Rendi-Wagner als Ministerin fix

Rendi-Wagner als Ministerin fix
Kanzler Christian Kern will, dass die Ärztin und Spitzenbeamtin Pamela Rendi-Wagner die Frauen- und Gesundheitsagenden übernimmt.

Was sich schon seit Tagen abzeichnete, ist seit Dienstag fix: Pamela Rendi-Wagner wird Nachfolgerin der verstorbenen Gesundheits- und Frauenministerin Sabine Oberhauser. Die Spitzenbeamtin aus dem Gesundheitsressort – sie ist Sektionschefin für öffentliche Gesundheit – steigt also in die Chefetage des Ministeriums auf.

Diese Personalentscheidung muss zwar noch von den SPÖ-Gremien fixiert werden, das ist aber nur noch ein Formalakt, der heute Vormittag abgeschlossen werden soll. Ist der offizielle Sanktus erfolgt, kann Parteichef Christian Kern damit – wie geplant – am Internationalen Frauentag eine neue Frau in seinem Team präsentieren. Auf Facebook erläuterte Kern bereits, warum er die Wienerin auserkoren hat: "Pamela Rendi-Wagner ist eine hervorragend qualifizierte Gesundheitsexpertin. Sie hat eine beachtliche Karriere gemacht, steht mit beiden Beinen im Leben und kennt die Sorgen und Nöte der Frauen in unserer Arbeitswelt und Gesellschaft."

Vorbehalte

Die Medizinerin war mehr als zehn Jahre lang am Institut für Tropenmedizin der Medizinischen Uni Wien tätig. Danach lebte sie einige Jahre in Israel, wo ihr Ehemann, Michael Rendi, Botschafter war. Der Diplomat ist derzeit Kabinettschef von Kanzleramtsminister Thomas Drozda. Rendi-Wagner ist seit 2011 im Gesundheitsressort tätig. Sie wird nicht nur als fachlich beschlagen beschrieben, sondern hat auch Erfahrung im Umgang mit Medien. In ihrer Funktion als Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit musste sie immer wieder öffentlich Rede und Antwort stehen – etwa nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima oder der Aufregung um den EHEC-Keim. Aufklärungsarbeit musste sie auch leisten, als öffentlich thematisiert wurde, ob mit den Flüchtlingen Krankheiten nach Österreich eingeschleppt werden. Bei all diesen Themen wirkte die 46-Jährige inhaltlich firm und eloquent. Das wird ihr in ihrer neuen Aufgabe zugutekommen, politisch kann sie derlei Expertise nicht vorweisen.

Die Ärztin hat sich zwar einst beim Bund Sozialdemokratischer Akademiker engagiert, ist darüber hinaus aber nicht tief in der Partei verankert. Da sie kein Mitglied der Frauenbewegung ist, gab es Vorbehalte gegen ihre Bestellung zur Frauenministerin – war doch bisher Usus, dass dieses Amt mit einer SPÖ-Frau besetzt wird (wenn die Roten in der Regierung saßen).

Die 46-Jährige bisherige Sektionschefin im Gesundheitsministerium und Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit ist so wie ihre verstorbene Vorgängerin Sabine Oberhauser Ärztin. Zudem hat sie sich als Wissenschafterin einen ausgezeichneten Ruf erworben.

Expertin für Impf-Prävention

Dr. Joy Pamela Rendi-Wagner hat schon eine steile wissenschaftliche Karriere hinter sich. Nach der Promotion an der Medizinischen Universität Wien 1996 machte sie ihre Facharztausbildung in London. Sie ist Expertin für Impf-Prävention, Reisemedizin und Infektionsepidemiologie und arbeitete über zehn Jahre wissenschaftlich am Institut für Tropenmedizin der Medizinischen Uni Wien. Dort etablierte sie als Projektleiterin unter anderem ein Netzwerk zur flächendeckenden epidemiologischen Überwachung wichtiger Infektionskrankheiten - und lieferte mehrere Studien, die zur wissenschaftlichen Grundlage für impfpolitische Entscheidungen wurden. Dass das empfohlene Intervall für die Zeckenschutzimpfung von drei auf fünf Jahre hinaufgesetzt wurde, ist eines der Ergebnisse von Rendi-Wagners Impf-Forschungen. 2008 habilitierte sie zum Thema Prävention durch Impfschutz.

Danach verbrachte die Mutter von zwei aufgeweckten Mädchen, wie Rendi-Wagner ihre beiden Töchter selbst bezeichnet, einige Jahre in Israel, wo sie als Gastprofessorin an der Universität Tel Aviv wirkte. Ihr Mann Michael Rendi war österreichischer Botschafter in Israel. Nach der Berufung seiner Frau ins Gesundheitsministerium nach Wien kehrte auch Michael Rendi nach Österreich zurück. "Das tut er auch wegen mir", sagte Pamela Rendi-Wagner damals. Ihr Mann ist seit dem Vorjahr als Kabinettschef von SPÖ-Kulturminister Thomas Drozda im Bundeskanzleramt tätig. Rendi-Wagner selbst ist Mitglied im Bund sozialdemokratischer Akademiker (BSA). Bei den SPÖ-Frauen ist sie allerdings im Gegensatz zu Oberhauser nicht verankert, ebenso wenig im ÖGB.

Krisenmanagerin

Der damalige Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) holte Rendi-Wagner mit 1. März 2011 als Leiterin der Sektion III für den Öffentlichen Gesundheitsdienst und medizinische Angelegenheiten sowie als Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit in sein Ressort. In dieser Funktion wurde sie der Öffentlichkeit bald als Krisenmanagerin bekannt. Eloquent und fachlich kompetent trat sie im Fernsehen auf, um die Bevölkerung etwa nach dem Atomunfall im japanischen Fukushima, bei gehäuften Auftreten von Virusinfektionen oder als Verfechterin des nationalen Impfplanes zu informieren und auch zu beruhigen. Komplizierte Zusammenhänge stellte sie dabei einfach und auf den Punkt gebracht dar. Einer Panikmache vorzubeugen war dabei ihr Ziel. Von der "Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich" der Wirtschaftskammer wurde sie im November 2015 zur Gesundheitsmanagerin des Monats gewählt.

Federführend war Rendi-Wagner als Sektionschefin bei der Erarbeitung der Rahmen-Gesundheitsziele. Als Erfolg wertet sie, dass es ihr dabei gelungen sei, mit ihrem Team die politikübergreifende Zusammenarbeit im Bereich Gesundheit erfolgreich in Österreich zu etablieren. Für ihre Arbeit nennt sie "den Teamgeist aller Mitarbeiter" als einen zentralen Faktor, um positive Ergebnisse zu erzielen. Im Gesundheitsministerium sieht sie das koordinierte und abgestimmte Vorgehen aller Systempartner (Bund, Länder, Sozialversicherung) als eine spannende Herausforderung. Das Ministerium ist ihrer Auffassung nach oft "Brückenbauer, Mediator und Advokat zwischen den unterschiedlichen Partnern".

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