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Politik Inland
09/10/2020

Lächeln hinter der Maske: Wie Corona den Wahlkämpfern das Leben schwer macht

Die SPÖ kann ihre größte Stärke, die Hausbesuche, nicht ausspielen. ÖVP-Funktionäre beklagen den "kalten Wahlkampf" statt Bürgernähe.

von Daniela Kittner

Der offizielle Wahltag in Wien ist der 11. Oktober. Doch bereits ab kommenden Montag können die Wiener täglich auf die Bezirksämter gehen, um ihre Stimme abzugeben – das ist, im weitesten Sinne – eine Corona-Maßnahme. Nur nicht zu viele Menschen auf einem Fleck – das prägt die Wahlkämpfe in Corona-Zeiten, von Vorarlberg, wo am kommenden Sonntag die Gemeinderäte neu gewählt werden, bis Wien. Als nächste größere Wahl steht 2021 im Herbst der Landtag in Oberösterreich auf dem Programm. Wenn die Oberösterreicher Glück haben, gibt es vorher eine Impfung. Ansonsten können sie hier lesen, wie es den Kollegen in Wien erging.

 

Wahlgeschenke werden nur zögerlich genommen

 

Kugelschreiber und Feuerzeuge mit Parteilogo, Luftballons in Parteifarbe, Flyer mit Auszügen aus dem Wahlprogramm: Sie sind unverzichtbare Utensilien in jedem Wahlkampf. Doch in Zeiten von Corona wird alles zum Gesundheitsrisiko. „Wir verzichten nicht auf Wahlgeschenke, aber wir verteilen sie nur unter größter Vorsicht im Outdoor-Bereich“, sagt der Kommunikationschef der SPÖ-Wien, Raphael Sternfeld. „Die Menschen sagen oft: Ich wähle Sie eh, aber ich will nichts angreifen“, berichtet ÖVP-Wahlkämpfer Erol Holawatsch.

Händeschütteln ist ein No-Go

Im Wahlkampf ist Volksnähe angesagt: Händeschütteln, Schulterklopfen, Smalltalk auf Volksfesten und Märkten – ein Horror für jeden Virologen. „Wie soll man jemanden anlächeln? Eine Gesprächsbasis und Vertrauen herstellen, wenn das halbe Gesicht hinter der Maske verborgen ist? Corona nimmt dem Wahlkampf die Emotion. Das ist ein kalter Wahlkampf“, sagt Holawatsch. Auch Sternfeld von der SPÖ beklagt: „Unser Spitzenkandidat Michael Ludwig kann seine größte Stärke, seine Bürgernähe, in diesem Wahlkampf nicht ausspielen.“

Hausbesuche werden als verfehlt empfunden

Die SPÖ-Wien gehört zu den bestorganisierten Parteien einer Millionenstadt. Doch das Virus beraubt sie dieses Vorteils. Im Durchschnitt absolviert die SPÖ-Wien 50.000 Hausbesuche in einem Wahlkampf. „Gesundheit geht vor Wahlkampf“, sagt Sternfeld, die SPÖ verzichtet gänzlich auf Hausbesuche. Holawatsch hat das Klinkenputzen in seinem Wahlbezirk in Wien-Floridsdorf inzwischen auch eingestellt: „Die Menschen fühlen sich zu Hause geschützt. Man sollte das respektieren und nicht in die Privatsphäre eindringen.“

Große Events sind unmöglich

ÖVP-Spitzenkandidat Gernot Blümel wird heute, Donnerstag, den Wahlkampf völlig virtuell eröffnen. Es gibt nur eine ganz kleine Bühne mit wenigen Medienleuten vor der Parteizentrale, das Event findet hauptsächlich im Internet statt. Die SPÖ eröffnete ihren Wahlkampf am Dienstag statt mit Tausenden Personen lediglich mit einem Häufchen von fünfzig. Solche Parteikonvente sollen vor allem Funktionäre und Sympathisanten in Stimmung versetzen, damit sie die Werbetrommel rühren. Aber das Virus killt auch das Innenleben von Parteien.

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