Engpass spitzt sich zu: Nachschub-Probleme bei 1.300 Medikamenten

Ein Arzneimittel-Großhändler berichtet von Problemen beim Nachschub von Medikamenten. Betroffen sind unter anderem Diabetesmedikamente und Augentropfen.
Frau mit Handschuhen trägt ein Tablett mit Tablettenpackungen.

Zusammenfassung

  • Derzeit bestehen bei 1.300 Medikamenten, darunter Antidiabetika und antibiotische Augentropfen, Lieferprobleme und Kontingentierungen.
  • Die Wiener Ärztekammer kritisiert das Fehlen des Gürtelrose-Impfstoffs, obwohl die Impfung seit November 2025 kostenlos ist.
  • Die rechtzeitige Verfügbarkeit der zweiten Dosis für die Gürtelrose-Impfung ist ungewiss, was besonders für Risikogruppen problematisch ist.

Derzeit gibt es bei 1.300 Medikamenten Probleme mit dem Nachschub. Das berichtete der Arzneimittel-Vollgroßhändler Phago am Montag in einer Aussendung. 

So gebe es bei Diabetesmedikamenten Lieferschwierigkeiten sowie Einschränkungen durch wochenweise Kontingentierungen vieler Hersteller. Auch antibiotische Augentropfen "weisen nach wie vor zahlreiche Ausfälle auf", hieß es. 

Die Wiener Ärztekammer bemängelt zudem in einer eigenen Aussendung das Fehlen des Gürtelrose-Impfstoffs. Das Gesundheitsministerium beruhigt.

Die Lage bei Psychopharmaka bleibe "unter Beobachtung", teilte Phago in einer Aussendung mit. Dagegen seien erfreulicherweise beim Wirkstoff Bupropion, der zur Behandlung von Depressionen und zur Raucherentwöhnung verschrieben wird, aktuell alle Stärken beim Vollgroßhandel auf Lager. "Die Arzneimittelversorgung wird maßgeblich auf Vollgroßhandelsebene sichtbar. Unsere Aufgabe ist es, Entwicklungen frühzeitig einzuordnen und faktenbasiert zu handeln", erläuterte Phago-Vorstand Bernd Grabner.

Kein Gürtelrose-Impfstoff

Seit 1. November 2025 ist die Impfung gegen Gürtelrose (Herpes Zoster) für Personen ab 60 Jahren und weitere Risikogruppen kostenlos. Doch der Impfstoff "ist erneut nicht verfügbar", betonte die Wiener Ärztekammer in einer eigenen Aussendung. "Die kostenlose Impfung gegen Herpes Zoster klingt schön und ist sinnvoll, aber in der Praxis hält das Versprechen nicht", kritisierte Kammer-Vizepräsidentin Naghme Kamaleyan-Schmied.

Besonders problematisch sei, dass die Impfung gegen Herpes Zoster zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten erfordert. "Viele Patientinnen und Patienten haben bisher nur die erste Teilimpfung erhalten. Ob die zweite Dosis rechtzeitig verfügbar sein wird, ist ungewiss", erläuterte Kamaleyan-Schmied.

Ministerium beruhigt

"Impfstoffe werden am internationalen Markt bestellt. Sie werden nicht in Österreich laufend produziert, sondern weltweit in begrenzten Mengen hergestellt und schrittweise ausgeliefert", betonte das Gesundheitsministerium in einem Statement gegenüber der APA. "Das große Interesse an den kostenlosen Impfungen freut uns sehr. Es zeigt, dass Prävention ernst genommen wird und Vertrauen in das öffentliche Impfprogramm besteht. Wichtig ist: Niemand muss Sorge haben, leer auszugehen. Das Impfprogramm läuft bis 2028, alle Impfstoffe sind bis dahin kostenlos verfügbar und werden laufend nachgeliefert."

Bei der Gürtelrose-Impfung wurden bisher rund 400.000 Dosen bereitgestellt. Weitere mindestens 200.000 Dosen seien bereits eingeplant. Die nächste größere Lieferung werde spätestens Anfang Mai bereitgestellt.

Zu den Meldungen von Industrievertretern über Lieferprobleme bei Medikamenten hieß es seitens des Ministeriums, es sei wichtig zu unterscheiden: "Wenn ein bestimmtes Produkt nicht verfügbar ist, heißt das nicht automatisch, dass der Wirkstoff fehlt." Mitunter komme es bei einzelnen Marken oder Herstellern zu Lieferverzögerungen - etwa aus Produktions- oder Logistikgründen. Das betreffe bestimmte Packungen, nicht aber die gesamte Therapie. In diesen Fällen stehen wirkstoffgleiche Alternativen anderer Hersteller zur Verfügung. "Niemand muss sich daher sorgen: Die medizinische Versorgung und notwendige Therapien sind weiterhin gesichert."

Jeder dritte erkrankt an Gürtelrose

In Österreich treten jährlich rund 30.000 bis 40.000 Fälle von Gürtelrose auf, informierte die Ärztekammer. Etwa jede dritte Person erkrankt im Lauf ihres Lebens daran. Die Erkrankung äußert sich durch einen einseitigen, schmerzhaften Hautausschlag mit flüssigkeitsgefüllten Bläschen und kann in schweren Fällen Augen, Ohren oder Gesicht betreffen - mit möglichen Folgen wie Seh- oder Hörstörungen sowie Gesichtslähmungen. Deshalb sei es so wichtig, Personen ab 60 und Risikopatientinnen und -patienten zu impfen.

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