Politik | Inland 01.03.2015

Kärnten-Wahl: Koalition gewinnt, FPÖ-Absturz

In den 132 Kommunen des Bundeslandes Kärnten waren insgesamt 464.336 Personen berechtig, ihre Gemeindeparlamente zu wählen. © Bild: APA/GERT EGGENBERGER

Stichwahl um Bürgermeister-Sessel in Klagenfurt. Wahlbeteiligung bei 72 Prozent. Kurioses aus den Gemeinden.

In den 132 Kommunen des Bundeslandes Kärnten waren insgesamt 464.336 Personen berechtigt, ihre Gemeindeparlamente zu wählen. Das waren um 6571 mehr als bei den vorangegangenen Gemeinderatswahlen 2009.

Der entscheidende Trend: SPÖ, ÖVP und Grüne legten zu, die FPÖ stürzte ab. Dennoch: Zwar verloren die Freiheitlichen im Vergleich zu den Gemeinderatswahlen 2009 recht viel - fast 13 Prozentpunkte auf 18 Prozent. Aber der Totalabsturz der Landtagswahl - wo sie mit einem Minus von 28 Punkten abgestraft wurden - wiederholte sich nicht. Und diesmal wählten um 2.000 Kärntner mehr blau als bei der Landtagswahl vor zwei Jahren (siehe Grafik unten).

In Wolfsberg, St. Veit, Völkermarkt und Spittal an der Drau wurden die amtierenden Bürgermeister bestätigt. In Klagenfurt, Hermagor und Feldkirchen gibt es am 15. März jeweils Stichwahlen. Gering war einmal mehr die Wahlbeteiligung: Lag sie im Jahr 2009 noch bei 80,61 Prozent, so ist sie diesmal auf 72,37 Prozent gesunken – das bedeutet ein Minus von 8,24 Prozent.

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Kopf-an-Kopf-Rennen in Klagenfurt

Bürgermeister Scheider (r.), Herausforderin Mathiaschitz
Christian Scheider (FPÖ) und Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ), Klagenfurt © Bild: /GERT EGGENBERGER
Die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl in Klagenfurt hat gehalten, was sie versprochen hatte: und zwar Spannung bis zum Schluss. Der amtierende Bürgermeister Christian Scheider ( FPÖ) und Herausforderin Maria-Luise Mathiaschitz ( SPÖ) gehen am 15. März in die Stichwahl. Im Gemeinderat legte die SPÖ deutlich an Stimmen zu.

Im Kampf um den Bürgermeistersessel liegt Scheider (31,08%) vor Mathiaschitz (30,08). Abgeschlagen Otto Umlauft (ÖVP/19,71%), Frank Frey (Grüne/8,73%), Albert Gunzer (4,69%) und all die Splittergruppen. Damit ist bei der Stichwahl in zwei Wochen jeder Ausgang möglich. „Ich gehe davon aus, dass die Wähler der Listen der freiheitlichen Splittergruppen bei der Stichwahl mich wählen werden“, sagt Scheider. Mathiaschitz hingegen liest aus dem ersten Wahlgang Vorteile für sie persönlich heraus: „70 Prozent der Wähler wollen offensichtlich Veränderung. Und ich stehe für Veränderung.“

Nichtwähler als Sieger

Im Gemeinderat konnte die SPÖ (30,66%) gegenüber 2009 vier Mandate hinzugewinnen. Die FPÖ landete bei 24,85%, die ÖVP bei 18,78% und die Grünen bei 14,05 % – ein Zugewinn von zwei Mandaten. "Wahlsieger", wenn man so will, war hingegen der Nichtwähler: die Wahlbeteiligung lag nur bei 57,13%. Vor sechs Jahren betrug sie noch 57,13 Prozent.

Klare Fronten gibt es indes in Villach: Da hat die SPÖ mit 47,74 Prozent einen imposanten Wahlsieg vor der ÖVP (20,50%) und der FPÖ (14,48%) eingefahren. Noch deutlicher fiel die Kür von Günther Albel (SPÖ) zum neuen Bürgermeister aus: Mit 55,67% erspart er sich eine Stichwahl und wandelt bereits bei seinem Debüt auf den Spuren des zurückgetretenen Helmut Manzenreiter. Peter Weidinger (ÖVP/24,55%) wurde in die Schranken gewiesen.

Der KURIER hat am Wahltag einen Haider-Gefährten begleitet. Zur Pörtschach-Reportage "Mit Semmeln fängt man Wähler"

Landtags- und Gemeinderatswahlen

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© Bild: Quelle: Land Kärnten

Kurioses, Umwälzungen und Altbewährtes

Siegfried Kampl bleibt Bürgermeister von Gurk. Der umstrittene 78-Jährige, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Wiederbetätigung ermittelt und der nach dem Eklat im Herbst von der FPÖ ausgeschlossen wurde, eroberte 58,43 Prozent der Stimmen. Kampl ist seit 1991 Gurker Bürgermeister. Auch im Gemeinderat ist seine Liste mit 45,20 Prozent stärkste Fraktion.

Kuriosum in Albeck: Dort erhielt Anna Zarre (Volkspartei Albeck) 363 Stimmen, Konkurrent Siegfried Unterweger 362. Das prozentuelle Verhältnis: 50,07:49,93.

