Ahmad Mansour
Ahmad Mansour

© APA/dpa/Maurizio Gambarini

Interview
07/03/2021

Islamismus-Experte: "Abschiebung als Strafe ist legitim"

Ahmad Mansour, deutscher Psychologe mit arabischen Wurzeln, fordert die Regierung auf, die Integration neu zu denken: Faire Chancen für Flüchtlinge, aber auch harte Sanktionen bei Integrationsunwilligkeit.

von Ida Metzger

Als Jugendlicher fühlte er sich hingezogen zu Muslimen, die ihren Glauben fundamentalistisch verstehen. Als er 2004 in Deutschland ankam, fiel ihm die Integration gar nicht leicht.

Ahmad Mansour, ein israelischer Psychologe mit arabischen Wurzeln, weiß, wovon er spricht. Sein erklärtes Ziel: die Radikalisierung junger Muslime zu verhindern und die Integration zu fördern. Mansour scheut die Auseinandersetzung nicht. Im KURIER-Interview fordert er eine konsequentere Gangart bei der Integration.

KURIER: Sie sind Psychologe und haben selbst arabische Wurzeln. Was sind die Ursachen für eine solche grausame Tat?

Ahmad Mansour: Es geht hier nicht um traumatisierte Jugendliche. In diesem Fall hat, glaube ich, die Sozialisation dieser jungen Menschen, ihr Umgang mit Frauen, Sexualität und ihr Selbstwertgefühl, eine entscheidende Rolle gespielt. Ich denke auch an die Fälle in der Silvesternacht in Hamburg und Köln. Wir haben es hier mit einem Phänomen zu tun, das seinen Ursprung in den Heimatländern hat – kulturell, religiös, in den Erziehungsmethoden, aber auch darin, wie diese Menschen die Mehrheitsgesellschaft wahrhaben wollen.

Wenn selbst Sie davon sprechen, dass diese Männer ein Problem im Umgang mit Frauen und der Sexualität haben – müsste sich ein Land wie Österreich dann nicht die Frage stellen: Wie viele junge Männer mit diesen Problemen schafft das System zu integrieren?

Diese Frage hätten wir uns schon vor mehreren Jahrzehnten stellen müssen. Integration ist ein aufwendiger Prozess, der lange dauert und auch vielleicht Ressourcen kostet. Aber wir haben diese Fragen tabuisiert, weil wir moralischer sein wollen. Diejenigen sein wollen, die helfen. Leider haben wir das nicht zu Ende gedacht. Das bedeutet nicht, dass jeder, der aus Afghanistan oder Syrien kommt, ein unintegrierbarer Frauenhasser ist. Aber es gibt welche darunter – und da müssen wir uns endlich, die Frage stellen: Wie gehen wir damit um?

Wie schaut Ihr Rezept aus?

Wir müssen die Integrationsarbeit anders konzipieren. Es geht nicht um Vermittlung von Werten, sondern um die Verinnerlichung von Werten. Man muss den Menschen die Möglichkeit geben, anzukommen. Man muss sie begleiten, fördern und fordern. Aber es gibt auch einen Zeitpunkt, wo eine Gesellschaft sagen muss: Die Integration hat nicht geklappt. Dann muss man diese Menschen abschieben. Dieser Zeitpunkt ist dann gekommen, wenn Migranten systematisch unsere Gesellschaft verachten, als Gäste kriminell werden. Wenn sie zeigen, dass sie kein Interesse haben, unsere Werte anzunehmen. Abschiebung ist etwas, was weh tut, und das ist als Strafe legitim. Wenn das als Botschaft ausgegeben wird, haben Sie innerhalb von zwei Jahren die Kriminalstatistik halbiert, weil die Leute dann etwas zu verlieren haben.

Der Afghane wird in die Justizanstalt Korneuburg überstellt

Müsste man die Entwicklung regelmäßig überprüfen?

Integration ist ein Prozess. Ob dieser Prozess erfolgreich ist, kann keine Prüfung oder Bewertung sein. Es geht nicht darum, dass wir in die Köpfe der Menschen blicken. Wenn Sie mich zwei Jahre nach meiner Ankunft in Deutschland erlebt hätten, hätten Sie mich wahrscheinlich auch als frauenfeindlichen, unintegrierbaren jungen Mann gesehen. Aber es gibt einen Unterschied, ob ich so denke oder auch so handle. In dem Moment, wo Migranten kriminell werden, sich einer verbotenen Organisation anschließen, wenn eine Familie nicht bereit ist, ihre Tochter zum Schwimmunterricht oder ohne Verhüllung zur Grundschule zu schicken – dann sind das Gründe, wo die Gesellschaft sagen muss, die Integration ist gescheitert. Wenn wir das begriffen haben, dann wissen wir, dass die Möglichkeiten der Integration begrenzt sind. Es ist besser, weniger Menschen aufzunehmen, aber diesen eine Chance zu geben. Anstatt viele Menschen aufzunehmen, wo dann das System überfordert ist und man mit Schicksalen spielt.

Jedes Mal, wenn ein tragischer Fall passiert, gibt es viele Wortmeldungen und eine Debatte in der Politik. Muss die Regierung – gerade unter Sebastian Kurz – nicht endlich ins Handeln kommen?

Sie können glücklich sein, dass es in Ihrem Land überhaupt eine Debatte gibt. In Deutschland wird die Debatte unterdrückt. Ich brauche von Sebastian Kurz nicht nur diese schönen und klaren Worte, die ich immer noch sehr gut finde. Ich brauche von ihm Konzepte, wie wir solche Taten in der Zukunft verhindern werden. Es ist sehr einfach, Symbolpolitik zu machen. Die Politik muss einen Schritt weiter gehen und sich die Hände schmutzig machen. Das bedeutet, Geld zu investieren, Entscheidungen zu treffen und Themen, die tabuisiert sind, aufzumachen. Aber es kann sein, dass morgen ein dramatisches Ereignis im Mittelmeer passiert, und dann wird eine ganz andere Diskussion geführt, weil wir immer in Schwarz-Weiß-Mustern denken.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.