Die gute Nachricht: An der schwierigen Situation könnte sich demnächst etwas ändern.
„Alles Clara“, nennt sich eine App, die die wichtigsten Anbieter im Pflegebereich – darunter Caritas, Hilfswerk, Volkshilfe, Rotes Kreuz, Diakonie und Arbeiter-Samariterbund – mit der Erste Stiftung für pflegende Angehörige entwickelt haben (siehe unten).
Noch ist „Alles Clara“ in der Pilot-Phase. Doch KURIER-Leser können das Angebot schon jetzt nutzen. Und dieses besteht im Wesentlichen darin, dass Experten mit Expertise und einer Ausbildung im Pflege-Bereich als Auskunftspersonen zur Verfügung stehen und helfen, die wichtigsten Fragen und Sorgen pflegender Angehöriger zu klären. Das geht von Abläufen und Zuständigkeiten bis hin zu „Wer hilft mir, wenn ich mit der Pflegesituation emotional überfordert bin“.
Fleckerlteppich
Die App adressiert gleich mehrere der bestehenden Probleme im Pflegewesen. „Auch wenn die vergangene Bundesregierung viele Verbesserungen vorangetrieben hat, ist eines der größten Probleme ungelöst: Der ,Fleckerlteppich‘ an Zuständigkeiten, die von Bundesland zu Bundesland verschieden sind“, sagt Klaus Schwertner, Caritasdirektor in Wien zum KURIER.
Gemeinsam mit Nicole Traxler, der Geschäftsführerin der Alles Clara Gmbh, plädiert Schwertner für einen Digitalisierungsfonds in Höhe von 500 Millionen Euro, damit die Digitalisierung den Bereich verbessern und Pflegende entlasten kann.
Was heißt das für die Praxis?
Abgesehen davon, dass Apps wie „Alles Clara“ Angehörige schnell durchs System führen und solcherart Zeit und Ressourcen sparen, können digitale Hilfsmittel die personellen Probleme ein Stück weit mildern.
„Bis 2050 werden mehr als doppelt so viele Personen pflegebedürftig sein wie heute. Im Gegenzug wird rund ein Drittel der derzeit aktiven Pflegekräfte in den nächsten fünf Jahren in Pension gehen“, beschreibt Traxler die Lage.
Künstliche Intelligenz kann zwar nicht die Zuneigung echter Menschen ersetzen. „Allerdings kann KI bei der Bürokratie helfen“, sagt Caritas-Mann Schwertner. Im Schnitt sei jeder Pfleger pro Tag rund eine Stunde mit Fragen der Dokumentation beschäftigt. „Die ist auch wichtig“, sagt Schwertner. „Allerdings kann KI helfen, die Dokumentation schneller zu erledigen, damit die Pflegenden wieder beide Hände frei für die Arbeit haben.“
Traxler nennt noch eine andere, konkrete Anwendung, bei der KI und Apps helfen: „Die Frage des Geldes, das zu Pflegende zur Verfügung haben und wie es verwaltet wird, ist ein riesengroßes Thema.“
„Bank“-Apps könnten den Beteiligten – Betroffenen wie der Familie und professionellen Kräften – helfen, die Finanzen zu verwalten und Missverständnisse zu verhindern.
Ganz im Sinne von „und trotzdem“ gibt es beim schweren Thema der Pflege eine besonders gute Nachricht zu vermelden: „Das Image des Pflegeberufs hat zuletzt deutlich gewonnen“, sagt Schwertner. „Die Pflege wird heute von jungen Menschen und Umsteigern zunehmend als das begriffen, was sie ist, nämlich: ein fordernder, sicherer und erfüllender Sozialberuf mit Karrieremöglichkeiten.“
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