Politik Inland
12/13/2018

Neuer IGGÖ-Präsident spricht sich gegen Kopftuchverbot aus

Ümit Vural sieht Kopftuchverbot für Kinder als "destruktiv" an. Er setzt auf Dialog und Aufklärung.

"Eine Entscheidung, ein Kopftuch zu tragen, ist eine bewusste Entscheidung. Daher können Kinder diese Entscheidung nicht treffen", sagte Ümit Vural, der neue Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) Mittwochabend im ZiB2-Interview. Er glaube aber, dass der Weg, Verbote zu installieren, ein "destruktiver" sei. Vural fordert daher Dialog und Aufklärung.

Für Kindergartenkinder in Österreich ist das Tragen eines Kopftuchs bereits verboten. Ende November hat die schwarz-blaue Regierung einen Antrag auf ein Kopftuchverbot für Volksschulkinder eingebracht.

Als Präsident der IGGÖ halte er sich an die Empfehlung des Glaubensrates: Demnach sei das Tragen des Kopftuchs ein religiöses Gebot. Auf die Frage von Armin Wolf, ob man eine schlechte Muslimin sei, wenn man kein Kopftuch tragen würde, antwortet Vural entschieden mit "Nein". "Eine Frau, die kein Kopftuch trägt, ist nicht schlechter zu bewerten als eine Frau, die ein Kopftuch trägt." Dies sei eine persönliche, höchst intime Gewissensentscheidung.

Vural folgt auf Olgun

Nach den Auseinandersetzungen um mehrere vom bisherigen Präsidenten Ibrahim Olgun angestoßene Moscheenschließungen durch die Regierung hatte sich der Schurarat, das Parlament der Glaubensgemeinschaft, ja auf die Ablöse Olguns und die Wahl von Vural verständigt. Auf den Juristen und Rechtsanwaltsanwärter, der kurdische Wurzeln hat, aus der Türkei kommt und in Österreich aufgewachsen ist, wartet nach den monatelangen Debatten um den "politischen Islam" eine herausfordernde Aufgabe.

Der türkis-blauen Bundesregierung, die den Islam zuletzt gleich an mehreren Fronten - von extremistischen Moscheen bis zum Kopftuch - ins Visier genommen hatte, will Vural dialogbereit gegenübertreten. "Wir werden auf jeden Fall eine Stimme der Vernunft sein. Man wird in uns einen vertraulichen Gesprächspartner finden." Er sei nicht für Konfrontation, sondern wolle sich auf dem Boden des Rechtsstaats für die Anliegen der Muslime in Österreich einsetzen. "Die Muslime in diesem Land dürfen sich nicht als Bürger zweiter Klasse fühlen", sagte Vural bei seiner Antrittspressekonferenz.

"Herzensanliegen, Frauen besser einzubinden

Ein "Herzensanliegen" sei es, so betonte es Vural nochmals im ZiB2-Interview, Frauen in der Glaubensgemeinschaft mehr Möglichkeiten zur Entfaltung zu geben. Bei seiner Pressekonferenz wurde Vural von seinem Führungsteam - alles Männer - flankiert: Vizepräsident Adis Cancic und die Mitglieder des Obersten Rats, Abdul Hasim Mohammed, Muhammed Al-Khoutani sowie Erich (Muhammad) Waldmann.