NR-Wahl: So viele Kandidaten wie noch nie?

Landtagswahl Saarland
Foto: APA/dpa/Arne Dedert  

Bis 17.00 Uhr müssen heute die Landeswahlvorschläge bei den Landeswahlbehörden eingereicht werden. Zwölf Kandidaturen sind schon bekannt - drei fehlen noch zum Rekord.

Am frühen Freitagabend ist es so weit. Dann steht endgültig fest, wie viele Parteien bei der Nationalratswahl am 15. Oktober antreten können. Einige Kleinparteien sammelten bis zuletzt Unterschriften. Ihre Wahlvorschläge müssen von je nach Größe des Bundeslandes 100 bis 500 Wahlberechtigten unterstützt werden.

Fix am Stimmzettel stehen natürlich die jetzigen Parlamentsparteien SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne und NEOS. Das Team Stronach hat auf eine Kandidatur verzichtet. Ebenfalls fix ist die Kandidatur der Liste Pilz sowie der Freien Liste Österreich Karl Schnells. Ihre Wahlvorschläge wurden von drei Abgeordneten unterschrieben.

INTERVIEW: ROLAND DÜRINGER Foto: APA/HANS KLAUS TECHT Bereits genug - nämlich mindestens 2.600 - Unterschriften für die österreichische Kandidatur gesammelt haben die KPÖ und Roland Düringers Liste G!LT. Bei einer Pressekonferenz am Freitagvormittag erklärte dieser sein "Kunstprojekt" denn auch gleich für beendet. Ziel der Düringer-"Partie" war es ja, ungültige Stimmen im Parlament sichtbar zu machen. Dafür wurden in den vergangenen Wochen in allen Bundesländern Kandidaten gecastet. Düringer selbst wird nicht ins Parlament einziehen, aber als Spitzenkandidat in den Wahlkampf gehen.

Endgültige Entscheidung erst um 17.00 Uhr

In einzelnen Bundesländern bereits geschafft haben es die Sozialistische Linkspartei (SLP), die Neue Bewegung für die Zukunft (NBZ) und die Liste "Obdachlose in der Politik". Die Christliche Partei Österreichs, die EU-Austrittspartei und die Männerpartei haben noch keinen Erfolg gemeldet. Am Freitagabend wissen wir mehr.

Insgesamt sind bereits 12 Kandidaturen fix. Neun Parteien werden bundesweit antreten und dazu - so weit bekannt - möglicherweise sechs in einzelnen Bundesländern. Mit 15 Kandidaten wären die Jahre 2008 und 2013 überboten, wo sich insgesamt 14 Parteien bewarben. Einige mögliche Kandidaten hüllten sich bis zuletzt in Schweigen: Die Wahlplattform EUAUS, die Christliche Partei Österreichs oder die Männerpartei. Sie alle haben es bei der vorigen Wahl allerdings in dem einen oder anderen Bundesland auf den Stimmzettel geschafft.

Konkret werben folgende Kleinparteien um die Wählergunst

KOMMUNISTEN
Die KPÖ braucht man eigentlich nicht näher zu erklären. Seit 1959 nicht mehr im Nationalrat vertreten, haben es die Kommunisten auch danach noch bei jeder Wahl versucht. Der Erfolg hielt sich auf Bundesebene in Grenzen. Neu ist, dass sich die KPÖ diesmal mit versprengten "Jungen Grünen" zusammengetan hat. Darum präsentiert sich nicht nur Kommunisten-Urgestein Mirko Messner als Spitzenkandidat, sondern an der Seite von Flora Petrik und Ulli Fuchs.

LINKE
Noch linker als die Kommunisten gibt sich seit jeher die Sozialistische Linkspartei mit ihrem Spitzenkandidaten Florian Klabacher (28), Pflegehelfer in Linz. Am 15. Oktober steht sie erstmals in zwei Bundesländern - Wien und Oberösterreich - auf dem Stimmzettel. 2008 trat die Kleinpartei mit dem Wahlbündnis "Linke" in fünf Bundesländern an. Die Ergebnisse waren jedes Mal überschaubar und bewegten sich im Hundertstel-Prozent-Bereich.

