Politik | Inland
22.01.2018

Reaktionen zu Deutschklassen: FPÖ sieht Meilenstein, SPÖ Abgehen von Ghettoklassen

Während Gudenus sich erfreut über Umsetzung der langjährigen FPÖ-Forderung zeigt, hält die SPÖ die Umsetzung für stark von der Finanzierung abhängig.

Die am Montag von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) angekündigte Einführung von Deutschförderklassen ist für Koalitionspartner FPÖ ein "Meilenstein für eine positive und schnellere Integration von ausländischen Kindern". Damit werde eine langjährige Forderung umgesetzt, so FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus in einer Aussendung. Die SPÖ wertet das Konzept als Absage an "Ghettoklassen".

SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid begrüßte am Montag, dass Faßmann "die bestehende Sprachförderung in Verbindung mit dem Regelunterricht ausbauen und fortführen will". Ihr Nachfolger als zuständiger Minister habe den von Kanzler und Vizekanzler "propagierten 'Ghettoklassen'" eine Absage erteilt.

"Vorher die Finanzierung sicherstellen"

"Völlig offen ist allerdings, wie die benötigten zusätzlichen LehrerInnen und mehr Klassenräume finanziert und zur Verfügung gestellt werden", sagt Hammerschmid, die u.a. anderem für die Sprachförderung im vergangenen Herbst 5.000 zusätzliche Lehrer gefordert hatte, damit jedoch beim Finanzministerium abgeblitzt war. Faßmann müsse nun für sein Vorhaben "vorher die Finanzierung sicherstellen, ansonsten drohen Einsparungen in anderen Bildungsbereichen".

Gudenus zeigte sich "erfreut" angesichts der angekündigten Maßnahme: "Deutschkenntnisse als Kriterium für die Schulreife werden endlich Realität." Gerade "im rot-grünen Wien" seien Kinder mit deutscher Muttersprache "in öffentlichen Wiener Volksschulklassen mittlerweile die Minderheit". Es bildeten sich "'Clans', die auch in der Schule nur ihre Heimatsprache sprechen. Dadurch werden die österreichischen Kinder im Lernfortkommen gehindert", so Gudenus.

Offene Fragen

Gerade in Ballungsräumen wirft das heute präsentierte Konzept für die SPÖ Fragen auf: "Werden diese Sprachförderklassen jetzt mit bis 25 SchülerInnen aufgefüllt? Warum dürfen nicht mehr PädagogInnen die Sprachkenntnisse beurteilen? Und: Wie will man die Räume für hunderte neue Vorschulklassen schaffen?", fragen der Wiener Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky und Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer (beide SPÖ). Es sei zu befürchten, dass sich in großen Deutschförderklassen "intensive Sprachförderung pädagogisch sehr schwierig gestaltet". Auch die räumliche Unterbringung einer großen Anzahl neuer Klassen sei vor allem im städtischen Raum schwer umzusetzen, heißt es in einer Aussendung, in der Czernohorszky und Himmer auch zusätzliche Ressourcen "in großem Umfang" fordern.

"Vorsichtig positiv" beurteilt der Bildungssprecher der NEOS, Matthias Strolz, die am Montag präsentierten Pläne zur Umsetzung der Deutschförderklassen.

"Parallelgesellschaften schon im Kindesalter"

Für die Integrationssprecherin der Liste Pilz, Alma Zadic, führen "eigene Klassen für Kinder, die nicht ausreichend Deutsch sprechen" zu "sozialer Ausgrenzung". Damit fördere man "das Entstehen von Parallelgesellschaften schon im Kindesalter". Bildungssprecherin Stephanie Cox fürchtet angesichts der neuen Pläne ein Zurückdrängen der "Vielfalt, die unsere Gesellschaft prägt", und fordert "eine deutliche Erhöhung des Bildungsbudgets".

Eine "Kehrtwende" des Ministers sehen die Grünen in dem Konzept: "Auch der neue Bildungsminister Heinz Faßmann präsentiert seine Wahrheit als Tochter der Zeit, wenn er jetzt Ghettoklassen für Kinder in Volksschulen als Mittel der Wahl verkündet", so der Grüne Bundessprecher Werner Kogler. Faßmann habe als Vorsitzender des Expertenrats für Integration eigene Deutschklassen noch abgelehnt.

Pläne positiv für Schüler

Bundesschulsprecher Harald Zierfuß beurteilt die Pläne hingegen "aus Schülersicht sehr positiv. Es macht Sinn, dass der Fokus zuerst auf der Sprache, dem Grundstein für gelungene Schulbildung, liegt, um dann voll durchstarten zu können", sagt Zierfuß. Dass die Regierung nun den Schwerpunkt auf das Deutschlernen lege, bewertet der Präsident des Roten Kreuzes, Gerald Schöpfer, als positiv. Man dürfe aber auch nicht auf die Förderung der Erstsprache vergessen, einen Passus dazu vermisse er im Regierungsprogramm.