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Neuer PISA-Test
12/02/2013

Schüler rechnen besser, lesen aber noch schlecht

Österreichs 15-Jährige schneiden besser ab als letztes Mal, doch die Leseschwäche ist geblieben.

Zum Abschied darf Bildungsministerin Claudia Schmied doch noch aufatmen: Der Mathematik-PISA-Test ist heuer deutlich besser ausgefallen. Österreichs 15-jährige liegen mit 506 Punkten auf Platz zehn der OECD-Staaten (bzw. Platz elf aller getesteten Länder) und damit „signifikant“ über dem Schnitt der 34 OECD-Staaten (494 Punkte). Das erfuhr der KURIER noch vor Veröffentlichung der Daten. 2012 wurde getestet – unter deutlich besseren Bedingungen als 2009, als Lehrer (wegen drohender höherer Stundenverpflichtung) und Schüler (wegen der Ablehnung „intimer Fragen“) PISA teilweise boykottierten.

Problemschüler

Auffällig ist allerdings, dass hierzulande Kinder mit „Migrationshintergrund“ bei den „Risikoschülern“ deutlich überrepräsentiert sind. Würde man Schüler, wo beide Eltern aus dem Ausland stammen, herausrechnen, würde Österreich sogar an der Spitze mitspielen. Bestes europäisches Land ist übrigens die Schweiz – was wahrscheinlich Wasser auf den Mühlen der Befürworter eines differenzierten Schulwesens sein wird. Finnland hat ein auffälliges Minus (- 26 Punkte), Schweden ist regelrecht abgestürzt (minus 31 Punkte). Den größten Leistungszuwachs mit 27 Punkten errang Polen, das mit einer Schulreform auf die früheren PISA-Tests reagiert hat.

Trotz des Sprungs im Ranking nach oben hat Österreich bei Mathe überhaupt nicht zugelegt, die 506 Punkte wurden auch schon 2009 ereicht. In der Statistik ist Östereich nach vorne gerutscht, weil andere Länder schlechter wurden.. Buben schneiden in allen Staaten besser als Mädchen in Mathematik ab. In Österreich ist der Abstand besonders groß: Hier befinden sich 21 Prozent der Mädchen und 16 Prozent der Burschen in den „Risikogruppen“.

Bei der Lesekompetenz (die aus dieser Studie ebenfalls herausgefiltert wurde) konnte sich Österreich zwar um 20 Punkte verbessern, liegt aber noch immer nur auf Platz 21 von 34. Beim Lesen sind 29 Prozent der „Risikoschüler“ Migrantenkinder, in den Naturwissenschaften sogar 39 Prozent. Insgesamt stammten 17 Prozent der getesteten heimischen Schüler aus Migrantenfamilien.

Die Details

Auch wenn man sich in Österreich allgemein freut, dass die Ergebnisse nicht so schlecht ausgefallen sind, bleibt doch Handlungsbedarf: 26 Prozent der 15- bzw. 16-jährigen Österreicher (OECD: 29 Prozent) erreichten in zumindest einem der drei überprüften Kompetenzbereiche (Lesen, Mathe, Naturwissenschaften) nicht einmal Mindeststandards. Elf Prozent gehören sogar in allen drei Bereichen zur Risikogruppe, jeder fünfte Schüler kann nicht sinnerfassend lesen.
In Mathematik konnten diesmal 19 Prozent bestenfalls einfache Algorithmen und Formeln lösen und Verfahren anwenden. Das sind zwar weniger als im OECD-Schnitt (23 Prozent), allerdings sind es im OECD-Siegerland Südkorea nur zehn Prozent. In Österreich hat sich außerdem seit 2003, als zuletzt Mathematik Schwerpunktthema war, der Abstand zwischen den Geschlechtern vergrößert: So hat bei den Burschen die Zahl der Spitzenschüler zu- und die der Risikoschüler abgenommen, bei den Mädchen war die Entwicklung genau umgekehrt.

Die Ergebnisse auf einen Blick:

PISA-SIEGER:Bei der Mathematik-Kompetenz haben unter den Teilnehmerländern aus OECD bzw. EU Südkorea (554), Japan (536) und die Schweiz (531) die Nase vorn. Unter allen 65 teilnehmenden Ländern bzw. Regionen erreichte Shanghai (China) mit 613 den mit Abstand höchsten Wert vor Singapur (573) und Hongkong (China; 561). Beim Lesen liegen OECD/EU-weit Japan (538), Südkorea (536) und Finnland (524) in Front, insgesamt hat auch hier Shanghai den höchsten Punktewert (570). Die Naturwissenschaften werden OECD/EU-weit von Japan (547), Finnland (545) und Estland (541) dominiert, absoluter Sieger ist auch hier Shanghai (580).

