© dpa/Heiko Wolfraum

Pädagogische Hochschulen
07/24/2014

Lehrer-Anwärter: Deutsch als Stolperstein

Aufnahmetests: Viele, die den Lehrberuf ergreifen wollen, scheitern am Prüfungsfach Deutsch.

An den Pädagogischen Hochschulen sind in den vergangenen Tagen wieder die Aufnahme-Prüfungen durchgeführt worden. Viele, die den Lehrberuf ergreifen wollen, scheitern allerdings am Prüfungsfach Deutsch. An der PH Niederösterreich ist knapp die Hälfte der 500 Bewerber durchgefallen.

"Das Problem Deutsch macht uns wirklich Sorge"

Vor allem Fehler in der Rechtschreibung häufen sich, berichtet das Ö1-Morgenjournal. Und die Tendenz ist steigend. "Das Problem Deutsch macht uns wirklich Sorge", sagt der Vorsitzende der Rektorenkonferenz, Erwin Rauscher, gegenüber Ö1. In Oberösterreich scheiterte jeder fünfte der 600 Bewerber. Die Tests wurden dieses Jahr allerdings auch verschärft, da Deutsch für Lehrer besonders wichtig sei. Auch in Musik zeigen Bewerber Defizite, wie die PH Salzburg berichtet.

Betroffen waren sowohl Bewerber, die später an Volks- oder Sonderschulen unterrichten wollen, als auch solche, die es an eine Neue Mittelschule zieht. Die Rektorenkonferenz will jetzt die Ursache für das schlechte Abschneiden prüfen.

Ab 2015 sollen österreichweit neue Aufnahmetests, entsprechend der neuen Lehrerausbildung, stattfinden.

Lehrer-Fortbildung: Kaum Kurse in den Ferien

Lehrer sollen, ja müssen sich fortbilden, das ist Teil ihres Jobs. Um die angespannte Personalsituation zu entschärfen und genug Pädagogen für den Unterricht zur Verfügung zu haben, sollten die verpflichtenden Fortbildungskurse im Sommer bzw. in den Ferien stattfinden, sagen Experten.
Das Problem ist nun: Laut einem Prüfbericht des Rechnungshofes entsprechen die 14 Pädagogischen Hochschulen (PH) dieser Anforderung de facto nicht.
Im Schnitt finden nur fünf Prozent aller Lehrerfortbildungskurse im Juli oder August statt; in Wien sind es gar nur 0,8 Prozent.

Doch nicht nur das Angebot bei der Lehrerfortbildung kritisierte der Rechnungshof. Auch die Zahl der PH-Standorte ist für die Prüfer alles andere als wirtschaftlich. Anders gesagt: Es wird Steuergeld verschwendet.
So hat der Rechnungshof berechnet, dass ein werdender Lehrer in der Ausbildung durchschnittlich 14.360 Euro kostet. An der PH Tirol waren es 16.502 Euro, an der PH Wien nur 10.436. Das deutet laut Rechnungshof stark darauf hin, dass die Ausbildung an größeren Institutionen kostengünstiger war als an kleineren – es gebe also immer noch zu viele Pädagogische Hochschulen.

Das KURIER-Deutsch-Quiz

Testen Sie Ihr Wissen zum Fachbereich Deutsch. Es ist ein Multiple-Choice-Quiz mit je drei Antwortmöglichkeiten pro Frage, nur eine Antwort ist richtig. Die Fragen umfassen Themen aus Literatur, Grammatik, Rechtschreibung und einiges mehr.

Lehramt nur als "Plan B"

Das Schulsystem hat offensichtlich versagt. Anders kann man es sich nicht erklären, dass junge Menschen, die ein Lehramtsstudium beginnen wollen, nicht korrekt rechtschreiben können. Dass diese jetzt nicht auf die Pädagogische Hochschule dürfen, ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Er macht klar, dass zukünftig nicht jeder Lehrer werden darf.

Bisher – so ist zu vermuten – saßen viele auf der Pädagogischen Hochschule, die nie und nimmer den Lehrberuf hätten ergreifen dürfen. Sie wurschtelten sich durchs Studium und durch den Beruf, sehr zum Leidwesen von Schülern, Eltern und Lehrerkollegen. Meist waren das Maturanten, für die der Lehrer kein Traumberuf war, sondern nur ihr Plan B, weil sie sich anspruchsvollere Studien nicht zugetraut haben. Das zeigen Untersuchungen aus Deutschland, die belegen: Wer die Matura mit einem Notendurchschnitt besser als 2,0 hat, kommt nur selten auf die Idee, Lehrer zu werden.

Deshalb: Ja zu Aufnahmeprüfungen, die so gestaltet sind, dass nur die Geeignetsten sie bestehen. So wie in Finnland, wo nur rund zehn Prozent der Bewerber angenommen werden. Wer diese Hürde schafft, hat dort ein hohes gesellschaftliches Renommee - trotz geringeren Gehalts als in Österreich.

Seit 2006 gültig

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.