Impfen in der Apotheke: Warum die Ärztekammer dagegen ist

Die Regierung will Impfungen in der Apotheke möglich machen. Damit soll die Durchimpfungsrate gehoben werden - doch noch vor Inkrafttreten regt sich Widerstand.
Symbolbild: Arzt impft gegen Grippe.

Es ist ein mutiges Vorhaben, das sich die Dreierkoalition für die nächsten Monate setzt. Hat sich doch daran schon die Vorgänger-Regierung die Zähne ausgebissen: Noch in diesem Jahr will man das Projekt Impfen in der Apotheke umsetzen. Das kündigte die Dreierkoalition anlässlich ihrer Ein-Jahres-Bilanz an. 

„Der Ausbau des Impfangebotes steht im Regierungsprogramm. Die Impfquote in Österreich hat Ausbaupotenzial. Ein niederschwelliger Zugang ist neben Information und Bewusstseinsbildung hier essenziell. Wir werden in den nächsten Wochen mit Gesprächen mit den Systempartnern beginnen“, sagt ein Sprecher von Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ). 

Tatsächlich sind die Impfraten in Österreich niedrig. Beispiel Influenza: Die WHO empfiehlt eine Impfrate von drei Vierteln der Bevölkerung über 65 Jahren, in Österreich liegt die Durchimpfungsrate aber nur bei rund 20 Prozent. Würde die Influenza- und andere Impfungen in Apotheken angeboten, könnte sie gehoben werden, lautet das Kalkül. 

Bei den Apotheken begrüßt man den erneuten Vorstoß naturgemäß: „Beim Impfangebot gilt das Prinzip: Je vielfältiger und wohnortnäher, desto besser“, so Apothekerkammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr. Inzwischen hätten bereits 3.000 Apotheker die erforderliche Impfausbildung absolviert. Internationale Beispiele würden zeigen, dass Impfangebote in Apotheken die Impfbereitschaft deutlich steigern. 

Von einem „überfälligen Schritt“ spricht auch Ingrid Korosec, Präsidentin des Seniorenbunds (ÖVP). 

Ganz anders die Ärztekammer: „Impfen ist aus gutem Grund eine ärztliche Leistung“, sagt Präsident Johannes Steinhart. „Impfungen sind mehr als nur ein Stich, sie sind ein komplexer Prozess, in dem nur die Ausbildung, die Expertise und die Erfahrung in jeder Situation von Ärzten die maximale Patientensicherheit garantiert. Zwölf Jahre harte Ausbildung können nicht mit einem Wochenendkurs aufgewogen werden.“

Auch den Verweis auf internationale Beispiele lässt man nicht gelten: „Österreich verfügt über einen vergleichsweise gut ausgebauten niedergelassenen Bereich mit ausreichend Impfmöglichkeiten in den Ordinationen. Das unterscheidet uns grundlegend von anderen Ländern, die auf Impfen in Apotheken setzen müssen“, sagt Vizepräsident Edgar Wutscher. Besser wäre es, die Impfstoff-Bestellvorgänge zu optimieren, um die Impfbereitschaft zu heben. 

Ärzte wollen selbst mehr Kompetenzen

Am liebsten würden die Ärzte aber ihrerseits mehr Aufgaben übernehmen: „Wenn Patienten Impfstoffe und Medikamente im Sinne eines One-Stop-Konzepts direkt vom Arzt in den Ordinationen bzw. beim Hausbesuch bekommen, ersparen sie sich den zusätzlichen Weg in die Apotheke“, schlägt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Wiener Ärztekammer, vor.

Im Herbst hatten die Ärztevertreter noch einen Tauschhandel vorgeschlagen: Den Ärzten könnten ja mehr Hausapotheken zugestanden werden, wofür im Gegenzug eine Zustimmung zum Impfen in den Apotheken vorstellbar wäre. 

„Die Gesundheitspolitik ist kein Basar“, so Apothekervizepräsident Gerhard Kobinger damals. Impfen in der Apotheke sei kein „Tauschobjekt“.

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