Politik | Inland
27.01.2018

Holocaust-Gedenken: "Judenhass besteht bis heute"

Der heutige Gedenktag an die Befreiung des KZs von Auschwitz ist aktueller denn je. Junge Jüdinnen und Juden tragen die Erinnerung von Überlebenden des Holocaust weiter.

"Der 27. Jänner 1945 war der Anfang vom Ende der Shoah, aber eben nicht das Ende. In ganz Europa ging das Töten weiter, bis der Nationalsozialismus Monate später militärisch besiegt war", sagt Holocaust-Überlebende Herbert Schrott. Und fügt hinzu: " Judenhass besteht jedoch bis heute." Schrott und die Zeitzeugin Susi Guttmann – beide leben in Wien – melden sich in einem Video der Österreichischen Jüdischen HochschülerInnen (JöH) zu Wort, das heute aus Anlass der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau vor 73 Jahren veröffentlicht wird.

Guttmann kann es nicht fassen, dass heute so viele Menschen "die Shoah vergessen und einen Schlussstrich ziehen wollen. Der Holocaust wird von manchen sogar geleugnet". Mehr als die Hälfte der Österreicher und Deutschen sind der Meinung, dass es nicht mehr nötig sei, sich mit den Verbrechen der Nazis auseinanderzusetzen, bemerken die Zeitzeugen. Sie mahnen, die Geschichte wach zu halten. "Erinnern ist ein zentraler Wert des Judentums." In wenigen Jahren wird es keine Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mehr geben. "Erinnerung ist nun die Verantwortung einer jungen Generation. Heute ist es wichtiger denn je, zu erinnern. Für morgen", appellieren die beiden Wiener.

Auftrag für die Zukunft

Dieser Aufforderung fühlen sich die Mitglieder der jüdischen Hochschülerschaft auch verpflichtet. "Wer ’nie wieder’ sagt, muss erinnern. Nur wer sich erinnert, kann aus der Geschichte lernen", erklärt JöH-Generalsekretär Samy Schrott. "’Nie wieder’" ist ein Auftrag für die Zukunft, ’nie wieder’ verpflichtet zu aktivem Handeln."Der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel (er hat den Holocaust überlebt) machte unentwegt bis zum seinem Tod im Jahr 2016 darauf aufmerksam, dass "das Gegenteil von Liebe nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit ist".

Daraus leiten die jungen Jüdinnen und Juden ab, dass niemandem das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte gleichgültig sein dürfe.Die jüdischen Studenten gehen in ihrem Film auch auf den Einfluss rechter und/oder rechtsextremer Parteien auf die Politik und die Gesellschaft ein. In Österreich seien derzeit 41 Prozent der FPÖ-Abgeordneten Mitglieder deutschnationaler Burschenschaften. Das einstige Engagement von Vizekanzler Heinz-Christian Strache in einer illegalen Neonazi-Organisation ist bekannt. Die Burschenschaft "Germania" und der FPÖ-Politiker Udo Landbauer sorgen gerade für einen Antisemitismus-Eklat. Die Häufung einschlägiger Vorfälle legt den Schluss nahe, "die FPÖ sei inhärent antisemitisch", erklärt JöH-Präsident Bini Guttmann.

Beispiele zeigen, wie Rechtsparteien das Gedenken missbrauchen. "Sie versuchen, ihren Rassismus reinzuwaschen, in dem sie Juden vereinnahmen und ausschließlich vor muslimischen Antisemitismus warnen, der natürlich ein gewaltiges Problem ist, während sie ihren eigenen Antisemitismus in Kellern hochhalten. Gerade wir als junge Jüdinnen und Juden dürfen uns nicht als Feigenblatt benützen lassen, um diese rassistische Ideologie zu kaschieren" , sagt Guttmann.