Neue Apotheken-App zeigt, wo Medikamente verfügbar sind

Eine Apothekerin berät einen Kunden an einem Tresen, umgeben von Medikamentenregalen.
1.000 der fast 1.500 Apotheken in Österreich sind Teil der "ApoApp". Auch Beipackzettel sind digital abrufbar.

Zusammenfassung

  • Die neue "ApoApp" zeigt in Echtzeit die Verfügbarkeit von Medikamenten in rund 1.000 österreichischen Apotheken und bietet digitale Zusatzfunktionen wie Beipackzettel und Einnahmeerinnerungen.
  • Eine telefonische Auskunft über Medikamentenverfügbarkeit wird ab Februar über die Gesundheits-Hotline 1450 angeboten; weitere App-Services wie Medikamentenreservierung sind geplant.
  • Apotheken kämpfen aktuell mit sinkenden Umsätzen und steigenden Kosten, was laut Branchenvertretern eine Bedrohung für den Sektor darstellt.

"Das Medikament haben wir gerade nicht lagernd", ein Satz der künftig der Vergangenheit angehören soll. Denn in welchen Apotheken ein Medikament in verschiedenen Packungsgrößen verfügbar ist, kann ab sofort in einer neuen App abgefragt werden.

Daneben bietet die "ApoApp" der Österreichischen Apothekerkammer auch weitere Funktionen: So kann etwa der Beipackzettel online eingesehen, nach geöffneten Apotheken in der Nähe gesucht oder eine Erinnerung für die Medikamenteneinnahme eingestellt werden. Für jene, die mit Apps nicht so vertraut sind, bietet die Gesundheits-Hotline 1450 ab Februar auch telefonisch Auskunft über die nächstgelegene Apotheke und die Medikamentenverfügbarkeit.

Reservieren von Medikamenten in Apotheke über das Smartphone

Auch weitere Services seien bereits in Planung, wie das Reservieren von Medikamenten etwa im Fall von Lieferengpässen, so Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, bei der Präsentation der App am Montag.

Bisher seien fast 1.000 der rund 1.470 heimischen Apotheken an die App angeschlossen. Die Apothekenbetreiber müssen der Weitergabe ihres Lagerstandes für die App nämlich zustimmen. Danach sei der Aufwand für die Apotheke gleich "null", so Mursch-Edlmayr. Die Medikamentenverfügbarkeit am jeweiligen Standort werde automatisch alle zehn Minuten aktualisiert. Ziel sei österreichweites Angebot "ohne weiße Flecken".

Auch Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) zeigt sich begeistert von der neuen App. Diese bringe Orientierung, Sicherheit und Transparenz und vermeide zudem unnötige Wege. Der persönlichen Kontakt in der Apotheke bleibe aber weiterhin relevant: "Digitale Anwendungen sollen schließlich Beratungskompetenz stärken, nicht ersetzen."

Schon vor der "ApoApp" gab es ein ähnliches Angebot namens "ApoScout". Dieses hatte der Pharmagroßhändler Kwizda nach einem Höhepunkt beim Medikamentenmangel vor knapp zwei Jahren veröffentlicht und mit der Wiener Apothekerkammer präsentiert. Auch diese ist weiterhin verfügbar.

Auch Einbau einer Online-Apotheke in Zukunft nicht ausgeschlossen 

Die neue App sei im Gegensatz zu "ApoScout" ein "hoheitliches Angebot", sagt Mursch-Edlmayr. An sie seien österreichweit mehr Apotheken angeschlossen, zudem biete sie umfangreichere Funktionen.

Zwei Frauen stehen vor einem Werbeplakat und halten jeweils ein Smartphone mit geöffneter App in der Hand.

Apothekerkammerpräsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr (li.) und Gesundheitsministerin Korinna Schumann bei der Präsentation der neuen "ApoApp".

Was nicht für die App geplant ist, sei der Einbau einer Online-Apotheke. "Es ist nicht die ureigenste Aufgabe der Apothekerkammer, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln", sagte Mursch-Edlmayr auf Nachfrage dazu. "Aber was die Zukunft bringt, wird man sehen."

Rezeptfreie Medikamente dürfen in Österreich seit 2015 auch online verkauft werden. Mittlerweile bieten einige Großanbieter wie etwa Shop Apotheke des niederländischen Unternehmens Redcare Pharmacy, Docmorris oder apotheke.at Arzneimittel im Internet an. Auch die Drogeriekette DM kündigte vergangenen Herbst an, in das Online-Geschäft mit Medikamenten einsteigen zu wollen.

Während der digitale Sektor wächst, würden die heimischen Apotheken an "spürbaren Erkältungssymptomen" leiden, warnt Martin R. Geisler, Generalsekretär der Apolife Apothekengruppe, einer Kooperation von insgesamt 115 Standorte in ganz Österreich. 

Apotheken leiden unter steigenden Kosten und sinkenden Umsätzen

Schuld seien sinkende Umsätze wegen einer weiterhin gedämpften Kaufkraft bei gleichzeitig steigenden Kosten. So war das Umsatzwachstum der Apolife-Apotheken 2025 geringer als die Inflationsrate. Besonders wichtige Produktgruppen wie etwa die Husten- und Erkältungsmittel oder Hautcremes wuchsen kaum. 

Geisler spricht von einer "großen Bedrohung für einen systemrelevanten Sektor". Immerhin hätte es bereits Insolvenzen gegeben und auch 2026 könnte weitere Apotheken in die Verlustzone rutschen, warnt Geisler.

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