Werner Otti und Heinz-Christian Strache im damaligen "Alpendorf", heute "Prater Alm".

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Politik Inland
12/14/2019

Strache oder FPÖ? Werner Otti hat "die Schnauze voll"

Im KURIER spricht der Sänger Werner Otti erstmals über seine Sicht auf den Ex-Obmann, das Leben mit dem Image als FPÖ-Hausband und darüber, wie es weitergeht.

von Lukas Kapeller

Die FPÖ und Heinz-Christian Strache: Jahrelang schien das wie ein Bund fürs Leben, jetzt die Scheidung.

Mit dem Strache-Hype war auch ein Name verbunden: die John Otti Band. Die vierköpfige Gruppe aus Kärnten gab in Bierzelten, auf Jahrmärkten und in Wirtshäusern wie der "Prater Alm" den Einheizer für die Blauen.

Im KURIER erzählt Frontmann Werner Otti, ob man künftig für die FPÖ oder eine mögliche neue Strache-Partei spielen wird, was er über Straches jüngstes John-Otti-Posting denkt und was er heute nicht mehr machen würde.

KURIER: Am Donnerstag hat Heinz-Christian Strache auf Facebook ein Video von Ihrem Lied "Liebe ist der Weg" gepostet. Hat Sie das gefreut?

Werner Otti: Nein, das hat mich nicht gefreut. In den Medien bin ich jetzt der Buhmann. Die Leute schreiben mir SMS "Schämen Sie sich" und was weiß ich alles. Wie es so schön heißt: Nachher ist man immer klüger.

Wegen Straches Lied oder wegen des Postings?

Wegen des Lieds genauso. Wenn ich dran denke, was für Worte (von Heinz-Christian Strache, Anmerkung) gefallen sind und was ich da gesungen habe, das schneidet sich. "Liebe ist der Weg, Gerechtigkeit sein Ziel." Es war damals halt ein Auftrag.

Strache ist aus der FPÖ offiziell ausgeschlossen worden, werden Sie weiter für die Partei spielen?

Wir werden für die FPÖ spielen. Wir spielen grundsätzlich für den, der uns engagiert. Schauen Sie sich unsere Bandgeschichte an. Wir haben 1984 bei der Weltausstellung in New Orleans gespielt und in Kanada. Wir haben bei Maturareisen in Antalya gespielt. Wir haben früher auch am SPÖ-Ball in Liesing gespielt, für die OMV, für Raiffeisen oder für die Krone-Tour bei der Fußball-EM 2008. Wir haben also viele andere Sachen gemacht.

Das heißt, Sie würden auch für Die Allianz für Österreich (DAÖ) unter Heinz-Christian Strache spielen, wenn man Sie bucht?

Ich muss ganz ehrlich sagen, von meiner Seite aus nicht. Ich weiß nicht, wie mein Bruder (Bandleader Johannes "John" Otti, Anmerkung) das sieht. Ich persönlich sage, man kann nicht auf zwei Kirchtagen tanzen.

Norbert Hofer und andere sagen, die FPÖ muss sich vom Personenkult um ihre Parteichefs lösen. Was sagen Sie zum Vorwurf, dass Sie mit Songs wie "Liebe ist der Weg" diesen Strache-Kult befeuert haben?

Natürlich ist etwas dran, wie ich vorher gesagt habe. Aber der Text in diesem Lied wurde von der FPÖ vorgegeben, überprüft und autorisiert. Den hat der Herbert Kickl korrigiert und freigegeben. Aber Personenkult ist nie gut, man sieht jetzt die Früchte davon.

Sind Sie von Strache enttäuscht?

Ich bin allgemein enttäuscht. Er ist nicht verurteilt. Aber ich will ihm jetzt nicht die Stange halten, verstehen Sie mich nicht falsch. Was bei der Ibiza-Geschichte für kriminelle Machenschaften gelaufen sind, ist unglaublich. Aber das entschuldigt das andere nicht. Ich war eigentlich immer ein politischer Mensch, aber jetzt habe ich ehrlich gesagt die Schnauze voll.

Haben Sie einen Vertrag mit der FPÖ?

Nein, es gibt nur Verträge für einzelne Engagements. Wir haben keinen Dauervertrag mit der FPÖ. Es gab in letzter Zeit viele Veranstaltungen der FPÖ, bei denen die John Otti Band nicht gebucht wurde. Das ist auch legitim. Wir sind mit niemandem verheiratet.

Gibt es 2020 noch Veranstaltungen?

Soweit ich weiß, sind zwei Veranstaltungen fix, unter anderem das Neujahrstreffen der FPÖ. Aber ich bin nicht der Bandleader, ich bin der Sänger. Die Buchungen macht mein Bruder. Ich bin nur der, der am meisten abkriegt. Es ist sehr schade, dass man als Musiker immer etwas abkriegt. Wenn man für die FPÖ spielt, dann wird man sofort als Nazi bezeichnet. Ich habe immer gesagt, ich verabscheue diese Zeit.

Sie gelten als Haus- und Hofband der FPÖ, wie hat das eigentlich angefangen?

Angefangen hat es im Jahr 2000. Damals haben wir in einem Jahr 200.000 Konzertbesucher gehabt. Wir hatten keine Medienberichterstattung und waren trotzdem dick im Geschäft. Es war die Zeit, als die Zillertaler Schürzenjäger diesen Hype gehabt haben. Dann ist Jörg Haiders FPÖ in Kärnten an meinen Bruder als Manager herangetreten. Die FPÖ hat gewusst, wenn die John Otti Band in Wolfsberg am Hauptplatz spielt, sind 2.000 Leute da. Wir haben nicht gewusst, dass die Auftritte für die FPÖ solche Reaktionen und so eine Gehässigkeit hervorrufen. Das war uns nicht bewusst. Das ist wirklich die reine Wahrheit.

Zur Person: Werner Otti (54) kommt aus Kärnten und ist Sänger der John Otti Band. Benannt ist sie nach seinem Bruder, dem Bandleader und Keyboarder Johannes Otti. Weitere Mitglieder sind Jürgen Otti (Bass) und Jörg Otti (Schlagzeug).

In den 80er Jahren hieß die Gruppe noch "Orchester Austria", 1984 spielte man ein halbes Jahr lang bei der Weltausstellung in New Orleans, USA. Ihre Anfänge machten die Kärntner als "Österreich-Quintett". Seit rund 30 Jahren tourt man nun unter dem Namen John Otti Band durch Österreich und andere Länder. Gegen die Kritik, im buchstäblichen Sinne Stimmung für die FPÖ zu machen, wehrt sich Werner Otti mit dem Hinweis, man verstehe sich eben als "Dienstleister".