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Politik Inland
05/11/2021

Gewaltschutz-Paket: Auch Kinder und „Ehrkultur“ im Fokus

Rund 20 Organisationen sind zum runden Tisch im Kanzleramt eingeladen, sie fordern mehr Budget. Ministerinnen wollen Kinderschutz stärken und "Gegengesellschaften" erkennen.

von Johanna Hager, Raffaela Lindorfer

Im Bundeskanzleramt findet am Mittwoch ein Runder Tisch zum Thema Gewaltschutz statt. Rund 20 Organisationen sind eingeladen – eine große Runde, weil neben Opferschutzorganisationen auch Vereine zur Täterarbeit für Männer und Kinderschützer eingeladen sind.

Der zeitliche Rahmen ist dafür relativ klein: 90 Minuten dürfen die Gespräche dauern, danach wollen Frauenministerin Susanne Raab, Innenminister Karl Nehammer (beide ÖVP), Justizministerin Alma Zadić und Sozialminister Wolfgang Mückstein (beide Grüne) die Ergebnisse beim Ministerrat-Foyer präsentieren.

Eine zentrale Forderung der Organisationen dürfte erfüllt werden: Mehr Budget. Wie viel, soll am Mittwoch bekannt gegeben werden.

Mütter als Opfer

Darauf, dass auch der Kinderschutz ins Paket mitaufgenommen wird, pochte Justizministerin Zadić, die am Dienstag „Die Möwe“ in Wien besuchte. Sie erinnert: Unter den elf Frauen, die heuer ermordet wurden, waren auch Mütter. Kinder stünden bei solchen Taten „in der zweiten Reihe“, dabei seien sie oft schwerst traumatisiert.

Bei der „Möwe“ wird Kindern, die nach solchen Erlebnissen verstummen, Raum geboten, über die Tat zu sprechen, sie zu verarbeiten. Ihre Betreuung habe auch präventiven Charakter, sagt „Möwe“-Chefin Hedwig Wölfl: „Wer in seiner Kindheit Gewalt erfahren hat, wird als Erwachsener häufig selbst gewalttätig.“

Mehr Kinder bei Prozessen begleitet

Gestiegen sei zuletzt der Bedarf an Prozessbegleitung: 2019 wurden in den „Möwe“-Kinderschutzzentren in Wien und Niederösterreich 7.708 Stunden in diesem Bereich geleistet, 2020 waren es 8.335 Stunden. Bei der Prozessbegleitung geht es darum, Kinder zu unterstützen, wenn sie nach Gewalttaten in der Familie vor Gericht als Zeugen aussagen müssen (mehr Infos hier).

Österreichweit waren im Vorjahr 1.968 Minderjährige in Prozessbegleitung, davon 1.394 Mädchen. Heuer dürften es noch mehr werden: Anfang des Jahres trat eine Novelle in Kraft, wonach auch Kinder, die nicht unmittelbar Gewalt erlitten, aber miterlebt haben, einen Opferstatus haben – damit verbunden ist ein Anspruch auf psychosoziale und juristische Hilfe.

Gegengesellschaften

Andernorts lud Frauenministerin Raab zu einem Expertengespräch über „kulturelle und ehrkulturelle Gewalt“. Raab weist darauf hin: „Elf Frauen wurden heuer ermordet von zehn Tätern. Fünf dieser Täter sind ausländischer Herkunft.“ Um „Ehre“ herzustellen, werde in bestimmten Kreisen oftmals Gewalt angewendet.

Es gehe indes nicht darum, so Seyran Ateş, Anwältin und Frauenrechtlerin im Gespräch mit der Ministerin, „Migranten zu stigmatisieren oder Muslimfeindlichkeit zu fördern“, sondern darum, das gesellschaftspolitische Problem zu erkennen.

„Wir haben es nicht mehr mit Parallel-, sondern mit Gegengesellschaften zu tun“, so Ateş, die Mitbegründerin einer liberalen Moschee in Berlin ist. Der Islam brauche eine sexuelle Revolution, denn: „Wir sprechen 2021 immer noch von Kinder-Ehen, von 16-jährigen Muslimas, die ihre Sexualität nicht leben dürfen wie andere Teenager.“

Auch junge Burschen würden nicht selbstbestimmt leben, sondern dazu gezwungen, ihre Schwestern am Schulhof zu beaufsichtigen und ebenfalls zwangsverheiratet werden.

Es gelte, so Ateş und Islamismus-Experte Ahmad Mansour, die Präventionsarbeit aufzustocken, um patriarchale Strukturen aufzubrechen und Gleichberechtigung in den Fokus der Aufklärungsarbeit zu stellen.

Dieser Artikel wurde aktualisiert. In einer früheren Version hieß es fälschlicherweise, fünf Täter hätten eine ausländische Staatsbürgerschaft. Richtig ist, fünf Täter sind ausländischer Herkunft. 

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