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Politik Inland
07/12/2020

Wifo-Chef Badelt will "ernsthaft über Vier-Tage-Woche diskutieren"

Badelt plädiert in der Pressestunde auch für eine Verlängerung der Kurzarbeit und wünscht sein Umdenken in puncto unsozialer Arbeitsbedingungen- Stichwort Schlachthöfe.

Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo, Christoph Badelt, hat die Corona-Krise in der ORF-Pressestunde die „tiefste Krise seit 100 Jahren“ genannt. Er rief dabei aber auch in Erinnerung, dass die derzeitige Rezession deutlich kürzer dauern werde, als das bei bisherigen Krise der Fall gewesen sei - Österreich sei zudem gut vorbereitet gewesen und habe gut reagiert.

Grenzen bei Ausgaben zur Krisenbewältigung

Seine Bewertung des Krisenmanagements der Regierung ist positiv: Die „Politik hat grundsätzlich reagiert, es ist keine soziale Katastrophe entstanden“, sagte er. Zu sagen, dass „es koste, was es wolle“, um diese Krise zu bewältigen, sei richtig gewesen, denn der Satz habe "Vertrauen geschaffen“.  Aber: Was die Ausgaben zur Krisenbewältigung angeht, so müsse es „Grenzen geben“.

Die Kurzarbeit als Instrument sollte allerdings auf jeden Fall „ins nächste Jahr hinein verlängert werden“. Es werde wohl auch gewisse Adaptionen brauchen.

In puncto Vier-Tage-Woche – ein Vorschlag der SPÖ – sei er für eine Debatte: „Darüber muss man ernsthaft diskutieren“, so Badelt, der aber für keine generelle Vorgabe der Arbeitszeit eintritt, sondern für eine Regelung über die jeweiligen Kollektivverträge.

USA: „Absurdes“ Experiment

Dass es zu einer Weltwirtschaftskrise kommen wird, wollte der Experte nicht ausschließen – vor allem wenn die USA in eine Totalwirtschaftskrise fielen, könne das zum „Nukleus“ für eine globale Krise werden, so Badelt. Was in den USA geschehe, sei „absurd“ - es sei ein „unmoralisches, riesiges Experiment“, das die Wirtschaft fördere und in Kauf nehme, dass Tausende Menschen sterben.

Dass die Krise ein Umdenken nötig mache, ist für Badelt offensichtlich – etwa in puncto Arbeitsbedingungen; Stichwort Schlachthöfe. „Es ist wunderbar, wenn wir das endlich lernen“, sagte der WIFO-Chef. Er sieht allerdings in der bisherigen Debatte „keine Fundamentalkritik an unserem Wirtschaftssystem. Das macht die Klimakrise viel deutlicher.“

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