Jannach (links) und Strache im Jahr 2012: "Wenn er mich später gesehen hat, plagte ihn das Gewissen."

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Politik Inland
12/01/2019

10 Jahre BZÖ-Verschwörung: "Strache ließ mich ins Messer laufen"

Als Strache und Scheuch sich versöhnten, blieb Harald Jannach auf der Strecke. Im KURIER spricht der FPÖ-Politiker über Treue, Verrat und Vergebung im Dritten Lager.

von Lukas Kapeller

Die Zeit, in der Harald Jannach sich in der großen Politik versuchte, hat Spuren hinterlassen. Auf einer Anhöhe in Frauenstein führt er durch seinen Bauernhof. Saftige Wiesen, ringsum Buchen, Fichten und Lärchen, ein Hühnerstall. "Die Wände vom Stall hab' ich mit alten FPÖ-Plakaten verstärkt", sagt Jannach und lacht. "Gutes Holz." Auch für eine riesengroße Plane vom Parteitag der Kärntner FPÖ 2009 hat er Verwendung gefunden: Der Landwirt hat sie mittendurch geschnitten und deckt damit Holzscheite ab.

Tiefere Veränderungen als auf seinem Hof haben die Ereignisse beim 47-Jährigen selbst hinterlassen. Jannach, schütteres Haar, wasserblaue Augen, saß bis 2017 neun Jahre als FPÖ-Landwirtschaftssprecher im Parlament. Heute ist er blauer Bürgermeister der Unterkärntner Gemeinde Frauenstein.

Jene Tage, die Harald Jannachs Blick auf die FPÖ verändern sollten, liegen schon zehn Jahre zurück. Im Jahr 2009 glaubt er sich auf einer wichtigen Mission. Auf Wunsch von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache fährt er unermüdlich durch Kärnten, um gegen die Haider-Erben vom BZÖ eine Kärtner FPÖ aufzubauen. Er soll Freiheitliche finden, die sich zu den Blauen bekennen.

Doch Strache schmiedet insgeheim andere Pläne. Sein Verbündeter heißt nicht Jannach, sondern Uwe Scheuch, der damalige Kärntner BZÖ-Chef.

Im KURIER erzählt Jannach, wie er sich von Heinz-Christian Strache und Herbert Kickl verraten fühlte, warum er der FPÖ trotzdem zu einem anderen Umgang mit ihrem ehemaligen Parteichef rät und warum Scheuch seine eigene Verschwörung politisch nicht überlebte.

16. Dezember 2009, Strache und Scheuch rauschen gemeinsam in den Sitzungssaal des FPÖ-Parlamentsklubs, sie wirken aufgewühlt. Scheuch hat sich zuvor in Klagenfurt extra einen Learjet gechartert, um den ahnungslosen BZÖ-Chef Josef Bucher in Wien überrumpeln zu können. Im Blitzlicht der Fotografen verkünden die zwei Alpha-Politiker Strache und Scheuch die Heimkehr des Kärntner BZÖ ins freiheitliche Lager. Die Kärntner Orangen werden Blaue.