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Faktencheck
12/28/2021

Kickls Corona-Mythen: Die umstrittensten Sager des Jahres

Wegen des FPÖ-Chefs haben es viele Halbwahrheiten und Fake News über Corona ins Parlament geschafft.

von Michael Hammerl

FPÖ-Klubchef Herbert Kickl hat sich 2021 zur parlamentarischen Galionsfigur der Impfgegner aufgeschwungen. Seine Auftritte bei Corona-Demos oder im

Nationalrat werden in Telegram-Kanälen von Verschwörungstheoretikern munter geteilt. Mit welchem Rezept ist Kickl, als Teil des politischen Mainstreams, in diese heterogene Runde vorgedrungen? Wohl so: Kickl hat regelmäßig Halbwahrheiten, aber auch Fake News verbreitet. Der KURIER gibt einen komprimierten Überblick – samt Faktencheck.

Gen-Experiment: Am 26. Mai sorgte Kickl im Parlament mit folgender These für Aufsehen: „Regierungen und Behörden nötigen ihre gesunden Bürger dazu, Teilnehmer eines riesigen Gentechnik-Experiments zu sein – Ausgang ungewiss.“ In dieser Aussage hatte er gleich drei Impfmythen verpackt: Die mRNA-Methode sei nicht erforscht, nicht ausreichend getestet und verändere das Erbgut.

Erstens: Ja, es handelt sich um die ersten zugelassenen mRNA-Vakzine. Die Technologie wird aber seit rund 30 Jahren erforscht, es gibt genügend Erfahrungswerte.

Zweitens: Die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna durchliefen ein herkömmliches, beschleunigtes Zulassungsverfahren, die Impfstoffstudien liefen mit Zehntausenden Probanden ab.

Drittens: Bei einem herkömmlichen Totimpfstoff werden abgetötete, vermehrungsunfähige Viren injiziert, die das Immunsystem zur Antikörperbildung anregen. Bei der mRNA-Methode wird ein künstlich hergestellter Teil des SARS-CoV-2-Bauplans verabreicht. Die Zellen nehmen diese Bauanleitung auf, produzieren Spike-Proteine, über die das Virus an Zellen andockt. Die Proteine treffen im Blut auf Immunzellen, Antikörper werden gebildet. Die DNA wird dabei definitiv nicht verändert.

Ivermectin: Besonders großes Feedback – insbesondere Empörung – erntete der FPÖ-Chef für seine Äußerungen bei einer Pressekonferenz am 25. Oktober. Covid-19 sei mit Medikamenten sehr gut behandelbar, sagte Kickl bei diesem Auftritt etwa: „Eines dieser Medikamente ist natürlich Ivermectin.“ Er verstehe nicht, warum man sich „nicht sofort auf dieses Medikament stürzt“.

Der Arzneistoff Ivermectin findet beim Menschen vornehmlich für die Behandlung von Krätzmilbe und Wurmbefall Verwendung. Sonst wird er hauptsächlich in der Veterinärmedizin eingesetzt. Zur Behandlung von Covid ist Ivermectin nicht zugelassen. Dennoch „stürzen“ sich Impfgegner auf das Medikament: So behandelten im November etwa zwei Mühlviertler ihre Corona-Erkrankung mit dem Wurmmittel – Ausgang tödlich. Kickl behauptete auch, dass handelsübliche Medikamente – etwa Vitamine oder Aspirin – gegen eine Erkrankung wirken. Fachkreise verurteilten ihn dafür ebenso scharf.

Krebs: Weiters sprach Kickl von „erschreckenden Ergebnissen“, die an die Öffentlichkeit gedrungen seien: „Ganz offenkundig besteht ein Zusammenhang zwischen der Impfverabreichung und Tumorwachstum.“ Studien zeigen das Gegenteil: Ungeimpfte Krebspatienten haben ein besonders hohes Risiko für schwere Covid-Verläufe. Belege für seine Behauptung nannte Kickl keine. Wohl deshalb, weil sie nicht existieren.

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