Politik | Inland
11.03.2018

KURIER-OGM-Umfrage: Mehrheit lehnt ORF-Gebühren ab

Die Österreicher fühlen sich mehrheitlich vom ORF schlecht informiert. Und sie wollen, dass die GIS-Gebühren abgeschafft werden.

Wenn sein Ansehen sein wichtigstes Kapital ist, dann sieht es nicht gut aus für den ORF. Eine Umfrage von OGM für den KURIER zeigt große Unzufriedenheit mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und: Eine deutliche Mehrheit würde wohl gerne die Gebühren abschaffen,wenn das Volk dazu befragt werden sollte.

Dabei hatte die Schweizer Debatte, bei der sich das Stimmvolk für eine Beibehaltung der dortigen Rundfunkgebühren ausgesprochen hatte, auch hierzulande Entspannung versprochen. Die Stimmung ist aber in Österreich derzeit recht aufgeheizt. Wie OGM erhob, halten 60 Prozent der Österreicher die Gebühren für nicht gerechtfertigt. Nur 30 Prozent befürworten sie klar. 62 Prozent würden zudem bei einer Volksabstimmung für eine Abschaffung votieren. Ein Stimmungsbild, das wohl auch auf die aggressiven FPÖ-Kampagne gegen den ORF und seine Journalisten zurückzuführen ist. Oder wie OGM-Chef Wolfgang Bachmayer sagt: "Im Laufe der letzten 20 Jahre wurden die Österreicher von den Parteienvertretern, zuletzt am meisten durch die FPÖ, mit dem Thema konfrontiert".

Hausgemacht

Aber auch hausgemachte Schnitzer aus dem ORF hätten mitgespielt, sagt der Meinungsforscher. Politisch motivierte Posten, Debatten um journalistische Fehler ... – all das prägt das Image des ORF. Nicht nur im Landesstudio Tirol, wo ein stümperhafter Schnitt den FPÖ-Mann Markus Abwerzger in ein schiefes Licht rückte. Bachmayer: "Vor eineinhalb Jahren gab es die Tempelbergaffäre (die "ZiB2-Anchor Armin Wolf verantwortete, Anm.). All das wird von den Beteiligten ausgeschlachtet und immer wieder betont."

Entsprechend schlecht ist es um die Glaubwürdigkeit der politischen Berichterstattung im ORF bestellt. Nur zehn Prozent sagen, diese sei "sehr" objektiv, 33 Prozent "eher". Der Rest zweifelt.

Zur Einordnung: Qualitätsmedien und Zeitungen liegen hier bei Zuspruchsraten von zwölf ("sehr") bzw. 50 Prozent ("eher"). Als Trost kann gelten, dass der Gratisboulevard noch einmal deutlich schlechter als der ORF liegt. Nur eine Minderheit hält ihn für objektiv.

Was bei der Umfrage auffällt, ist eine parteipolitische Kluft. Rote Wähler trauen dem ORF eher (würden aber trotzdem mehrheitlich gegen die Gebühren abstimmen). Bei Schwarzen und Blauen herrscht hohe bis sehr hohe ORF-Skepsis. "Es gibt zwei große Wählergruppen, die sich vom ORF stiefmütterlich behandelt fühlen, was die Objektivität betrifft", sagt Bachmayer, der diese Stimmungslage ernst nimmt: "Warum gab es ein Rundfunksvolksbegehren? Genau aus den gleichen Gründen." Damals (1964) wurde der ORF aus der Umklammerung der Parteien gelöst. Heute halten ihn offenbar viele für zu links.

Dass damit eine Volksabstimmung zur Abschaffung der ORF-Gebühren zu einem fixen Erfolg führen würde, ist aber nicht gesagt, meint Bachmayer, der die eigene Umfrage in dem Punkt etwas relativiert. "Die Neigung zur direkter Demokratie ist stark ausgeprägt." Die Menschen differenzierten hier nicht: "Wenn man fragt, ob sie abstimmen wollen, sagen sie Ja."

Es gebe aber genügend Beispiele für Volksbegehren, die für starke Stimmungen im Land gesorgt hätten, für die dann am Stichtag zu wenige Leute eingetreten seien. Etwa das Bildungsvolksbegehren im Jahr 2011. Insofern ist noch nicht aller Tage Abend für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.