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Politik Inland
10/31/2019

"Heil Hitler, ihr alten Germanen" steht in mehreren Liederbüchern

Liederbuch mit antisemitischen Passagen bringt FPÖ vor Wahl in Steiermark in Erklärungsnot - das kritisierte Lied steht auch in katholischen Studenten-Liederbüchern

von Johanna Hager

Die Parallelen sind frappierend. Ende Jänner 2018 wird in Niederösterreich gewählt, eine Woche zuvor ein Liederbuch mit antisemitischen und rassistischen Texten in der pennalen Burschenschaft „Germania zu Wiener Neustadt“ bekannt. Udo Landbauer ist Mitglied der Verbindung und FPÖ-Spitzenkandidat. Die Affäre kostet ihn, wenn auch nur für kurz das Amt – aber keine Stimmen. Im Gegenteil. Die FPÖ gewinnt trotz des „Liederbuch-Skandals“ über 6 Prozent der Stimmen in Niederösterreich, im Bund regiert die Partei mit Sebastian KurzÖVP.

Mittwochabend wird bekannt, dass ein 400 Seiten starkes Liederbuch mit teils antisemitischen und rassistischen Texten im Besitz der Schülerverbindung „Pennales Corps Austria zu Knittelfeld“ ist. Genauer gesagt von Wolfang Zanger, seines Zeichens Mitglied der Verbindung, FPÖ-Nationalratsabgeordneter und Teil des FPÖ-Parteipräsidiums in der Steiermark, wo am 24. November ein neuer Landtag gewählt wird.

Die FPÖ wird laut Umfragen wie bei der Nationalratswahl verlieren. Laut OGM-Umfrage von 26,8 auf 20 % fallen.

Wolfgang Zanger gibt an, dass das Buch mit Passagen wie „Heil Hitler, ihr alten Germanen“ ein Geschenk der Grazer akademischen Burschenschaft Cheruskia gewesen sei.

Genau so argumentiert er wie auch die FPÖ tags darauf, um sich zu distanzieren. „Die ganze Angelegenheit hat mit der FPÖ nichts zu tun. Ein Geschenk, das ich vor vielen Jahren erhalten habe, macht weder mich noch die FPÖ inhaltlich dafür verantwortlich.“

 

 

Zudem führen die Freiheitlichen ins Treffen, dass das zitierte Lied auch im Kommersbuch der katholischen Couleur-Studenten zu finden sei. Niemand käme, so Vilimsky, auf die Idee, deshalb Rücktritte bei der ÖVP einzufordern. Die zitierten Passagen seien zudem in den Burschenschafter als auch in den katholischen Studentenlieder-Büchern als Spottlieder ausgewiesen.

Abgeordneter Wolfgang Zanger muss heikle Fragen beantworten

Die FPÖ sieht sich von der Steiermark bis zur Bundesebene dem gemäß nicht in der Pflicht. Der Ex-Regierungspartner ÖVP sieht sehr wohl akuten Handlungsbedarf. ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer fordert FPÖ-Obmann Norbert Hofer auf, von seinem Durchgriffsrecht Gebrauch zu machen, in seiner Partei „endlich aufzuräumen“.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz findet die Liedtexte „extrem widerlich“ und „zutiefst antisemitisch“.

KOALITION: SONDIERUNGSGESPRÄCH ÖVP MIT GRÜNE: BLÜMEL / SCHRAMBÖCK / STEINER / KURZ / KÖSTINGER / WÖGINGER

Distanz & Durchgriffsrecht

„Antisemitismus, egal in welcher Form, hat in Österreich absolut keinen Platz. Im FPÖ-Umfeld sind bereits zum wiederholten Mal antisemitische Liedtexte aufgetaucht, hier kann der Parteichef nicht mehr tatenlos zusehen“, teilt Nehammer per Aussendung mit. „Norbert Hofer ist jetzt gefordert. Er muss für volle Aufklärung und auch für Konsequenzen sorgen.“ Der FPÖ-Chef darauf vom KURIER via Pressesprecher angefragt, verweist auf bereits bestehende Aussagen.

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky sieht eine wie „bestellte Inszenierung“, eine „durchsichtige Schmutzkübel-Kampagne“ gegen die FPÖ. „Eine Distanzierung einzumahnen ist eine falsche Begrifflichkeit, denn nur wer eine Nähe zu etwas hat, kann auch auf Distanz gehen“, so Vilimsky. Die „Ablehnung von Antisemitismus und Verurteilung der NS-Ideologie ist heute schließlich allerbreitester politischer Konsens in Österreich.“ Dies infrage zu stellen und mit diesen sensiblen Themen Wahlkampf zu betreiben, sei mehr als schäbig.

SPÖ, Neos und Grüne fordern derweil den Rücktritt des Nationalratsabgeordneten Zanger. Ohne Reaktion. Keine Information gibt es auch über den Historikerbericht der FPÖ, der längst fertiggestellt, aber immer noch nicht präsentiert ist. Der rund 1000 Seiten umfassende und in seiner Rohversion vielfach kritisierte Bericht werde „bald“ vorgestellt, heißt es aus Hofers Büro.

Zanger war schon in der Vergangenheit einschlägig aufgefallen. Einmal bei einer Kundgebung der rechtsextremen Identitären, dann im Parlament. Im Hohen Haus beschimpfte er Betriebsräte als „Beidl“.

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