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Integration
06/10/2021

Kindergarten: Ein Drittel spricht nicht Deutsch als Umgangssprache

Laut dem neuen Integrationsbericht liegt der Anteil in Wien bei rund 62 Prozent.

von Christian Böhmer

Fast ein Drittel, genau 29,6 Prozent, aller Kinder, die in √Ėsterreich in einen Kindergarten gehen, haben eine nichtdeutsche Umgangssprache; in Wien liegt der Anteil bei 61,6 Prozent. 

Das sind die aktuellen Zahlen, die im 11. Integrationsbericht des Bundeskanzleramts enthalten sind. Der Bericht wurde  am Donnerstag offiziell pr√§sentiert.

Unter den Sch√ľlern ist der Anteil der Kinder mit nichtdeutscher Umgangssprache im Vergleichszeitraum zu 2018/19 stabil geblieben: Demnach sind von 1,12 Millionen Sch√ľlern 26,8 Prozent mit nichtdeutscher Umgangssprache. 

Der Integrationsbericht 2021 ist ein R√ľckblick auf das von der Pandemie gepr√§gte Krisenjahr 2020. Und als solcher bildet er - auch - die Frage ab, wie sich die Corona-Epidemie auf die Integrationsbestrebungen ausgewirkt hat. "Die Corona-Krise hat die Integration vor gro√üe Herausforderungen gestellt", sagt Integrationsministerin Susanne Raab.

Abgesehen von den eingangs erw√§hnten Zahlen bei Sch√ľlern und Kindergartenkindern beleuchtet der Bericht unter anderem die Situation am Arbeitsmarkt. Hier zeigt sich, dass Arbeitsrk√§fte aus den EU-Betrittsstaaten und aus Drittstaaten am st√§rksten von Besch√§ftigungsverlusten betroffen waren. Besonders hart hat die Pandemie Frauen getroffen. Das liegt unter anderem daran, dass Branchen, die von der Pandemie verh√§ltnism√§√üig stark beeintr√§chtigt waren und sind, bisweilen auch sehr hohe Anteile an Migrantinnen aufweisen. Im Sektor der Gastronomie und Beherbergungsbetriebe betr√§gt der Anteil der Migrantinnen 45 Prozent - dementsprechend haben die Lockdowns und Einschr√§nkungen in der Gastro auch diese Bev√∂lkerungsgruppe besonders hart getroffen. 

Laut Bundeskanzleramt hat sich das Integrationsklima w√§hrend der Corona-Pandemie kaum ver√§ndert - weder zum Besseren, noch zum Schlechteren. Das Zusammenleben mit Zugewanderten wird von den √Ėsterreichern mehrheitlich kritisch bewertet. Bemerkenswert ist allerdings, dass 45 Prozent der im Zuge des Berichts Befragten angegeben haben, dass Migranten bei der Bew√§ltigung der Krise einen positiven Beitrag geleistet haben. 

Welche Schl√ľsse ziehen Integrationsministerin Susanne Raab und Katharina Pabel vom Expertenrat f√ľr Integration aus dem neuen Bericht?

Im Wesentlichen leiten sie drei Konsequenzen ab: 

Da ausl√§ndische Arbeitskr√§fte coronabedingt zuletzt st√§rker von Arbeitslosigkeit betroffen waren als √∂sterreichische, sollen sie - zus√§tzlich zum AMS-Angebot - st√§rker gef√∂rdert werden. Die zuletzt zur√ľckgefahrenen Deutschf√∂rderklassen, Sommerschulen und Elternkurse sollen im Sommer wieder vermehrt stattfinden.

F√ľr Raab zeigt der Integrationsbericht, dass die Pandemie starke Auswirkungen auf das Zusammenleben in den Communitys hatte und dass sich die Gewaltgef√§hrdung von Frauen - etwa durch die verh√§ngten Ausgangssperren - eher erh√∂ht als verringert hat. Dem soll mit Gewaltschutzpaketen entgegengearbeitet werden.

Weiter aufrecht bleibt, drittens, der Wunsch, das Ehrenamt zu st√§rken. Soll hei√üen: In den Gemeinden und Regionen hat der Integrationsfonds gemeinsam mit dem Gemeindebund F√∂rderungen f√ľr ehrenamtliche Integrationsprojekte entwickelt. Dazu geh√∂ren Mentoring-, Tandem und Buddy-Programme ebenso wie Deutschlerngruppen f√ľr Erwachsene oder Lerngruppen f√ľr Jugendliche. 

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