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Politik Inland
04/17/2021

Lunacek: Viele glauben, als "Politiker sollte man sich alles gefallen lassen“

Vor elf Monaten trat die Ex-Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek zurück. Sie kritisiert die öffentliche Häme in den sozialen Medien

von Daniela Kittner, Ida Metzger

Mitte Mai 2020 hatte die Corona-Pandemie ihr erstes politisches Opfer gefordert: Für Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) fiel der letzte Vorhang. Nur sechs Wochen war die ehemalige Vizepräsidentin des EU-Parlaments im Amt.

Drohungen und Kritik in dem Ausmaß hatte Lunacek nach 25 Jahren in der Politik zuvor noch nie erlebt. Auch nicht als sie ihr Outing hatte, dass sie in einer homosexuellen Beziehung lebt. „Rudi Anschober und ich sind in den 90-er Jahre in die Politik eingestiegen, da waren die sozialen Medien noch lange nicht erfunden. Damals gab es ein paar böse Briefe oder Faxnachrichten, weil ich dazu stand, dass ich lesbisch bin. Ich habe viel Häme und auch Hass erlebt, aber heute ist der Druck enorm“, sagt Lunacek.

In der Pandemie habe sich der Druck nochmals verstärkt. Niemand von den Grünen (mit Ausnahme von Anschober) hatte Regierungserfahrung gehabt. „Aber plötzlich waren wir mit einer Situation konfrontiert, die es zuvor nicht gab. Wir hatten so viele Pläne, und nichts davon war mehr interessant. Wir hatten das Zepter nicht mehr in der Hand. Die Pandemie gab das Tempo vor, erhöhte den Druck und Kritik.“

„Häme, Hass, Kritik“

Lunacek bezeichnet sich als eine Politikerin, die viel aushalten kann (auch einen Buttersäure-Angriff während einer Regenbogenparade), aber nach zwei Monaten Pandemie hatte sie nicht mehr den Eindruck, dass die Kritik trotz Einigungen auf Hilfspakete geringer geworden sei. Zu aufgeheizt war die Stimmung unter den Kulturtreibenden und in den sozialen Medien gegen Lunacek inzwischen.

„In den Sozialen Medien kann man sagen, was einem aus dem Bauch heraus gerade einfällt – an Kritik, an Hass, an Häme. Und das passiert teilweise anonym. Nach dem Motto: Als Politiker sollte man sich alles gefallen lassen“. Und die Kritiker seien meistens lauter als die Unterstützer. „Nach meinem Rücktritt haben einige zu mir gesagt, es war ein Fehler, dass wir dich nicht offen unterstützt haben. Vielleicht hätte es was geändert“, meint Lunacek nachdenklich.

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