KÜNSTLER
Erst als "Kunstprojekt" und jetzt als "Demokratieprojekt" versteht Roland Düringer seine Liste G!LT, die bundesweit kandidiert. Dementsprechend unkonventionell gestaltete sich der bisherige Werdegang der "Partie", wie der Kabarettist und Schauspieler seine Gruppierung nennt. Nicht nur die Rekrutierung von Kandidaten gestaltete sich - etwa mittels Casting, Online-Test und Verlosung der Plätze auf der Bundesliste - ungewöhnlich. Auch das Ziel tanzt aus der Reihe: Düringer will Nicht- und Ungültigwählern eine Stimme geben.

MIGRANTEN
Die "Neue Bewegung für die Zukunft" wird voraussichtlich nur in Vorarlberg wählbar sein. Seit 1. Jänner ist die von Migranten gegründete Gruppierung und Fraktion in der Vorarlberger Arbeiterkammer eine Partei - und zwar selbst definiert eine "österreichische Mitte-Rechts-Partei". Parteichef und Spitzenkandidat Adnan Dincer versteht sich als Brückenbauer für die "Vergessenen", denn die Politiker hätten die Bedürfnisse der Bevölkerung aus den Augen verloren.

OBDACHLOSE
"Obdachlose in der Politik - Christlich Liberale - Österreichs christliche Armutspartei (ODP)" nennt sich die Gruppierung von Hans-Georg Peitl, der - erstmals - in Wien antritt. Eine konkrete Schlagrichtung ist schwer zu finden, man wolle weder rechts noch links sein, wird auf der Website betont. Und: "Wir wollen Demokraten sein." Neben der Gleichberechtigung aller Religionen tritt die ODP etwa für Deutsch als gemeinsame Sprache ein.

MÄNNER
Wie bereits der Name andeutet, vertritt die 2008 von Oliver Peter Hoffmann gegründete Partei Interessen der Männer. Im Parteiprogramm dominiert die Forderung nach einem fairen Miteinander von Frauen und Männern. In der Politik ortet Bundesvorsitzender Hannes Hausbichler bereits eine Diskriminierung des männlichen Teils der Bevölkerung, etwa bei Frauenquoten, dem geplanten Pensionssplitting ("Rentenklau an Männern") oder der Bildung. 2013 sprach er damit - bei der Kandidatur nur in Vorarlberg - nur 0,28 Prozent der Wähler an. Ob er auch heuer am Stimmzettel steht, war vorerst nicht zu erfahren.

CHRISTEN
Mehr oder weniger christliche Standpunkte vertritt die Christen-Partei CPÖ. Ganz oben auf der Agenda steht die Verteidigung des Abendlandes gegen den Islam, der "Schutz des ungeborenen Lebens" sowie die strikte Ablehnung homosexueller Partnerschaften. 2013 stand die CPÖ in vier Bundesländern am Stimmzettel und kam damit auf 0,14 Prozent. Ob sie es auch heuer geschafft hat wollte Gründer Rudolf Gehring vor dem Listenschluss nicht verraten.

AUSTRETER
Wie eh und je streitbar zeigt sich Robert Marschall mit seiner selbsterklärenden EU-Austrittspartei EUAUS - die sich diesmal zusammen mit anderen EU-Gegnern in der Plattform "Für Österreich, Zuwanderungsstopp, Grenzschutz, Neutralität, EU-Austritt" zusammengeschlossen hat. Bei der Nationalratswahl 2013 bekam die Gruppierung nur in Vorarlberg genug Unterschriften zusammen - und an den Urnen dann 510 Stimmen, also 0,01 Prozent. Zwar gab sich auch Marschall bis zuletzt kryptisch über die Anzahl der Unterstützungserklärungen, konnte aber - wie auch bei den vergangenen Versuchen - jetzt schon über Schikanen an Gemeindeämtern klagen.

(APA / kob) Erstellt am
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