Politik | Inland
18.08.2017

Großspende von Anwalt Noll für Liste Pilz

Bei der jüngsten Kandidatenvorstellung erklärte Peter Pilz, dass Alfred Noll bisher für die Hälfte des Wahlkampfbudgets aufkommen ist. Neu auf der Liste sind die Politneulinge Alma Zadic und Teresa Roscher.

Häppchenweise wurden über Wochen Kandidaten für die Nationalratswahl vorgestellt. Dass das Interesse trotzdem ungebrochen ist, hat man am Freitagvormittag im Ca Landtmann gesehen, als sich Peter Pilz durch eine Journalistentraube schlängelte - gefolgt von Pflegeassistentin Teresa Roscher und Rechtsanwältin Alma Zadic.

"Ich muss Sie heute wieder enttäuschen: Wir haben wieder keine Spitzensportlerin anzubieten, wir haben wieder keine Operettensängerin anzubieten, wir haben auch keinen freiheitlichen Pensionisten anzubieten. Das haben wir alles nicht. Unsere Kandidaten sind Programme", begann Pilz die Präsentation der neuen Parlamentsanwärterinnen.

Präsentation mit Seitenhieb auf Kurz

Alma Zadic, die in Bosnien-Herzegowina geboren und mit zehn Jahren nach Wien gekommen ist, wird für den Bereich Integration verantwortlich sein. Aus eigener "persönlicher Erfahrung", wie sie sagte, ist es ihr ein Anliegen, dass die Sprachförderung für Kinder und Schüler ausgebaut wird. "Als ich nach Österreich kam, konnte ich kein Wort Deutsch, hätte sogar eine Klasse wiederholen sollen", sagte Zadic. Erst an einer anderen Schule, in der sie täglich Deutschunterricht hatte, ist es ihr gelungen, sich zu integrieren. "Ich habe dann Jus in Wien und New York studiert. Es ist möglich."

Für Peter Pilz, der bekanntlich im Bereich Islam und Integration punkten will, ist es "extrem wichtig, kompetente Leute in diese Bereiche zu haben." Eine gute Integrationspolitik bedeute eine gute Sicherheitspolitik, sagte der Parteichef. Deshalb forderte er - mit einem Seitenhieb auf Sebastian Kurz - ein eigenständiges Integrationsministerium mit ausreichend Mitteln. "Es kann nicht sein, dass ein Außenminister ständig Forderungen an den Integrationsminister stellt. Das ist eine Persönlichkeitsspaltung, die wir nicht benötigen."

Teresa Roschers Schwerpunkt liegt im Pflegebereich. Ihr Ziel ist es, in den kommenden zehn Jahren die Zahl der Pflege- und Betreuungskräfte jährlich um 2.000 Personen zu erhöhen. Außerdem fordert sie klare Regeln in Sachen Pflegekraft aus anderen EU-Staaten: einheitliche Verträge für alle Agenturen, einheitliche Entlohnung und ausreichend Grundkenntnisse in Deutsch als Arbeitsvoraussetzung. "Die Pflege wird von der Politik immer erst dann thematisiert, wenn es einen Missstand gibt. Das darf nicht sein, Pflege betrifft uns immer", betonte Roscher.

Spendabler Anwalt Noll

Zadic und Roscher sind übringes Politneulinge. Weder die Anwältin noch die Pflegeassistentin waren je in einer Partei aktiv. Zadic wird auf der Landesliste Wien und auf der Bundesliste kandidieren, Roscher nur auf der Bundesliste. "Beide sollen aber in den Nationalrat einziehen", erklärte Pilz, der damit seine Listenerstellung abgeschlossen hat. Nächste Woche sollen alle Namen veröffentlicht werden.

Neben den Listen in den Ländern wird auch das Wahlkampfbudget von Pilz konkreter. Bisher wurden 200.000 Euro gesammelt. Allein die Hälfte des Betrags kommt von Anwalt Alfred Noll. Er kandidiert nach eigenen Angaben auf einem promininenten Listenplatz. "Ja, Noll hat brav eingezahlt", sagte der Parteichef, "insgesamt 98.000 Euro." Renee Schroeder, ebenfalls eine Pilzin, hat 20.000 gespendet. Die restlichen 82.000 Euro wurden über Kleinspendern aufgetrieben, erklärt Pilz. Sein Ziel sei allerdings 500.000 Euro, "über Mittel- und Kleinspender. Die Großspender liefern woanders ab", sagte der ehemalige Grüne und meint damit wohl die ÖVP, die die Millionengrenze schon überschritten hat.

Zwei renommierte Wissenschaftler

Vor zwei Wochen hatte Peter Pilz mit der Biochemikerin Schroeder und dem Informatiker Hannes Werthner bereitszwei prominente Wissenschaftlerins Boot geholt. Die ehemalige SPÖ-AbgeordneteDaniela Holzinger-Vogtenhuber führt die Liste Pilz in Oberösterreich an.

Am frühen Freitagabend steht fest, wie viele Parteien bei der Nationalratswahl am 15. Oktober antreten können. Bis 17.00 Uhr müssen die Landeslisten bei den Landeswahlbehörden eingereicht werden.