SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner

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Analyse
08/30/2021

Rendi-Wagner und die SPÖ: Im Zweifel gegen die Parteichefin

Die SPÖ gibt ihrer Chefin kaum eine Chance, sich als Führungsfigur zu etablieren. Am Montag ist Rendi-Wagner im ORF-Sommergespräch

von Daniela Kittner

Wäre die Sage von Sisyphos nicht schon erfunden, müsste man sie jetzt schreiben, mit Pamela Rendi-Wagner in der Hauptrolle. Jedes Mal, wenn der SPÖ-Chefin politisch etwas gelingt, und sie für ihre Partei in den Umfragen ein paar Prozentpunkterl einsammelt, kommt jemand daher und kickt den Felsbrocken wieder den Berg hinunter.

Meistens kommt der Spielverderber aus dem Burgenland, zuletzt waren es aber anonyme Delegiertenmassen, die ihre Vorsitzende hinterrücks zusammenstrichen, bevor sie vorzeitig vom Parteitag nach Hause fernsehen gingen.

Schlimmer kann man Desinteresse an der eigenen Sache kaum demonstrieren.

Der verpfuschte Parteitag hat die SPÖ in den Umfragen wieder zurückgeworfen und Rendi-Wagner als Parteivorsitzende geschwächt, sagt OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. „Wegen der ständigen Querschüsse hat sie nie die Gelegenheit gehabt, sich als Führungsfigur zu etablieren.“

Dabei hat die SPÖ-Chefin durchaus Stärken, die sie zum Erfolg führen könnten.

Dass die SPÖ ihre Vorsitzende unter ihrem Wert behandelt, bestätigt auch der Meinungsforscher. „Ihre Stärken sind Sympathie, sie wirkt ehrlich und telegen. Sie hat die SPÖ durch einen Strategiewechsel zu konstruktiver Sachpolitik statt Parteiengezänk zu einem Zwischenhoch in den Umfragen geführt.“

Was ihr fehle, sei der politische Urinstinkt, der Riecher für den richtigen Sager zur richtigen Zeit. Dieses Manko wäre jedoch behebbar. Bachmayer: „Man hätte sie schon früher in ein Team einbetten sollen mit ein paar an der Basis verankerten Routiniers.“

Erfolge fehlen

Dass Rendi-Wagner in den eigenen Reihen ständig angezweifelt wird, ist allerdings kein Spezifikum der SPÖ. So ergeht es jedem Parteichef, der keine Wahlsiege heimbringt.

Zwar hat die SPÖ während Rendi-Wagners Parteivorsitzes Erfolge errungen, in Wien und im Burgenland. Aber niemand wird bezweifeln, dass dies den lokalen Spitzenkandidaten Michael Ludwig und Hans Peter Doskozil zuzuschreiben ist.

Bei der oberösterreichischen Landtagswahl am 26. September wäre nun die Gelegenheit zu zeigen, dass es einen positiven Bundestrend gibt, der einer schwachbrüstigen SPÖ-Landespartei Flügel verleiht.

Dieses Szenario dürfte aber nicht Realität werden. Laut allen bisher veröffentlichten Umfragen wird die SPÖ in Oberösterreich von ihrem historischen Tiefstand von 18 Prozent nicht merklich wegkommen. Ein Zeichen, dass es für die SPÖ derzeit keinen Oppositionsbonus gibt.

Zum Vergleich: 2003 war die SPÖ bei den Landtagswahlen in Oberösterreich mit dem Oppositionsrückenwind gegen Schwarz-Blau im Bund um elf Prozentpunkte auf 38 Prozent in die Höhe geschnellt.

Der Anti-Kurz

Nun ist es nicht so, dass man gegen Türkis-Grün keine Punkte sammeln könnte. Aber die landen derzeit auf dem Konto von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Er ist der heimliche Gegenspieler von Kanzler Sebastian Kurz.

„Ludwigs Coup, die Grünen aus der Wiener Stadtregierung zu entfernen und zu den Neos zu wechseln, ist aufgegangen“, sagt Bachmayer. Rot-Pink in Wien sei das Gegenmodell zur Bundesregierung geworden. Das wird bei Wiener Alleingängen in der Corona-Politik ersichtlich, bei ethischen Themen wie der Flüchtlingshilfe oder zuletzt auch beim Streit um Lobautunnel und Klimaticket. Bachmayer: „Der heimliche SPÖ-Bundesvorsitzende heißt Michael Ludwig. Und er wird bestimmen, wer Rendi-Wagner wann nachfolgt.“

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