Politik | Inland
01.03.2015

Pörtschach: Mit Semmeln fängt man Wähler

Der KURIER hat am Wahltag einen Haider-Gefährten begleitet.

Die Kärntner Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2009 und 2015 unterscheiden sich in einem konkreten Punkt gewaltig: Haben vor sechs Jahren viele Bürger die damaligen BZÖ-Kandidaten angekreuzt, um den 2008 verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider posthum zu würdigen, so sind die inzwischen zu FPK- und letztlich zu FPÖlern mutierten Politiker jetzt wieder am Boden der Realität angekommen. Landesweit haben sie vom BZÖ-Wert 2009 (31%) ausgehend Stimmen verloren. Die SPÖ führt mit 40,23 % vor der ÖVP, die 22,51 % hält. Die FPÖ liegt bei 17,96 %, die Grünen bei 5,59 %.

Am blauen Wörthersee

Der KURIER hat am Wahltag einen FPÖ-Bürgermeister begleitet, der Haider einerseits schätzte, andererseits aber auch seine Hühnchen mit ihm zu rupfen hatte: Franz Arnold ( FPÖ) residiert und regiert seit 2003 dort, wo andere Urlaub machen; dort, wo das Wasser des Wörthersees blau ist wie die Parteifarbe und sauber, wie Haider die Partei nach außen hin gerne darstellte: in Pörtschach.

Wahlkämpfen können sie, die Blauen. Wie heißt es so schön: „Mit Speck fängt man Mäuse.“ Arnold: „Um ein Uhr Früh bin ich am Sonntag aufgestanden und habe mit meinen Helfern in Pörtschach 4000 Semmerln, Butter und Marmelade fürs Frühstück frei Haus geliefert“, grinst Arnold. 2267 Stimmberechtigte gibt es, folglich wurde jeder satt – dann wählt sich’s leichter.

Wenig später steht der 68-Jährige topfit im Wahlamt neben der Urne, denn der Bürgermeister ist selbstverständlich auch Wahlhelfer und begrüßt jeden per Handschlag. „Alles Gute“, raunen ihm manche zu. „Danke für die Semmerln, Bürgermeister.“

„Von Haider konnte man lernen. Er war neben Bruno Kreisky das größte politische Talent“, betont der Jurist, der 13 Jahre an der Bezirkshauptmannschaft Klagenfurt und später als Wasserrechtler beim Land arbeitete. Haider ließ Arnold auch im Jahr 2000 nach Wien ziehen, als er Kabinettchef von Elisabeth Sickl (FPÖ) wurde. „Wir blauen Kärntner hatten im Ministerium viele Feinde. Nach einem Jahr war ich körperlich und seelisch fertig“, folgte das Comeback in Kärnten.

Mit Haider hat Arnold in seiner Funktion als interimistischer Leiter der Kulturabteilung jedoch auch negative Erfahrungen gemacht. „Erst hat er ,Kannst mir das nicht machen?‘ gesagt, dann hat er mich eiskalt abgesagelt.“

Visionen habe er mit dem Jörg aber gemein. Konkret die einer Seilbahn. Haider wollte 2008 vor der Fußball-EM in Klagenfurt eine solche von Minimundus zum Wörthersee-Stadion bauen lassen. Eine kuriose Idee, die nie umgesetzt wurde – alleine die Machbarkeitsstudie verschlang 85.000 Euro. Arnold plant nun die Errichtung einer Seilbahn von Pörtschach auf die Aussichtsplattform Pyramidenkogel. Kosten: 22 Millionen Euro. Aus dem Wahlkampf hat er diese Vision rausgelassen, weil die Meinung der Pörtschacher dazu zwiegespalten ist.

Bürgermeister-Stichwahl

Eine richtige Entscheidung: Mit 621 zu 558 Stimmen bzw. 41,02 zu 36,86 Prozent hatte Arnold gegenüber Silvia Häusl-Benz von der ÖVP die Nase vorne. Die Frage, wer künftig auf dem Chefsessel sitzt, wird in zwei Wochen in einer Stichwahl beantwortet. Bei der Gemeinderatswahl schnappten die Grünen, die 2009 nicht angetreten waren der ÖVP und der FPÖ je ein Mandat weg. Es siegte die ÖVP (37,81%) vor der FPÖ (30,17%), der SPÖ (19,73%) und den Grünen (12,29%).