Politik | Inland
24.07.2018

Was wurde eigentlich aus Gorbachs Tempo-160-Test?

Norbert Hofer ist nicht der erste Verkehrsminister, der gerne schneller als 130 Stundenkilometer fahren würde.

Seit Dienstag ist es offiziell: Ab August dürfen Autofahrer auf insgesamt 120 Kilometern der Westautobahn in Nieder- und Oberösterreich 140 statt 130 Stundenkilometer fahren. Nach einem Jahr sollen die vor und während der Testphase erhobenen Daten zu Luftqualität, Lärmentwicklung, Durchschnittsgeschwindigkeiten und Unfallzahlen evaluiert und auf ihrer Basis entschieden werden, ob Tempo 140 fortgesetzt oder eingestampft wird. So weit, so gut. 

Eines steht damit freilich bereits fest: Nämlich, dass der Versuch von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) jenen seines früheren Parteikollegen Hubert Gorbach von vor über zehn Jahren überdauern wird, sollte nichts Unvorhergesehenes passieren.

Viele haben es möglicherweise bereits vergessen oder verdrängt, aber der frühere FPÖ- und damalige BZÖ-Verkehrsminister und Vizekanzler sicherte sich seinen Platz in den Annalen der heimischen Verkehrspolitik mit einem Pilotversuch zu Tempo 160 auf der Tauernautobahn in Kärnten. Zwischen Paternion und Spittal/Drau durfte damals auf einer Strecke von exakt 12,6 Kilometern fröhlich gerast werden, und das gleich zweimal: Der ersten Testphase von 2. Mai bis 30. Juni 2006 folgte eine zweite ab 6. November, die Gorbach gleich bis 2010 laufen lassen und auf weitere Abschnitte ausweiten wollte. Diesen Plänen machte aber Gorbachs Nachfolger, der spätere SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann, den Garaus und beendete den Versuch mit 22.4.2007 endgültig.

Während Gorbach damals von einem "Meilenstein in der europäischen Verkehrspolitik" sprach und ankündigte, dass man über diesen Versuch in zehn Jahren "ganz anders reden" würde, gab die Zeit eher denjenigen recht, die schon damals gegen das erhöhte Tempolimit wetterten - und das waren mit Ausnahme der Regierung und des ÖAMTC in etwa alle. Neben SPÖ und Grüne stiegen auch NGOs und Zivilgesellschaft auf die Barrikaden. So sperrte etwa Greenpeace gleich zu Beginn der ersten Testphase die Autobahn in Fahrtrichtung Spittal mit einer Menschenkette für 12 Stunden komplett - eine Aktion, die der damalige Spittaler SPÖ-Bürgermeister Gerhard Köfer bereits im Vorfeld unterstützt hatte und über die sich sein Paternioner Amts- und Parteikollege Georg Eder "hocherfreut" zeigte.

20 bis 25 Prozent mehr Emissionen

Doch nicht nur die Stimmung, auch die nackten Zahlen sprachen gegen Tempo 160. So berechnete das Umweltbundesamt damals für Tempo 160 im Vergleich zu Tempo 130 eine Erhöhung des Verbrauchs und der Treibhausgasemissionen um 20 bis 25 Prozent, bei Dieselfahrzeugen wurde sogar vor Steigerungen des Partikel- und Stickstoffausstoßes um über 50 Prozent gewarnt. Weiters steige auch die Lärmbelastung massiv, so die Experten: Die Lärmzunahme bei Tempo 160 wäre mit einer Verdopplung des Verkehrsaufkommens gleichzusetzen.

Schließlich wurde Tempo 160 auch von den Autofahrern nur mäßig angenommen. Während der ersten Testphase befuhren 35 Prozent die Pilotstrecke mit 135 bis 145 Stundenkilometern, die erlaubten 160 erreichten lediglich 15 Prozent. Die Hälfte fuhr einfach so weiter wie zuvor - und pfiff auf Gorbachs Meilenstein.