Gudenus erklärt einer vermeintlichen Oligarchen-Nichte die Marke Glock.

© Screenshot spiegel.de

Politik Inland
05/11/2020

Jubiläum des Ibiza-Skandals: Zack, zack, zack war’s vorbei

Ein Video erschütterte die Republik. Gudenus versucht sich heute als Geschäftsmann. Strache lebt in seiner eigenen Welt und will Bürgermeister werden.

von Ida Metzger

Mit seiner peinlich missglückten Demonstration, welches Produkt hinter dem Namen Glock steckt, schaffte es Johann Gudenus sogar auf das Spiegel-Cover. Allerdings als das (wenig rühmliche) Synonym für Korruption.

Zwei Politiker und ein Lockvogel (die Identität der vermeintlichen Oligarchen-Nichte ist bis heute nicht bekannt) sind die Hauptdarsteller im Polit-Thriller des Ibiza-Videos, das am 17. Mai von der Süddeutschen Zeitung und Spiegel um 18.00 online geht, sechs Minuten dauert – und die Karriere von zwei blauen Politikern und den Aufstieg sowie die Regierungsbeteiligung der FPÖ abrupt beendet.

Die Ibiza-Affäre ist aber auch die Geschichte von zwei Männern und ihrem unterschiedlichen Umgang mit den Folgen dieser beispiellosen Affäre rund um korrupte Angebote (Strache: „Du, das Erste in einer Regierungsbeteiligung, was ich heute zusagen kann, ist: Der Haselsteiner kriegt keine Aufträge mehr“ ).

Der eine zieht die Konsequenzen so, wie man es angesichts so eines Mega-Skandals, erwartet: Gudenus, bis dahin engster Freund von Strache und FPÖ-Klubchef, legt alle Ämter zurück und tritt sogar aus der FPÖ aus. „Zack, zack, zack“ war es vorbei.

Heute versucht er sich als Geschäftsmann (Handel mit Schutzmasken) mit starken Verbindungen nach Russland – jene Connection, die ihm sein politisches Genick brach. Eine Abrechnung hört man von Gudenus bis heute nicht. Kaum zu glauben, dass ausgerechnet der blaue Scharfmacher so viel Stil beweist.

Sturz aus dem Austro-Olymp

Fast zeitgleich, als Gudenus die FPÖ verlässt, tritt Strache am Samstag (18. 5.) gegen 12.15 Uhr im Palais Dietrichstein vor die Presse, umringt von seinen damaligen besten Parteifreunden Herbert Kickl und Norbert Hofer (heute sind sie ziemlich beste Feinde) sowie den Ministerinnen Karin Kneissl und Beate Hartinger-Klein. Straches Mitarbeiter haben Tränen in den Augen. Der Noch-Vizekanzler ringt nach Luft, bevor er die Worte über seine Lippen bringt: „Ich trete als Vizekanzler zurück.“ 17 Monate war er im politischen Austro-Olymp, und dann stürzte Strache „Zack, zack, zack“ im Rekordtempo abwärts.

„Mutige Menschen“

Der Rest ist Geschichte. Strache will mit dem Rücktritt die Koalition retten, aber ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz pokert und will, dass auch FPÖ-Innenminister Herbert Kickl geht. Diese Forderung geht den Blauen zu weit, es markiert das Ende des Experiments in Türkis-Blau .

Reue? Gab es nie wirklich bei Strache. Stattdessen inszeniert er sich als Opfer eines „politischen Attentats“ und versucht, die Hintermänner des Videos zu verteufeln. Selbst wenn ein Skandal den nächsten jagt. Derzeit laufen 35 Ermittlungsverfahren. Im Herbst tritt er zur Bürgermeisterwahl in Wien an.

Für den Ibiza-Aufdecker Frederik Obermaier sind die Hintermänner hingegen „mutige Menschen, denen Österreich sehr viel verdankt“.

So kam es auch. Seit der Corona-Krise hört man, wie dankbar viele sind, dass statt dem Duo Kickl und Hartinger-Klein nun Karl Nehammer (ÖVP) und Rudi Anschober (Grüne) Krisenmanager sind.

KURIER-News vom 17. Mai 2019

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.