PISA-VERLIERER: Schlusslichter in der OECD/EU sind in der Mathematik Mexiko (413), Chile (423) und Bulgarien (439). Beim Lesen landen OECD/EU-weit Mexiko (424), Bulgarien (436) und Rumänien (438) auf den hintersten Plätzen, in den Naturwissenschaften Mexiko (415), Zypern (438) und Rumänien (439). Absolutes Schlusslicht in allen drei Kategorien ist Peru.

AUFSTEIGER: Zu den Aufsteigern beim Haupttestfach Mathematik gegenüber der letzten PISA-Studie gehören neben Österreich u.a. Polen (plus 23 Punkte), die Nicht-OECD-Mitglieder Tunesien (plus 16) und Russland, Irland (je plus 14) sowie die OECD-Partner Macau (plus 13) und Lettland (plus neun).

ABSTEIGER: Deutlich weniger Punkte als 2009 erreichten unterdessen Finnland (minus 22), Neuseeland (minus 20), Schweden (minus 16), Slowakei (minus 15), Island (minus 14) sowie Ungarn und Griechenland (je minus 13).

SOZIALSTATUS: Der Leistungsvorsprung sozioökonomisch bessergestellter Schüler gegenüber Jugendlichen aus weniger begünstigten Verhältnissen in der Mathematik ist in Österreich (43 Punkte) etwas höher als im OECD-Raum (39 Punkte). 6,5 Prozent der Schüler in Österreich sind "resilient" - das heißt, dass sie trotz eines ungünstigen sozioökonomischen Hintergrunds über Erwarten gut abschneiden (OECD: 5,6 Prozent). Seit 2003 gab es in Österreich hier keine Änderung.

RISIKOSCHÜLER: 19 Prozent der österreichischen Schüler sind in Mathematik besonders leistungsschwach, das ist etwas weniger als im OECD-Schnitt (23 Prozent). Beim Lesen gelten in Österreich 20 Prozent als Risikoschüler (OECD: 18 Prozent), in den Naturwissenschaften 16 Prozent (OECD: 18 Prozent). 26 Prozent der österreichischen Schüler gehören in zumindest einem der drei Testbereiche zur Risikogruppe (OECD: 29 Prozent), elf Prozent in allen drei.

SPITZENSCHÜLER: 14 Prozent der österreichischen Schüler gehören in Mathematik zur Spitzengruppe (OECD: 13 Prozent), beim Lesen sind es sechs Prozent (OECD: acht Prozent) und in den Naturwissenschaften acht Prozent (OECD: auch acht Prozent). 16 Prozent der Österreicher erbringen in einem der drei Testbereiche Spitzenleistungen (OECD: 15 Prozent), drei Prozent in allen drei.

MIGRANTEN: Der Anteil der Migranten in Österreich ist seit dem ersten PISA-Test 2000 von elf auf 17 Prozent angestiegen - dieser Zuwachs geht ausschließlich auf das Konto von Migranten zweiter Generation (bereits in Österreich geboren, Eltern zugewandert). In der OECD ist die Entwicklung auf etwas niedrigerem Niveau ähnlich. Der Mathematik-Leistungsunterschied zwischen Einheimischen (mindestens ein Elternteil in Österreich geboren) und Migranten ist in Österreich mit 60 (absolut) bzw. 42 Punkten (unter Berücksichtigung des sozioökonomischen Hintergrunds) vergleichsweise hoch. Bedenklich: Im OECD-Schnitt verringerte sich seit 2003 der Leistungsunterschied zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund (unter Berücksichtigung des sozioökonomischen Hintergrunds) um elf Punkte, in Österreich ist er gleich geblieben.

GESCHLECHTERDIFFERENZ: In Österreich schneiden die Burschen in der Mathematik um 22 Punkte besser ab als die Mädchen, in der OECD sind die Unterschiede deutlich geringer (elf Punkte). Beim Lesen erreichen umgekehrt die Mädchen sowohl in Österreich (plus 37 Punkte) als auch in der OECD (plus 38 Punkte) deutlich bessere Mittelwerte als die Burschen. In den Naturwissenschaften liegen beide Geschlechter sowohl in Österreich als auch in der OECD praktisch gleichauf.

MOTIVATION: Die österreichischen Schüler zählen zu denjenigen, die am wenigsten Freude an Mathematik haben. Der Aussage "Mich interessiert das, was ich in Mathematik lerne" stimmten nur 41 Prozent zu (OECD-Schnitt: 53 Prozent). Besonders wenig Freude an Mathe haben die österreichischen Mädchen (32 Prozent).

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