Chronik | Österreich
21.12.2017

Tempo 160: Teurer, gefährlicher und mehr Stau

Was die Folgen von Verkehrsminister Hofers Idee einer Erhöhung des Tempolimits für Pkw wären. Eine Analyse.

Die Rechnung ist prinzipiell einleuchtend: Fährt man auf der Autobahn mit 160 statt mit 130 km/h, dann wäre man pro Kilometer etwa 5,2 Sekunden schneller unterwegs. Auf 100 Kilometer würde das also acht Minuten bringen. Auf dieses schnellere Vorwärtskommen setzt etwa jeder vierte Autofahrer. Das ergaben zumindest mehrere Umfragen im mitteleuropäischen Raum in den vergangenen zehn Jahren. Männer sind dabei etwas mehr dafür zu begeistern als Frauen.

So gut der – zuletzt im KURIER geäußerte – Vorschlag des neuen Verkehrsministers Norbert Hofer ( FPÖ) für manche klingen mag, mit dem Tempo nach oben zu rücken, so wenig bleibt übrig. Denn trotz der eingangs erwähnten Rechnung werden die meisten Autofahrer gar nicht schneller vorankommen.

Tempo 80 und 160

Experten wissen, dass durch höhere Geschwindigkeitsunterschiede (Lkw dürfen weiterhin nicht schneller fahren) mehr Staus entstehen. Je schneller manche Lenker fahren, desto mehr und heftigere Bremsmanöver gibt es. Und desto mehr Stau bildet sich. Damit sinkt die Durchschnittsgeschwindigkeit. Denn die ideale Durchflussmenge kann mit Tempo 80 erreicht werden. Das ist auch der Grund, warum dieses Limit auf vielen Stadtautobahnen und bei den meisten Baustellen vorgeschrieben ist. Das heißt: Damit die Autofahrer von Tempo 160 etwas hätten, müssten theoretisch auch alle Sattelschlepper so schnell unterwegs sein.

Bis heute hält sich die Mär, dass es auf deutschen Autobahnen weniger Verkehrstote gibt als auf österreichischen. De facto ist das Verhältnis relativ gleich. Der Grund dafür ist, dass in Deutschland rund um die Ballungszentren so viele Tempolimits gelten, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit in Summe geringer ist als in Österreich. Das wird allerdings durch die hohen gefahrenen Geschwindigkeiten auf den anderen Autobahn-Teilstücken wieder wett gemacht. Deshalb sind die Zahlen am Ende ähnlich.

Tatsächlich geht auch in den österreichischen Statistiken mit jeder Temporeduktion ein Abwärtsknick in der Kurve der Unfälle einher. So zeigten Untersuchungen der "Luft-Hunderter", dass die geringere Geschwindigkeit meist weniger als erhofft bei der Umwelt brachte, allerdings die Unfallzahlen senkt.

Verbrauch steigt

Bei der deutschen Führerscheinprüfung gibt es die Frage, um wie viel der Treibstoffverbrauch bei Tempo 160 verglichen mit 130 steigt. Die möglichen Antworten sind fünf, zehn oder 35 Prozent. Wobei hier nur berechnet wird, dass diese Geschwindigkeit konstant gefahren wird und es zu keiner Beschleunigung kommt. Die richtige Antwort ist 35 Prozent. Auf solche Ergebnisse kamen auch zahlreiche Auto-Fachmagazine bei Tests.

Das Problem ist, dass bei 120 km/h der Verbrauch extrem zu steigen beginnt. Deshalb wurde die Höchstgeschwindigkeit in Österreich in den 70er-Jahren wegen der Ölkrise auf 130 festgesetzt. Sie wurde beibehalten, weil es eben weniger Tote gab,

Die Folgen eines höheren Tempolimits auf Autobahnen wären somit mehr Spritverbrauch, mehr Opfer und mehr Staus – bei (darüber kann man streiten) wenig oder vermutlich gar sogar keiner Zeitersparnis für den einzelnen. Auch deshalb wurde der 160er-Test des FPÖ-Verkehrsministers Hubert Gorbach rasch wieder zu Grabe getragen.