© Ärztekammer für Wien/Stefan Seelig

Politik Inland
12/21/2021

Omikron bringt Debatte um "schwedischen Weg" zurück

Wenn die Zahl der Infektionen massiv steigt, werden auch Infizierte arbeiten gehen müssen, vermutet Simulationsforscher Klimek.

von Christian Böhmer

Er hatte sie alle überrascht – auch die, die ihn lange kennen: Simulationsexperte Peter Klimek deutete zuletzt in mehreren Gesprächen an, dass die neue Omikron-Variante möglicherweise auch zu einem Umdenken bei den Schutzmaßnahmen führen müsse. Im Unterschied zu vergangenen Erkrankungswellen seien mittlerweile viel mehr Menschen in der Bevölkerung immun; auch deswegen sei nicht notwendigerweise mit einem Ansteigen der Hospitalisierungen zu rechnen. Und falls die Infektionszahlen durch die Decke gehen („Es ist mehr eine Wand als eine Welle, die auf uns zu kommt“), dann sei der Betrieb von Krankenhäusern und Supermärkten in Gefahr und die Kosten-Nutzen-Rechnung von Quarantänen müsse neu gestellt und beantwortet werden.

Aussagen konterkarieren bisherige Strategie

In manchen Krisenstäben wurde bereits das Szenario durchgespielt, dass in einzelnen Supermarktketten ein Drittel der Angestellten im Krankenstand ist und dass deshalb Standorte vorübergehend geschlossen bzw. zusammengezogen werden müssen. Klimek spricht auch diese neue Notlage an: „Da wird es auch die Situation geben, dass eine Person trotz Corona-Infektion arbeiten geht.“

Gemeint sind nicht Kranke, sondern symptomlos Infizierte.

Die Aussagen des Experten sind insofern überraschend, als sie die bisherige Strategie – massive Quarantänen, das Infektionsgeschehen maximal eindämmen – konterkarieren.

Dahinter steht – auch – die Hoffnung, dass eine Infektionswelle, die schnell anwächst und bei der idealerweise schwere Verläufe weitgehend ausbleiben, auch schnell wieder abebbt. Klimek: „Je höher die Welle ist, desto kürzer dauert sie normalerweise auch.“ Die logische Konsequenz wäre: Man verzichtet darauf, die Welle durch Maßnahmen abzuflachen und damit zu verlängern.

Rasche Durchseuchung

Diese Überlegung einer schnellen Durchseuchung der Bevölkerung gilt als „schwedischer Weg“. Sie wird jedoch von vielen Experten des GECKO-Konsortiums kritisch gesehen. Zum einen gilt es als längst nicht fix, dass die Omikron-Variante zu keinem Anstieg der Hospitalisierungen oder schweren Covid-Verläufen führt. Und auch die Beobachtung, dass schnell steigende Infektionswellen schnell wieder abfallen, wird nicht von allen Forschern als Konstante oder unabänderliche Tatsache betrachtet.

„Wir haben keine Garantie, dass schnell steigende Wellen auch schnell abebben“, sagt ein GECKO-Sitzungsteilnehmer. „Was tun wir, wenn die Infektionszahlen explodieren, hoch bleiben – und die Spitäler trotzdem nicht entlastet werden? Dann wird es grimmig.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.