© Hilfswerk/Roland Wallner

Politik Inland
05/11/2021

Reformvorschlag: Hilfswerk fordert sofortigen "Pflegeturbo"

Bis 2030 besteht ein Mehrbedarf von rund 90.900 Pflegekräften. Das Hilfswerk sieht dringenden Handlungsbedarf.

Am 12. Mai ist der Internationale Tag der Pflege. Aus diesem Anlass hat hat das Hilfswerk gemeinsam mit dem Institut für Höhere Studien (IHS) bei einer Pressekonferenz darauf gepocht, schleunigst mit der Pflegereform zu starten. "Die Corona-Krise und ihre Folgen dürfen kein Grund für eine weitere Verschiebung der Pflegereform sein", sagte Othmar Karas (ÖVP), Hilfswerk-Präsident.

Aktuell sind 158.000 Personen in Österreich in Pflege- und Betreuungsberufen tätig. Bis 2030 besteht aufgrund von Pensionierungen und dem demografischen Wandel ein Mehrbedarf von rund 90.900 Pflegekräften.

Was es braucht

Das Hilfswerk fordert: Es brauche eine schnelle Personaloffensive mit regionaler Ausrichtung. Gesundheits- und Sozialberufe sollen ein selbstverständlicher Teil des Regelschulwesens werden. Die Ausbildung soll völlig kostenfrei sein, Praktika in Zukunft ohne Ausnahmen bezahlt werden. Weiterer Schwerpunkt: Umschulungen, mit guter Beratung, Begleitung und Coaching.

Jetzt gehe es darum, das nachzuholen, was in der politischen Debatte liegen geblieben sei: "Die von der Regierung anekündigte Reform ist ins Stocken geraten. Jetzt muss die Regierung den Pflegeturbo starten", übte Karas deutliche Kritik an der türkis-grünen Bundesregierung.

Hohe Wertschöpfung durch Pflege

Ist das in dieser Form leistbar? Ja, erklärte IHS-Expertin Monika Riedel. 1 Euro an Investition in die Pflege würde 1,7 Euro Wertschöpfung bringen. Das lasse sich "eindeutig belegen", so Riedel. 

Im Pflegesektor würden beinahe nur Personalausgaben anfallen. Die Pflege sei kein Hochlohnbereich. Die Sparquote bei Personen mit niedrigerem Einkommen ist geringer, sie investieren einen höheren Anteil in den Konsum. "Sehr viel von diesen Ausgaben versandet nicht irgendwo, sondern fließt wieder ins System zurück." Und zwar etwa die Hälfte der Investitionen, schlussfolgerte Riedel. Im Jahr 2019 seien aus 459 Millionen Euro an Ausgaben für mobile Pflege etwa 1,14 Millionen an Wertschöpfung generiert worden.

Auch auf den Arbeitsmarkt hätten Investitionen in die Pflege positive Effekte. Die Pflege schaffe nachhaltige, saisonunabhängige Jobs, im städtischen wie auch im ländlichen Raum. Das wirke gegen Landflucht und fördere die regionale Entwicklung.

SPÖ schlägt "Corona-Tausender" vor

Auch weitere Parteien und Hilfsorganisationen äußerten sich am Mittwoch. Die SPÖ schlug ein Paket vor. Es beinhaltet einen "Corona-Tausender" u.a. für alle Pflegekräfte im stationären wie im mobilen Bereich, mehr Ausbildungsplätze und Pflegekräfte, eine kostenlose Pflegeausbildung und einen "Umstiegsbonus" mit Rechtsanspruch auf Existenzsicherung während der Ausbildung.

Auch schlägt die SPÖ vor, Pflegekräften Zugang zur Schwerarbeitspension ab 60 Jahre zu geben. Denn Pflege sei "Schwerstarbeit - körperlich und psychisch".

Korosec fordert ebenfalls Personaloffensive

Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger drängte auf die Bereitstellung der entsprechenden Mittel: "Wenn wir nicht wollen, dass die SystemerhalterInnen nur beklatscht werden, dann muss jetzt der Finanzminister (Gernot Blümel/ÖVP, Anm.) aus Volkshilfe-Sicht die notwendigen budgetären Mittel für die Länder bereitstellten." Auch die SPÖ-Pensionisten sehen die Regierung am Zug: "Gesundheitsminister (Wolfgang, Anm.) Mückstein ist nun gefordert, das Tempo der Pflegereform seinen Sportschuhen anzupassen", sagte PVÖ-Präsident Peter Kostelka. Beim Personal müsse primär das Potenzial im eigenen Land genützt werden: "Einfach zu sagen: 'In Zukunft fliegen wir eben Pflegekräfte von den Philippinen ein' - das ist keine nachhaltige Lösung! Das hat uns die Corona-Pandemie mehr als deutlich gezeigt!".

Auch ÖVP-Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec drängte auf eine "Personaloffensive und Attraktivierung" des Pflegeberufs. Sie verwies vor allem - wie auch die Volkshilfe - auf die starke Belastung der pflegenden Angehörigen. Zu deren Entlastung bedürfe es etwa einer Schaffung von mehr Kurzzeit-Pflegeplätzen, einer professionelle Betreuung und Begleitung pflegender Angehörige, so Korosec.

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