Strache sorgt mit Kommentar für Aufsehen

© APA - Austria Presse Agentur

Politik Inland
12/04/2019

Beim Gansl im "Reznicek": Wie Strache sein Comeback plant

Der frühere FPÖ-Chef schart weiter eifrig Getreue um sich und behauptet, bereits zehn Wiener Abgeordnete hinter sich zu haben.

von Michael Bachner

Bei seinen Freiheitlichen ist er nach dem Ibiza-Skandal und der Spesen-Affäre in Ungnade gefallen, der Parteiausschluss dürfte unmittelbar bevorstehen. Ungeachtet dessen sammelt Heinz-Christian Strache weiter treue Gefolgsleute um sich. Aus Rache an der FPÖ oder aus dem Glauben heraus, an frühere blaue Erfolge in Wien anknüpfen zu können, will Strache bei der Wien-Wahl 2020 mit einer eigenen Liste antreten - auch wenn ihn Umfragen derzeit in Wien lediglich bei vier bis sieben Prozent sehen.

Erst am Donnerstag vergangener Woche war es wieder einmal so weit. Strache führte in einer illustren Runde im Gasthaus Reznicek im 9. Wiener Gemeindebezirk das große Wort. Der Wirt hat bei den Blauen eine lange Tradition als Ganslessen-Lokal.

Es ging, wie Augen- und Ohrenzeugen dem KURIER berichten, um Strache als das Opfer der übelsten Verschwörung und vor allem auch um die Pläne für sein großes Polit-Comeback. Mit dabei neben anderen: Der Unternehmer und Ex-GAK-Präsident Harald Fischl.

Zuletzt war Fischl als Mediator zwischen Strache und der FPÖ im Gespräch, woraus aber offensichtlich nichts wurde. Strache-Intimus Fischl saß seinerzeit für die FPÖ im Nationalrat und war später BZÖ-Finanzreferent. Zu relativ viel Geld gekommen ist Fischl seit Anfang der 1990er-Jahre mit dem Bau und Betrieb von Altersheimen. Zwischen 2006 und 2010 besaß Fischl auch die Restaurantkette "Wienerwald".

Eingeladen hatte den früheren FPÖ-Chef zu dieser Runde, die vor allem aus unvedächtigen Infrastrukutur-Experten bestand, Willi Berner, den man derzeit vor allem aus dem Buwog-Prozess als Belastungszeuge gegen Karl-Heinz Grasser kennt. Berner war zur Zeit der schwarz-blauen Regierung von Wolfgang Schüssel Kabinettschef im FPÖ-geführten Infrastrukturministerium. Ihm sagt man einen Zugang zu finanzstarken Investoren nach.

Ob Strache seine Tischgäste im Reznicek von seiner Strahlkraft überzeugen konnte, ist nicht überliefert. Im KURIER hat Fischl Ende Oktober erklärt, dass er Straches Bestrebungen nicht finanziell unterstützen werde: "Um Gottes willen, das mache ich sicher nicht. Wer sich heute freiwillig in diesen politischen Hass-Pott begibt, muss einen Vogel haben. Ich bin in einem Alter, wo man nicht mehr an eine solche Blödheit denkt."

Ob Fischl noch immer so denkt, war nicht in Erfahrung zu bringen. Strache selbst nimmt etwaige Rückschläge sportlich. Sieht er sich doch bereits mit einem Fuß im Wiener Gemeinderat, und zwar noch vor der  Gemeinderatswahl im kommenden Herbst. Das kommt so: Bereits im Jänner könnte Strache in den Wiener Gemeinderat einziehen, indem er das Mandat  von seinem Wiener Gefolgsmann, dem Gemeinderat Karl Baron übernimmt. Baron schließt nicht aus, dass er zugunsten von Strache sein Mandat zurücklegt.

In Summe habe er zehn der derzeitigen 34 Wiener FPÖ-Gemeinderäte bereits hinter sich, behauptete Strache in der Wirtshaus-Runde im Reznicek. Für den Klubstatus, verbunden mit einer finanziellen Basis-Ausstattung, reichen drei Abgeordnete.

Neben den Genannten spielt bei Straches Comeback-Versuch im Hintergrund auch Ex-Werber Gernot Rumpold mit. Inwieweit Straches Projekt von Erfolg gekrönt sein wird, lässt sich derzeit überhaupt nicht abschätzen. Ein Polit-Kenner sagt zum KURIER: "Die Frage ist, wie schwer ihm ein Partei-Ausschluss und ein etwaiges Verfahren in der Spesen-Affäre noch schaden. Straches Image ist schwer beschädigt. Er ist jedenfalls Lichtjahre von früheren Werten entfernt."

Zur Erinnerung: Bei der Wien-Wahl 2015 erreichte die FPÖ noch 31 Prozent, bei der Nationalratswahl im September 2019 schafften die Blauen in Wien immerhin noch 13 Prozent. Derzeit ist eine Liste Strache in Umfragen maximal einstellig.

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.