In Hohenthurn, wo Josef Winkler (SPÖ) den Prostituierten eines Bordells das Wahlrecht absprechen wollte, bleibt Florian Tschinderle (ÖVP) am Bürgermeistersessel. Er siegte mit 74,62 Prozent der Stimmen.

Das muss Josef Müller (ÖVP) erst jemand nachmachen: der Griffner Bürgermeister wurde mit dem Rekordwert von 91,15 Prozent wiedergewählt.

Kärnten wird definitiv nicht den jüngsten Bürgermeister Österreichs stellen: Der 23-jährige Martin Sadnek von der FPÖ, der diese Ambitionen kundtat, erhielt bei der Direktwahl in Neuhaus nur 9,72 Prozent. In die Stichwahl gehen Gerhard Visotschnig (SPÖ) und Karl Pölz (ÖVP).

Die Grünen haben in der Oberkärntner Gemeinde Millstatt (Bezirk Spittal) mit knapp 22 Prozent wohl das beste Ergebnis der Kommunalwahlen in Kärnten erzielt.

Sensationelle 78,26 Prozent errang Johann Huber (FPÖ) in Ossiach. Seine Partei hat auch bei der Gemeinderatswahl mit 48,97 Prozent klar die Nummer-Eins-Position inne. Die Freiheitlichen sind in Himmelberg, der Heimatgemeinde von Altlandeshauptmann Gerhard Dörfler kräftig abgestürzt, von 28,84 Prozent vor sechs Jahren auf nur noch 14,77 Prozent. Auch in Mühldorf, der Heimat der Gebrüder Uwe und Kurt Scheuch, mussten sie Federn lassen

In St. Stefan im Gailtal, bleibt Johann Ferlitsch (SPÖ), seit 30 Jahren Bürgermeister, an der Macht. Er erhielt 72,24 Prozent.

In Bad Bleiberg hat die Unabhängige Liste Bleiberg mit 52,58 Prozent gewonnen. Sie stellt mit Christian Hecher (60,10 Prozent) auch den Bürgermeister.

Zell Pfarre, wo die Freiheitlichen noch nie ein Antreten geschafft haben, bleibt fest in der Hand der SPÖ, die zwar 2,4 Prozentpunkte verlor, aber immer noch 52,4 Prozent erreichte. Die slowenische Einheitsliste legte ganz leicht zu und erreichte 36,1 Prozent, die ÖVP steigerte sich auf 11,5 Prozent.

Die ÖVP holte in der Gemeinde Lesachtal (Bezirk Hermagor) die 2009 verloren gegangene absolute Mehrheit zurück. Gleiches gelang der SPÖ in Irschen (Bezirk Spittal).

Das mit Abstand beste Ergebnis für das Team Stronach hat bei den Kommunalwahlen in Kärnten am Sonntag die Gemeinde St. Georgen im Lavanttal aufzuweisen. Dort wechselte Bürgermeister Karl Markut während seiner Amtszeit von der SPÖ zum Team Stronach. Er schaffte bei der Bürgermeisterwahl knapp 47 Prozent.

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Kärntens Landeshauptmann und SPÖ-Vorsitzender Peter Kaiser sieht im Ergebnis eine Bestätigung für seine "Zukunftskoalition" und für seine Partei. "Wir haben gezeigt, dass wir die Partei auf Gemeindeebene sind." Der Aufwärtstrend sei "tendenziell bestätigt" worden. Man werde alles tun, um die Stichwahlen in Klagenfurt und Hermagor für sich zu entscheiden.

FPÖ-Parteichef Christian Ragger will das Wahlresultat nicht mit der Wahl 2009 verglichen haben. "Ich kann eine Jörg-Haider-Gedächtniswahl nicht mit einer normalen Periode vergleichen." Ragger verwies auf die Kommunalwahlen 2003, die Landtagswahl 2013 und die vergangene Nationalratswahl. "Der Trend zeigt ein klares Votum nach oben." Im Parteivorstand am Montag werde man ihm einhellig das Vertrauen aussprechen. Der Ausgangspunkt für die Freiheitlichen in Kärnten liege eben bei rund 20 Prozent. Allerdings werde es in den Bezirken personelle Konsequenzen geben. Das schlechte Abschneiden in Himmelberg, der Heimatgemeinde von Altlandeshauptmann Gerhard Dörfler, ist Ragger zufolge auf diesen zurückzuführen. "Er hat alle geschnitten."

Parteiobmann Christian Benger sieht seine ÖVP im Aufwind und freut sich über zusätzliche Bürgermeistersessel bzw. die Stichwahlen, in die ÖVP-Kandidaten gekommen sind. Nicht ganz so erfreut zeigte sich Benger über das Ergebnis in der Landeshauptstadt: "Klagenfurt ist ein schwieriges Pflaster. Es gibt noch viel zu tun."

Grünen-Landesrat Rolf Holub sagte: "Die Grünen haben eine höhere Stufe erreicht." Erfreut zeigte er sich über einzelne sehr gute Ergebnisse, etwa in Millstatt und Ossiach. Bei den Grünen "hängt es sehr von der Geografie ab". Landessprecher Frank Frey wies auf die generell guten Resultate hin, in Klagenfurt hätte er sich als Bürgermeisterkandidat allerdings etwas mehr erwartet. "Da wurde strategisch gewählt", mutmaßte er.

Erstellt am 01.03.2015