Politik | Inland
26.05.2017

Sexistische Attacke von SPÖ-Politiker gegen ÖVP-Generalsekretärin Köstinger

Der Wiener SPÖ-Politiker Götz Schrage vergriff sich in einem Facebook-Posting über die neue ÖVP-Generalsekretärin Elisabeth Köstinger im Ton. Das hat inzwischen auch er selbst eingesehen. Muna Duzdar kritisierte "herabwürdigendes Posting". In der SPÖ werden Rücktrittsforderungen laut.

Gerade einmal acht Tage ist es her, dass sich Eva Glawischnig bei ihrem Rücktritt für einen vernünftigeren Umgangston in den sozialen Medien stark gemacht hat. Ein Appell, der offenbar rasch verhallte.

Elisabeth Köstinger sieht sich schon nach zwei Tagen im Amt als neue ÖVP-Generalsekretärin mit jenen Wortmeldungen konfrontiert, die die ehemalige Parteichefin der Grünen wohl meinte, als sie vergangene Woche von sexualisierten Angriffen gegen Frauen im Netz sprach.

Götz Schrage, SPÖ-Bezirksrat in Wien-Neubau, sah sich im Auftreten Köstingers "an die jungen Damen der ÖVP Innere Stadt aus den frühen 80er Jahren, die mit mir schliefen, weil sie mich wohl für einen talentierten Revolutionär hielten" erinnert. Die seien "genauso gekleidet" gewesen und hätten "genauso gesprochen" wie die 38-jährige Kärntnerin. "Da hängt sicher noch ein Burberry-Schal im Vorzimmer bei Elisabeth Köstinger." Er müsse das wissen "als Experte".

Die Reaktionen auf dem öffentlichen Profil Schrages fielen gespalten aus. "Und was machen wir jetzt mit der Info?", fragte einer seiner knapp 5.000 Follower. "Ja, kennt man eine, kennt man sie alle! Was für ein charmantes, eloquentes Stück Sexismus das ist", meinte ein anderer.

Schrage zog Posting zurück

Volker Plass, der ehemalige Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, sah Götz Schrage dagegen als "großartigen Facebook-Literaten". "Einer der besten, die wir haben! Jene, die mit ihren Formulierungen gerne an die Grenzen gehen und das Risiko nehmen, diese auch einmal zu überschreiten“, schrieb Plass auf Facebook.

Tatsächlich neigt Schrage offenbar zur "literarischen Zuspitzung". Die Kür von Ulrike Lunacek zur Grünen Spitzenkandidatin kommentierte er am 20. Mai - erkennbar ironisch - wie folgt:

Danke Grüne! Einen Tag haben sie die Lunacek als Chefin und schon sitzen bei uns im Gastgarten zwei Frauen in zarten Sommerkleidern aufeinander und knutschen. Und wer glaubt, sie hätten mir auch Avancen gemacht, irrt! Weit haben wir es gebracht in unserer Gesellschaft! Bravo, Bravissimo! Vielleicht sollte ich auch die Faschisten wählen! (das Posting wurde inzwischen entfernt).

Schrage selbst hat sich bereits entschuldigt und auch das Original-Posting von Mittwoch gelöscht. "Es war so überhaupt nicht meine Intention, jemanden zu beleidigen, oder gar mit sexistischen Scherzen zu kränken", versuchte der Bezirksrat – im Brotberuf Fotograf - auf Facebook zu beschwichtigen. Die Reaktionen hätten ihm gezeigt, dass sein Posting "anders ankommt", als er wolle, schrieb Schrage und gelobte Besserung: "Manchmal vergesse ich halt, dass ich als politischer Mandatar besonders sorgfältig formulieren muss. Werde mich da in Zukunft mehr anstrengen."

Rücktrittsforderungen

Damit ist die Sache jedoch nicht gegessen. Laut KURIER-Informationen forderte Andrea Kuntzl, die Vorsitzende der SPÖ Neubau, Schrage bereits am Donnerstag persönlich auf, zurückzutreten. Für heute Nachmittag ist eine Präsidiumssitzung der Bezirkspartei zur weiteren Vorgehensweise geplant.

Am späten Donnerstagabend schaltete sich auch Muna Duzdar in die Affäre ein. Der Kommentar von Schrage sei "sexistisch und nicht hinnehmbar", erklärte Duzdar, die als SPÖ-Staatssekretärin auch für Diversität zuständig ist. "Sexistische und herabwürdigende Postings sind nicht akzeptabel. Egal gegen wen und egal von wem."

Die 38-jährige Kärtnerin Elisabeth Köstinger wurde am Mittwoch als neue ÖVP-Generalsekretärin präsentiert. Sie war seit 2009 im Europa-Parlament. Von 2007 bis 2012 war sie Bundesobfrau der Österreichischen Jungbauernschaft.

Korrektur: Die ursprüngliche Version des Artikels wies Volker Plass als aktuellen Bundessprecher der Grünen Wirtschaft aus. Dieser Fehler wurde korrigiert. Plass bekleidet seit Anfang des Jahres keine Funktion mehr bei den Grünen.