Politik | Inland
03.12.2017

Ludwig gegen Schieder: Noch ist alles offen

Derzeit dominieren im SPÖ-internen Rennen um das Wiener Rathaus die Sticheleien im Hintergrund.

Vor zwei Wochen gab Andreas Schieder bekannt, dass er gegen Michael Ludwig in den Ring steigt. Beide rittern um die Nachfolge Häupls als Wiener-SPÖ-Parteichef und damit auch als Wiener Bürgermeister. Am 11. Dezember wird im Parteivorstand der Fahrplan für den internen Wahlkampf festgelegt, auch bei welchen Events sich die beiden Kandidaten präsentieren werden.

Derzeit dominieren noch die Sticheleien im Hintergrund. "Egal wo Schieder hinkommt, überall versichern ihm die Leute ihre Unterstützung", tönt es aus seinem Lager. Die Strategie: Man will den um acht Jahre jüngeren Schieder als echten Generationswechsel verkaufen. Das schlage sich auch im Team nieder: "Schieder hat junge Politiker wie Jürgen Czernohorszky als Unterstützer, Ludwig dagegen Harald Troch und Gerhard Schmied. Aufbruch schaut anders aus", sagt ein prominenter Roter süffisant. Auch sei Schieder aufgrund seiner bundespolitischen Erfahrung ein stärkerer Gegner für Schwarz-Blau im Bund als Ludwig. Nicht zuletzt sei Schieder auch der bessere Redner. "Das hat man im Ausschuss gemerkt, wo Schieder weit erfrischender als Ludwig war", sagt eine Unterstützerin.

Weltoffen

Das Ludwig-Lager will sich naturgemäß nicht das Etikett umhängen lassen, unmodern zu sein. "Michael Ludwig ist sehr weltoffen. In den vergangenen Jahren war er mit vielen internationalen Politikern in Kontakt, als er Aufgaben des amtierenden Bürgermeisters übernommen hat". Zuletzt etwa bei einem Besuch in Kanada, sagt Gemeinderat Christian Deutsch, einer der Unterstützer des Wohnbaustadtrats.

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Dass es Ludwig an bundespolitischer Erfahrung mangelt, glaubt Deutsch ebenfalls nicht. "Wer schon so lange in der Landesregierung tätig ist, ist gerade hier in Wien auch mit vielen bundespolitischen Fragen befasst. Sie gehen weit über die Wohnbaupolitik hinaus", betont der Gemeinderat. "Was noch dazukommt: Ludwig ist seit langer Zeit Mitglied des Bundesparteivorstands."

Abgesehen von solchen Positionierungen üben sich die beiden Kandidaten und ihre Unterstützer derzeit noch in betonter Harmonie. Beide wollen, dass das Rennen um die Häupl-Nachfolge zu einem Wettbewerb der Ideen wird. Allerdings sind inhaltlich zwischen Schieder und Ludwig kaum Unterschiede auszumachen. Beide machen sich für den Lobautunnel stark, beide sprechen sich klar gegen eine Koalition mit der FPÖ aus.

Zuletzt hatte Schieder eine Neuaufstellung der Stadtregierung versprochen, sollte er das Rennen machen. Das bedeute nicht per se, dass Ludwig aus der Stadtregierung ausscheiden müsse. Auch im Ludwig-Lager will man Schieder als Stadtrat nicht grundsätzlich ausschließen. Wobei sich Ludwig, so heißt es, über personelle Fragen keine Gedanken mache, es gehe primär um Inhalte.