Politik | Inland
02/01/2017

Uni-Politik: Kahlschlag bei Studienplätzen

Die Regierung gibt grünes Licht für Studienplatzbegrenzungen. Diese könnten drastischer ausfallen als zunächst gedacht.

SPÖ und ÖVP haben den Universitäten grünes Licht für zusätzliche Studienplatzbeschränkungen gegeben (mehr dazu hier). Die Regierung, so steht es im neuen Koalitionspakt, bekenne sich zu einer "höheren Studienqualität" und zu "besseren Betreuungsverhältnissen", weshalb bis zum Sommer ein Konzept zur "Studienplatzfinanzierung" erstellt werden soll.

Die Rektoren sind über diese neuen Möglichkeiten erfreut, schon lange fordern sie, Studienplätze beschränken zu können. Die Idee der Studienplatzfinanzierung ist, festzulegen, wie viel Geld pro Studienplatz pro Fach zur Verfügung stehen soll. Indirekt bedeutet das: Weitere Zugangsbeschränkungen sind so gut wie fix, Unis werden nur mehr eine begrenzte Zahl von Plätzen anbieten.

Bloß ein "Gedankenmodell"

Rektor Oliver Vitouch ( Bild) der Vorsitzende der Universitätenkonferenz (uniko), hat bereits erklärt, wie die Anzahl der bereit gestellten Studienplätze künftig berechnet werden könnte. Möglich sei ein Modell, bei dem zu den aktuellen Absolventenzahlen "20 bis 40 Prozent" dazuzurechnen wären. Das würde allerdings bedeuten, dass in derzeit beliebten Studienrichtungen wie Jus, Anglistik oder Germanistik mehr als die Hälfte der aktuellen Anfängerplätze wegfallen (siehe Grafik unten).

Die uniko betont auf KURIER-Anfrage, dass es keine konkreten Berechnungen gebe. Vitouch sagt, das ihm sehr wohl bewusst sei, dass sein Vorschlag eine "drastische Reduktion" an Studienplätzen bedeuten würde. Sein Vorschlag sei allerdings nur ein "Denkmodell". Verhandlungen mit den politischen Entscheidungsträgern – allen voran Wissenschaftsminister Vizekanzler Reinhold Mitterlehner – hätten noch nicht stattgefunden. "Je besser die Budgetierung, desto mehr Absolventen und auch Anfängerplätze kann es geben", sagt der uniko-Chef und fordert somit mehr finanzielle Mittel für die 21 Universitäten vom Finanzminister. Geht es nach Vitouch, soll es in allen Fächern Aufnahmeverfahren geben. Damit könne man die Verbindlichkeit der Studienwahl erhöhen, meint der Rektor.

https://images.kurier.at/46-89357536.jpg/244.295.804 uniko/APA-Fotoservice/Rossboth Präsident Vitouch hofft auf formidables 2017 für W BILD zu OTS - http://www.apa-fotoservice.at/galerie/8666/ Im Bild: uniko-Präsident Univ.Prof. Dr. Oliver Vitouch und Vizekanzler Dr. Reinhold Mitterlehner

Theoretisch bräuchte es bei einer Studienplatzfinanzierung nicht unbedingt Schranken. Wenn aber unbegrenzt viele Studenten ein Studium beginnen können und man die Zahl der Studienplätze mit den Kosten pro Platz multipliziert, müsste das Budget nach oben hin offen sein. Deshalb ist die Studienplatzfinanzierung nur mit gewissen Begrenzungen machbar.

Neu sind Beschränkungen nicht. Es gibt sie schon in Medizin, Veterinärmedizin, Psychologie, Publizistik, Wirtschaftswissenschaften, Architektur, Informatik, Biologie und Pharmazie. Eignungsprüfungen – ohne exakte Platzbeschränkungen – gibt es beim Lehramts-, beim Sportstudium und bei einigen künstlerischen Studien.

"Aktive Ausgrenzung"

Fassungslos reagierte die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) sowohl auf die Ankündigung der Regierung, die Studienplatzfinanzierung ab 2019 einzuführen, als auch auf das Denkmodell von Oliver Vitouch. "Die Begründung der Dropout-Quote rein mit Betreuungsverhältnissen zeugt von fehlendem Verständnis", sagt ÖH-Vorsitzende Lucia Grabetz zum KURIER. Die Studienbeschränkung bedeute eine "aktive Ausgrenzung von Menschen mit geringem Einkommen und nicht-akademischen Background". Grabetz kündigt weiteren Widerstand gegen die Pläne an. "Die Studienplatzfinanzierung werden wir nicht still an uns vorüberziehen lassen."

Auch der VSStÖ kritisiert die angekündigte Studienplatzfinanzierung. Der roten Parteijugend geht es allerdings mehr um den Schwenk von Christian Kern, der mit dem neuen Regierungspakt der heiligen Kuh der Sozialdemokratie (offener Uni-Zugang für alle) das Messer ansetze (mehr dazu hier).

Praktisch bedeuten Studienplatzbeschränkungen, dass am Anfang des Studiums eine Aufnahmeprüfung absolviert werden kann. Beim Medizinstudium traten 2016 bei der Aufnahmeprüfung 6093 Maturanten an, sie ritterten um insgesamt 740 Studienplätze an der Medizin-Universität Wien.