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Politik Inland
08/30/2020

Österreichs Ampelmann: Wie vier Farben künftig unseren Alltag prägen

Die Infektionszahlen steigen weiter: Zuletzt wurden fast 400 Fälle an einem Tag verzeichnet. Wie gefährlich die Lage ist, zeigt ab Freitag eine vierfarbige Ampel an. Aber wie funktioniert die?

von Raffaela Lindorfer

Vier Farben, viele Varianten: Am Freitag, den 4. September, startet die Corona-Ampel für Österreich. Sie soll die Lage in jedem Bezirk anzeigen. Mitgeliefert wird ein Katalog an Maßnahmen, um – je nach Gefahrenstufe – die weitere Ausbreitung des Virus zu vermeiden. Der KURIER gibt einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie sieht diese Corona-Ampel eigentlich aus?

Anders als eine Verkehrsampel hat sie nicht drei, sondern vier Farben: grün, gelb, orange und rot. Grün bedeutet aber nicht, dass alles in bester Ordnung ist – auch bei der untersten Stufe gibt es Sicherheitsmaßnahmen, aber auch die größtmöglichen Lockerungen.

Und wo sieht man sie?

Aufgestellt wird die Ampel nirgends, sie ist nur ein Symbol. Das Gesundheitsministerium wird eine eigene Website einrichten, die Adresse ist noch nicht bekannt. Dort sollen Infos zur Ampelschaltung und zu den entsprechenden Maßnahmen veröffentlicht werden. Eine App fürs Handy gibt es vorerst nicht.

Wer bestimmt, wie die Ampel geschaltet wird?

Die politischen Entscheidungsträger auf den verschiedenen Ebenen: Die Bezirksbehörde, wenn es nur den Bezirk, und der Landeshauptmann, wenn es das ganze Bundesland betrifft (mehr dazu rechts). Der Gesundheitsminister darf strengere Regeln für das Bundesgebiet verordnen – und damit die Regionen überstimmen. Auch sonst sollen die Maßnahmen mit ihm abgestimmt sein. Minister Rudolf Anschober ist damit – bildlich gesprochen – Österreichs „Ampelmann“.

Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?

Anders als in Deutschland geben in Österreich nicht nur die Infektionszahlen den Ausschlag, sondern zusätzlich noch drei andere Faktoren: Das ist erstens der Anteil der positiven Tests. Logisch: Je mehr getestet wird, desto mehr Infektionen kommen in die Statistik. Zweitens die Cluster-Analysen: Wie gut lassen sich die Infektionsfälle eingrenzen? Drittens die Kapazitäten in den Spitälern bzw. die freien Betten auf den Intensivstationen.

Und wer beurteilt das?

Eine Kommission, die ein Mal pro Woche – voraussichtlich donnerstags – tagen soll. Sie besteht aus fünf Vertretern des Bundes, jeweils einem Vertreter aus den neun Bundesländern sowie fünf Fachexperten. Insgesamt sind es 19 Personen, die der Politik eine Einstufung vorschlagen.

Wie schlimm muss die Corona-Lage sein, damit auf Rot gestellt wird?

Der schlimmste Fall wäre, wenn sich die Infektionszahlen in einem Bezirk großflächig erhöhen, sich also nicht auf Cluster eingrenzen lassen und gleichzeitig die Spitalsbetten knapp werden.

Und was passiert bei Rot?

Das hat Minister Anschober bisher nicht verraten. Festgelegt wird das in einem Leitfaden, der aber noch nicht fertig ist. Ein Ausbruch soll jedenfalls durch „möglichst kleinräumige Eingriffe“ eingedämmt werden. Ein weiterer Lockdown sollte sich auf eine Region beschränken.

Wie läuft das in Wien ab? Gelten dann im 6. Bezirk (Mariahilf) andere Regeln als im 7. Bezirk (Neubau)?

Das stand lange zur Diskussion, wurde aber verworfen. Wien wird als Ganzes gesehen, bestätigt das Ministerium – so wie andere Stadtgebiete Österreichs auch. Der Grund: Die Wiener bewegen sich häufiger zwischen den Bezirken als Bewohner von ländlichen Gegenden mit größeren Distanzen. Infektionen könnten in Wien also weiter streuen. Das bedeutet: Gehen in Mariahilf die Corona-Zahlen durch die Decke, dann gelten in der ganzen Bundeshauptstadt strengere Regeln.

Im Internet kursieren verschiedene Österreich-Karten mit gelben bis roten Sprenkeln – ist das schon die Corona-Ampel?

Nein. Diese Karten basieren meist nur auf der Zahl der neuen Positiv-Testungen. Das System des Bundes ist, wie gesagt, umfassender und differenzierter. Zu beachten ist bei solchen Karten auch: Absolute Zahlen sind in der Statistik nicht aussagekräftig. Wie viele Infektionen pro 100.000 Einwohner aufgetaucht sind, schon eher.

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