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Politik Inland
01/29/2021

Letzter Schultag vor den Semesterferien: Zeugnistag ohne Zeugnis

Eltern und Schüler sind erschöpft. Gegen schlechte Noten oder zu viel Arbeit und Belastung soll man sich wehren.

von Ute Brühl, Daniela Davidovits, Bernhard Gaul

Bundesschulsprecherin Alexandra Bosek hat bereits 2.000 Antworten erhalten. Und was sie als Ergebnis der Umfrage liest, ist erschütternd: „Selbst Einser-Schüler sagen, dass sie einfach keine Kraft mehr haben, weil das Distance-Learning so anstrengend ist.“

Dabei hatte Bildungsminister Heinz Faßmann ja die Lehrkräfte aufgefordert, bei der Notengebung Milde walten zu lassen. Eine Bitte, die nicht bei allen angekommen ist. Im Gegenteil: „Der Leistungsdruck ist höher als in normalen Zeiten“, sagt Bosek. „Wir haben viel Stoff zu lernen, gleichzeitig müssen wir uns Eigenschaften wie Selbstdisziplin und Eigenverantwortung aneignen – Fähigkeiten, die man im Studium übt.“

In die Schule gehen die meisten nur noch, um dort Tests zu schreiben. „Die sind die Basis für die Noten in der Semesternachricht. Doch dafür könnte man ja auch die Hausaufgaben nehmen, die eh ständig gemacht werden“, argumentiert die Schulsprecherin.

Nicht beurteilt

Dass einige wenige Lehrpersonen jetzt auf Basis weniger Leistungsfeststellungen Fünfer vergeben, versteht auch Michael Sörös nicht. Der Leiter der Bildungsregion West in Wien hat für Leistungsverweigerer eine andere Lösung: „Wo ein Schüler nicht erreichbar ist, obwohl die Lehrkraft x-mal versucht hat, ihn zu kontaktieren, würde ich ein ‚Nicht beurteilt‘ geben.“

Die Rückmeldungen, die Sörös von Eltern und Schülern bekommt, sind sehr unterschiedlich. „Während die einen beklagen, dass die Schüler zu viel lernen müssen, meinen andere, dass es zu wenig ist. Insgesamt gibt es jetzt aber weniger Beschwerden als im ersten Lockdown. Allerdings sind die, die sich an uns wenden, oft besonders genervt ob der allgemeinen Situation.“

Dass Eltern immer zorniger werden, fällt auch in den sozialen Medien auf, wo Hilferufe und Verzweiflung lauter werden. So schreibt etwa eine Mutter auf Twitter: „Hab dem Klassenvorstand geschrieben, dass alles zu viel wird und die Kinder bis nach Mitternacht noch arbeiten. Er antwortet: ‚Es ist nicht zu viel.‘ Ich geh jetzt ins Bett weinen.“

Stunden vor dem PC

Dass Jugendliche sechs Stunden vor dem Bildschirm sitzen mit digitalem Frontalunterricht, kommt durchaus vor. Danach sitzen sie weiter einige Stunden, um die Aufgaben zu lösen. Für Michael Sörös macht die Krise bestehende Probleme sichtbarer: „Sechs Stunden Frontalunterricht – da steigen die Schüler auch beim Präsenzunterricht aus, im Online-Unterricht erst recht.“

Was kann man tun, wenn der Stoff zuviel und die Noten zu schlecht sind? Am besten reden die Elternvertreter mit Lehrer oder Direktor, die das dann nicht als Einzelfall abtun können. Wo das nichts bringt, ist die nächste Anlaufstelle die Bildungsdirektion.

Digitale Zeugnisse gibt es trotz Blitzdigitalisierung nicht, nur die Übergangsklassen der 4., 8. und 9. Schulstufe dürfen ihre Schulnachricht abholen. Alle anderen erhalten diese nach den Ferien. Das Ritual, ein Zeugnis zu bekommen, sei wichtig, meint Birgit Satke von Rat auf Draht: „Nach der Arbeit des Semesters haben es die Schüler als psychologischen Abschluss verdient. Das hängt ihnen bis in die Ferien nach.“

Schwieriges Schuljahr
Bis Anfang November gab es fast normalen Unterricht, dann wurden zuerst die Oberstufen nach Hause geschickt, ab den Weihnachtsferien auch alle anderen Kinder (außer in Sonderschulen). Die digitale Schule ist überall angekommen, allerdings in höchst unterschiedlicher Qualität

Wie geht es weiter?
Nach den Semesterferien ist Schichtbetrieb geplant. Anders als im Juni dürfte dieser zentral geregelt werden, damit Geschwister nicht unterschiedliche Präsenztage haben. Eine endgültige Entscheidung ist für  Anfang nächster Woche geplant

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