Politik | Inland
26.05.2017

Sexismus-Vorwurf: Wiener SPÖ will Rücktritt von rotem Bezirksrat

Neubauer Lokalpolitiker griff neue ÖVP-Generalsekretärin Köstinger via Facebook an. Trotz Entschuldigung und gelöschtem Posting will Bezirksparteichefin Konsequenzen.

" Elisabeth Köstinger als neues Gesicht und neue Generalsekretärin einer neuen Bewegung? Aus autobiographischen und stadthistorischen Motiven möchte ich da schon anmerken, dass die jungen Damen der ÖVP Inneren Stadt aus den frühen 80er Jahren, die mit mir schliefen, weil sie mich wohl für einen talentierten Revolutionär hielten, genauso aussahen, genauso gekleidet waren und genauso sprachen."

So kommentierte der Wiener SPÖ-Bezirksrat Götz Schrage am Mittwoch die Ernennung Elisabeth Köstingers zur neuen ÖVP-Generalsekretärin auf Facebook. Wie der KURIER berichtete, fielen die Reaktionen auf dem öffentlichen Profil Schrages zunächst gespalten aus. "Und was machen wir jetzt mit der Info?", fragte einer seiner knapp 5.000 Follower. "Ja, kennt man eine, kennt man sie alle! Was für ein charmantes, eloquentes Stück Sexismus das ist", meinte ein anderer.

Frist bis Montag

Am Freitag folgten nun Rücktrittsforderungen aus der Wiener SPÖ. Laut KURIER-Informationen forderte Andrea Kuntzl, die Vorsitzende der SPÖ Neubau, Schrage bereits am Donnerstag persönlich auf, zurückzutreten. Bei einer eigens einberufenen Präsidiumssitzung am Freitagnachmittag beschloss die Bezirkspartei dann, Schrage eine Frist bis Montag zu setzen. Eine Einladung zum Gespräch über die weitere Handhabung seines Mandats habe Schrage abgelehnt, hieß es in einer Aussendung. Nun sei er auf Beschluss des Präsidiums aufgefordert worden, sein Bezirksratsmandat bis Montagabend zurückzulegen.

Schrage hatte das Original-Posting schon zuvor wieder gelöscht und eine "kurze Entschuldigung" auf Facebook formuliert: "Es war so überhaupt nicht meine Intention, jemand zu beleidigen, oder gar mit sexistischen Scherzen zu kränken. Die Reaktionen haben mir gezeigt, dass mein Posting anders ankommt, als ich es wollte. Dafür möchte ich mir wirklich in aller Form entschuldigen."

"Sexistisch und nicht hinnehmbar"

Am späten Donnerstagabend schaltete sich auch Muna Duzdar in die Affäre ein. Der Kommentar von Schrage sei "sexistisch und nicht hinnehmbar", erklärte Duzdar, die als SPÖ-Staatssekretärin auch für Diversität zuständig ist. "Sexistische und herabwürdigende Postings sind nicht akzeptabel. Egal gegen wen und egal von wem."

Köstinger selbst wollte in die Auseinandersetzung nicht einsteigen, sah sich jedoch in ihrer Forderung nach einem neuen Stil bestätigt: "Genau diese Art der persönlichen Herabwürdigung zeigt, dass es dringend einen neuen Stil im Umgang miteinander braucht. Ich bleibe meiner angekündigten Linie treu und werde auf Angriffe nicht mit Gegenangriffen reagieren. Für mich ist die Sache erledigt", erklärte sie in einem Statement gegenüber der APA.

Vor gerade einmal acht Tagen mahnte Eva Glawischnig bei ihrem Rücktritt einen vernünftigeren Umgangston in den sozialen Medien ein. Ein Appell, der offenbar rasch verhallte.