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Politik Inland
02/18/2022

Jeder sechste Jugendliche hat schwere psychische Probleme: Was getan werden soll

Neues Projekt soll helfen. Kontroverse über Ansteckungsgefahr in Schulen

von Elisabeth Hofer, Anya Antonius

„Es brennt an allen Ecken und Enden.“ So beschreibt Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) die aktuelle Lage zur psychischen Gesundheit Jugendlicher in Österreich.

Tatsächlich sind die von ihr genannten Zahlen mehr als beunruhigend: Mindestens die Hälfte der jungen Menschen habe mit depressiven Symptomen zu kämpfen, sechs von zehn Jugendlichen haben Essstörungen und 16 Prozent haben wiederholt Suizidgedanken.

Nun soll ein Projekt „über die begrenzten Kapazitäten der Regelversorgung hinaus Unterstützungsmöglichkeiten bieten“, wie Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) sagt. Auch und vor allem, weil die Pandemie zu einer zusätzlichen Belastung geführt hat. 13 Millionen Euro sind schon vergangenes Jahr vom Ministerrat für die psychosoziale Versorgung von Kindern und Jugendlichen beschlossen worden. Über eine Telefon-Hotline soll nun der Zugang zur Psychotherapie für Personen unter 21 erleichtert werden. „Sie sollen sich weder selbst um einen Therapieplatz umschauen, noch um Kostenerstattung kümmern müssen“, sagt Plakolm.

Maskenlos im Unterricht

Auch mit Schulpsychologen will man zusammenarbeiten, damit alle Schülerinnen und Schüler, die Hilfe benötigen, diese auch bekommen, ergänzt Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP).

Schülervertreter schlagen ja bereits seit einiger Zeit Alarm: „Depressionen, Schlaf- und Angststörungen gehören schon lange zum Schulalltag. Dazu kommt seit Pandemiebeginn die ständige Angst, sich zu infizieren“, schreiben im Jänner mehr als 100 Schulsprecher in einem Offenen Brief an Polaschek.

Dass nun mit Montag die Maskenpflicht im Unterricht fällt, sorgt unter den Schülern teilweise für zusätzliche Sorgen: „Im Bezug auf die Maskenpflicht bekomme ich mit, dass die Meinungen von Schülern wie Experten gespalten sind“, sagt Bundesschulsprecherin Susanna Öllinger. Sie selbst könne zwar keine epidemiologischen Entscheidungen treffen, appelliere aber an Experten und Politik, Öffnungsschritte genau abzuwägen, „damit die Gesundheit der Schülerschaft nicht gefährdet wird.“

Für Lehrergewerkschafter Paul Kimberger ist hingegen „nicht nachvollziehbar“, dass die Lehrer weiterhin Masken tragen sollen. Immerhin sei die Berufsgruppe zu fast 90 Prozent geimpft und werde regelmäßig getestet.

Ob Letzteres so bleibt – das sei momentan die große Frage. Denn auch bei der Notwendigkeit der Gratistests für Symptomlose gehen die Meinungen der Fachleute aktuell auseinander. „Die Experten müssen das richtige Tempo und die richtigen Maßnahmen empfehlen“, sagt Kimberger, wenngleich er die „Sehnsucht nach Lockerungen“ nachvollziehen könne.

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