Politik | Inland
29.03.2017

Showdown zwischen Häupl und Bezirksrebellen

SPÖ-Streit.Kritiker drängen auf den raschen Abgang Häupls, dieser will stattdessen eine Findungskommission aus honorigen Parteigranden einsetzen.

Zuletzt tauschten die Streithähne in der Wiener SPÖ über die Medien Unfreundlichkeiten aus. Heute, Mittwoch, wird von Angesicht zu Angesicht Klartext geredet: Bürgermeister Michael Häupl trifft sich im Rathaus mit Vertretern von neun aufmüpfigen Bezirksparteien. Darunter auch Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, den die Parteirebellen gerne als Häupls Nachfolger hätten.

Bei dem Treffen werden die parteiinternen Kritiker dem Bürgermeister vorschlagen, in einem ersten Schritt den Parteivorsitz am Landesparteitag Ende April zu übergeben. "Das wäre ein Ausweg aus der jetzigen Situation", sagt Ex-Landesparteisekretär Christian Deutsch, einer der Proponenten. "Damit käme es zu einer Weichenstellung, gleichzeitig kommt man Häupls Wunsch entgegen, wonach er bis nach der Nationalratswahl Bürgermeister bleiben will."

Findungskommission

Häupl sieht das jedoch anders: "In den unzähligen Gesprächen, die ich im vergangenen halben Jahr geführt habe, habe ich keinen Einzigen getroffen, der für eine Funktionstrennung ist." Er will nun einen eigenen Vorschlag auf den Tisch legen. Wie dieser aussehen wird, verriet er am Dienstag nicht.

Wie der KURIER erfuhr, soll es sich um eine Nachfolge-Findungskommission handeln. Dem Vernehmen nach könnte Häupl einen Ältestenrat vorschlagen, um den Streit zu lösen. Jedenfalls sollen "ältere Funktionäre um die 75" angesprochen worden sein, ob sie "zeitlich begrenzt für eine Aufgabe zur Verfügung stünden". Aus dem Rebellenlager ist zu hören, dass sie sich mit einer neuen "Kommission" nicht zufriedengeben, sondern einen konkreten Plan für den Häupl-Abgang wollen.

Favoriten der Innenstadt-Bezirke

Inzwischen ist auch aus Innenstadt-Bezirken zu vernehmen, dass sie eine Regelung der Häupl-Nachfolge wollen. Allerdings mit andere Personen an der Spitze als Michael Ludwig. Die Innenstädter forcieren Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorsky oder Umweltstadträtin Ulli Sima.

Die Zeit drängt. Am 5. April tagen die Gremien der SPÖ-Wien mit einem letzten Einigungsversuch. Am 8. April muss der Personalvorschlag für den Parteitag fertig sein. Ansonsten droht auf dem Parteitag ein Showdown mit wechselseitigen Streichorgien.

In Simmering ist unterdessen Bezirksparteichef Harald Troch wiedergewählt worden. Der prominente Häupl-Kritiker bekam aber nur 74 Prozent der Stimmen. Davor gab es zudem noch heiße Diskussionen. "Troch hat die Bezirkspolitik nicht im Griff", spottet ein Beobachter. "Simmering ist eine lebendige Demokratie, da geht es halt ein bisschen lauter zu", kontert Troch. "Bei uns kann jeder seine Meinung kundtun." Und: Er habe ein Prozent mehr bekommen als bei der vorigen Wahl.