Politik | Inland 16.12.2017

Peter Hochegger: Ein "Überflieger", der hart aufschlug – und ablegt

Walter Meischberger und Peter Hochegger © Bild: VIENNA PRESS Andreas Tischler

Der PR-Unternehmer, 68, hat auch auf ehrliche Weise viel Geld verdient. Aber dann gefielen ihm "Freunde", die ihm smarter und souveräner im Geldverdienen und Ausgeben erschienen. Aufstieg und Fall eines Begabten.

Ein guter Poker-Spieler wäre Peter Hochegger nie geworden. Sein Gesicht spiegelte immer seinen Gemütszustand wider – zu Beginn der 2000er-Jahre, als die Mächtigen seine Nähe suchten, strahlte er eine ruhige, aber nie übertriebene Zufriedenheit aus. Im Telekom-Prozess, wo er zu zwei Jahren Haft, acht davon unbedingt verurteilt wurde, war sein Gesicht voll Bitterkeit. Er hatte verstanden, dass er sich und seine angeblichen Freunde überschätzt hatte.

GRASSER-PROZESS: HOCHEGGER
ABD0062_20171214 - WIEN - ÖSTERREICH: Der Angeklagte Peter Hochegger am Donnerstag, 14. Dezember 2017, vor Beginn des Buwog-Proz… © Bild: APA/HANS KLAUS TECHT/APA-POOL

Gestern, als er endlich reinen Tisch machte und Grasser der Bestechlichkeit beschuldigte, wirkte er wie befreit. Man sah ihm an, dass er für sich endlich zur Wahrheit gefunden hatte. In der Haft nach dem Telekom-Urteil, wie er sagt.

Der Aufstieg der Brüder Hochegger

Was für ein Lebensweg. Im Jahr 1949 in Mürzzuschlag geboren, geht er als Student an die Hochschule für Welthandel, studiert Betriebswirtschaft, macht Werbung und gründet schließlich mit seinem Bruder Paul die PR-Firma Hochegger Communications. Mit ihrer freundlichen, eher bescheidenen Art gewinnen die beiden Brüder einen Auftrag nach dem anderen für ihre Agentur, noch in der Zeit der Großen Koalition auch von der Telekom Austria. Politisch aktiv sind die Hochegger- Brüder nicht, Paul neigt eher der Sozialdemokratie zu.

Die allseits geachtete Agentur

Bis zur schwarz-blauen Koalition war die Agentur Hochegger Communications bekannt für saubere PR-Arbeit. Sie betreute Pressestellen, entwickelte PR-Konzepte, organisierte Mitarbeiterveranstaltungen und Kongresse, 120 Angestellte hatten genug zu tun. Der durchaus gebildete Hochegger interessierte sich nicht nur fürs Geldverdienen. Er entwickelte auch Konzepte, wie sich Führungskräfte besser in der Öffentlichkeit präsentieren sollen und gründete in seiner Agentur sogar eine eigene Abteilung, die sich mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigte.

Im Buch "Der Chef als Kapital", das 2005 erschien, schreibt er: "Warum muss sich ein Chef um den Aufbau und den Erhalt seiner Reputation kümmern? Ganz einfach: Er ist das Gesicht des Unternehmens, er personifiziert in der öffentlichen Wahrnehmung die Werte und den Erfolg seinen Unternehmens."

Die Versuchung Meischberger

Genau das war Peter Hochegger für sein Unternehmen, es galt als ebenso seriös wie sein Chef. Doch 2005 kümmerte sich Hochegger nicht mehr so sehr um den Agenturalltag, andere Tätigkeiten schienen spannender und jedenfalls lukrativer. Denn um 2000 hatte Peter Hochegger Walter Meischberger kennengelernt, und diese beiden so unterschiedlichen Typen freundeten sich an, der zurückhaltende Steirer und der stets fröhliche, manchmal laute Tiroler.

Meischberger war unter Jörg Haider von einer Tiroler Tankstelle im Blitztempo in den Nationalrat geklommen, wo er 1989 mit 30 Jahren der damals jüngste Abgeordnete wurde. Kaum war Karl Heinz Grasser Finanzminister geworden, rückte er von Haider ab und nutzte seine Freundschaft zum jungen Polit-Star. Auch ungefragt betonte er stets, dass er alle seine Geschäfte mit seinem "besten Freund" absprechen würde. Ein Satz, der später viel spannender klang als zu Beginn der Regierungszeit von Schwarz-Blau und dem Marketingminister KHG.

Zu dieser Zeit sah man Peter Hochegger in den Wiener Nobelrestaurants mit Ministern und Generaldirektoren, manchmal auch mit Ex-Politikern, die er für seine Agentur gewinnen wollte. Das PR-Geschäft besorgten seine Mitarbeiter, jetzt wollte er mit Lobbying ans große Geld, auch im Ausland. Auch das wäre noch unproblematisch gewesen, aber irgendwann war seine Intelligenz in Hybris übergegangen, Grasser und Meischberger hatten ihm offenbar zu stark vermittelt, dass sie im Land schalten und walten könnten, ohne dass sie jemand kontrollieren oder gar haftbar machen könnte.

Der tiefe Fall durch zu viel Gier

In einem ORF-Interview im Jahr 2012 sagte es Hochegger ganz unumwunden: "Es war mein Fehler, dass ich mich zu sehr auf materielle Dinge konzentriert habe, ich habe den Blick für das Wesentliche verloren, es ging nur mehr um Gier und Habsucht." Und damals weiter: "Der Schmerz hat beim Menschen Informationsfunktion."

Peter Hochegger brauchte den Schmerz. Sein Bruder wurde krank, er musste ins Gefängnis, jetzt sitzt er schon wieder auf der Anklagebank. Auch für einen zähen Steirer war der Schmerz zu groß. Und Hochegger fand offensichtlich in diesen Jahren des materiellen Verlusts zu sich zurück und zur Erkenntnis, dass er und andere für ein paar Millionen sich und seine Umgebung zerstört haben. Irgendwann musste die Wahrheit heraus.

( kurier.at ) Erstellt am 16.12.2017