Norbert Hofer nach Alko-Fahrt: Der Druck steigt
Eigentlich wäre der vergangene Freitag ein Tag zum Freuen gewesen für Norbert Hofer. Der frühere FPÖ-Chef ist Investor beim Grazer Technologie-Startup Emerald Horizon, und am Freitag ging das Unternehmen erfolgreich an die Börse: An ihrem ersten Handelstag legte die Aktie fast ein Drittel zu, ein schöner Erfolg für ein Startup, das in den nächsten Jahren einen kombinierten Batterie- und Wärmespeicher und 2030/31 einen thoriumbasierten Reaktor auf den Markt bringen will.
Als der KURIER Firmengründer Florian Wagner einmal nach Norbert Hofer fragte, da antwortete dieser: „Ich habe ihn während seiner Zeit als Infrastrukturminister kennengelernt, meine Idee ist bei seinen Mitarbeitern gescheitert. Er hat sich dafür später entschuldigt.“ Und Entschuldigen ist ein Stichwort, das bei Hofer in diesen Tagen trefflich passt. Denn während Wagner am Freitag als Neuzugänger die Börsenglocke läuten durfte, fehlte der „strategische Kommunikator“ seiner Firma: Norbert Hofer.
Der frühere Hofburg-Kandidat sollte eigentlich in Wien sein. Stattdessen war er zu Hause im Burgenland. Und dort geschah um die Mittagszeit etwas, wofür er sich tags darauf entschuldigen musste.
Zeugen hatten via Notruf die Polizei alarmiert, das Auto des FPÖ-Politikers fuhr auf dem Weg nach Pinkafeld in Schlangenlinien und auf der Gegenfahrbahn; einmal touchierte der Wagen eine Verkehrsinsel; ein andermal stürzte er fast in den Straßengraben.
Entsorgte Flaschen
Die Polizei landete bei Hofers Privatadresse, wo dieser erklärte, er sei nicht gefahren. Ein Alkoholtest ergab 2,48 Promille, den Bluttest hat der 55-Jährige verweigert. Gegenüber dem KURIER berichten Zeugen, sie hätten den früheren Dritten Nationalratspräsidenten beobachtet, wie er Flaschen aus dem Auto entsorgte.
Hofer wurde der Führerschein abgenommen, was die Alko-Fahrt angeht, ist der Freiheitliche geständig. Denn noch Samstagabend entschuldigte er sich in einem Statement und erklärte, dass ihm derlei nie passiert sei. Er trage „alle Konsequenzen“.
Wie diese im Detail aussehen, ist offen - vor allem die politischen. Sonntagabend galt es als wahrscheinlich, dass Hofer sein Mandat wird zurücklegen müssen.
Auf Bundesparteichef Herbert Kickl kann er jedenfalls nicht zählen. Entgegen öffentlichen Beteuerungen sind die beiden einander nicht wohlgesonnen. Raubein Kickl soll Hofers Art – im Ton fast immer sanft, in der Praxis mitunter janusköpfig – weitgehend ablehnen.
Zeit gewonnen
Der Umstand, dass die SPÖ in Person ihres Bundesgeschäftsführers Klaus Seltenheim Hofers sofortigen Rücktritt gefordert hat, könnte diesem ein wenig Zeit verschaffen – in der FPÖ heißt es, man agiere nicht auf Zuruf.
Tatsächlich ist diese Alko–Fahrt nach der von Nationalratsmandatar Peter Schmiedlechner bereits die zweite, die in der FPÖ binnen kürzester Zeit für überregionale Aufmerksamkeit sorgt.
Für Hofer selbst stellt sie den Tiefpunkt eines seit Jahren andauernden Rückzuges aus der politischen Arena dar.
Vom Erfolg früherer Tage - Hofer schaffte es 2016 bei der Wahl zum Bundespräsidenten in die Stichwahl und erzielte mehr als 46 Prozent – ist kaum etwas übrig.
Der Landtagsklub der Freiheitlichen, dem Hofer bis in den Dezember als Klubchef vorstand, ist heute weitgehend zerstritten; und Hofer wird intern zudem vorgehalten, mit Verantwortung an diesem, aus freiheitlicher Sicht deplorablen Zustand zu tragen.
Der Vorwurf, der parteiintern erzählt wird, geht so: Norbert Hofer hat sich auf ein einfaches Abgeordnetenmandat zurückgezogen, um sich vorzugsweise um seine privaten Unternehmungen zu kümmern. Dazu gehörten Start–ups wie das erwähnte Emerald Horizon; aber auch Versuche wie eine eigene, mit seinem Konterfei versehene Linie von Nahrungsergänzungsmitteln (sein Online-Shop ist derzeit offline, Anm.). Die burgenländische SPÖ, die mit einer absoluten Mehrheit im Landtag regiert, hat jedenfalls gar nicht vor, Hofers Rücktritt zu fordern. Vermutlich muss sie das nicht. „Im SPÖ-Klub gilt die Regel: ,Wer betrunken fährt, verliert das Mandat’“, sagt ein hochrangiger Sozialdemokrat. „Die FPÖ wird den Wählern erklären müssen, wieso sie Alko-Lenker in ihren Reihen duldet.“
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