Essensgutscheine und Co: So könnte die Zahl der Vorsorge-Untersuchungen steigen

Nur 1,4 Millionen Menschen lassen sich jedes Jahr präventiv untersuchen – obwohl die Checks kostenlos sind. Wie kann die schwache Situation verbessert werden?
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Die Zahl ist ernüchternd: Nur 1,4 der rund neun Millionen Menschen, die in Österreich leben, gehen regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung beim praktischen Arzt. „Prävention soll stärker Teil des Alltags werden“, sagte am Montag Gesundheitsministerin Korinna Schumann im KURIER.

Die Frage ist nur: Wie soll das in der Praxis gelingen? Wie können Patienten überzeugt werden, vorsorglich zum Haus- oder Facharzt zu gehen, um schwere Erkrankungen wie Diabetes oder Krebs zu vermeiden?

„Dass nur 1,4 Millionen Menschen die kostenlose Vorsorgeuntersuchung nutzen, ist weniger ein Informations- als ein Strukturproblem“, sagt Maria Gomez-Pellin gegenüber dem KURIER. Die Ärztin ist Allgemeinmedizinerin in einer Wiener Gruppenpraxis und Assistenzärztin am Zentrum für „Public Health“ der Universität Wien.

Laut Gomez-Pellin spielt die Gesundheitskompetenz eine wichtige Rolle, sprich: Nur wer Informationen über seine Gesundheit richtig einordnen kann, begreift, wie wichtig die Vorsorge ist.

Eigeninitiative

Nicht minder relevant sind für die Expertin sozioökonomische Faktoren. Denn unterm Strich erreichen Angebote, die auf Eigeninitiative abstellen, vor allem jene Menschen, die ohnehin gesundheitsbewusst leben.

Als Beispiel für eine verbesserungswürdige Maßnahme bringt Gomez-Pellin die Einladung zur Vorsorgeuntersuchung. Die Sozialversicherung verschicke diese zwar. Allerdings müsste die Einladung viel spezifischer erfolgen. Denn laut der Expertin hängt es „stark von der individuellen Initiative und der organisatorischen Kompetenz“ der Patienten ab, ob sie später wirklich zur Vorsorgeuntersuchung gehen – oder nicht.

„Wenn Prävention mehr Menschen erreichen soll, dann muss es personalisierte Einladungen mit klaren Termin-Optionen und digitalen Recall-Systemen geben.“

Derzeit unterrepräsentierte Gruppen müssten gezielt angesprochen werden.

Eine Schlüsselfunktion kommt hier – wie sooft – den Hausärzten zu. Vorausgesetzt, sie bekommen ausreichend Zeit und organisatorische Unterstützung für die Präventionsberatung.

Positiver Zugang zur Gesundheitsvorsorge

Durchaus ähnlich sieht das Katharina Reich, Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit. Im Gespräch mit dem KURIER nennt die Expertin zwei Dinge, die zu einer Vorsorge-Kultur beitragen.

Das eine ist der positive Zugang: „Vorsorge wird idealerweise positiv besetzt“, sagt sie. Im medizinischen Bereich würden Belohnungen weitaus besser funktionieren als Bestrafungen. 

„Die Palette der möglichen Angebote ist groß“, sagt Reich, „das kann von Essensgutscheinen im Betrieb bis hin zu Rabatten oder anderen Gesundheitsdienstleistungen reichen, die man bei einer regelmäßigen Vorsorge zusätzlich bekommt.“ Wesentlich sei, die Präventionsarbeit auch verbindlich zu machen – womit der zweite Punkt angesprochen ist. Denn laut Reich fehlt bei manchen Maßnahmen derzeit der logische Duktus. Was meint sie damit?

„Wie bei den Untersuchungen im Eltern-Kind-Pass muss auch die allgemeine Vorsorge in eine Art Programm gepackt werden.“

Es gelte Patientinnen und Patienten „an der Hand zu nehmen“ und mit Einladungen und Erinnerungen bei der Stange bzw. im Untersuchungsprogramm zu halten. „Die Einladung muss in verschiedenen Sprachen und auf verschiedenen Ebenen passieren. Ein Brief per Post reicht heute nicht mehr.“

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