muss man ab 1. Oktober für alle Tests zahlen. 50 Franken für einen Antigen-Test und rund  120 Schweizer Franken  für einen PCR-Test“, so Loacker.
Auch  für die  ungeimpften Deutschen  sind die Covid-19-Tests ab 11. Oktober  nicht mehr gratis.  Für Loacker sind das allesamt zulässige Maßnahmen, um die Zahl der Impfwilligen zu steigern.

"Deutscher Weg richtig"

Loacker ist für Gehaltskürzungen bei Ungeimpften in quarantäne: „Die Deutschen gehen hier einen richtigen Weg.“  Freiheit und Verantwortung seien „unzertrennlich“. Jeder habe die Freiheit, sich nicht impfen zu lassen, aber wenn dann eine  Infektion passiere, müsse jeder die „Konsequenzen selbst übernehmen, aber nicht die anderen  die Konsequenzen  bezahlen lassen. Da sind wir in Österreich noch nicht so weit.“

Das öffentliche Gesundheitssystem zahle „die Basisversorgung“ –  wenn man eine Extra-Behandlung haben will, „muss man diese auch derzeit extra zahlen“. Die Impfung  falle für Loacker unter die Kategorie „Basisversorgung“. Will  man diese nicht, müsse man  für die Extras eben  „selbst aufkommen“, sagt Loacker.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.