Gerhard Zeiler sagte Interesse an SPÖ-Vorsitz und Kanzleramt ab

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SPÖ-Kanzlerwechsel
05/12/2016

Zeiler: "Kern wird es sehr gut machen"

Interview mit Gerhard Zeiler: Der Medienmanager sieht seine SPÖ-Mission mit dem Rücktritt Faymanns erfüllt. Mit Kern hatte er einen Deal.

von Daniela Kittner

KURIER: Herr Zeiler, Sie waren am Vormittag bei Bürgermeister Michael Häupl. Was haben Sie ihm gesagt?

Gerhard Zeiler: Ich bin am Montag nach New York geflogen und gestern erst zurück gekehrt. Heute in der Früh bin ich gleich zu Michael Häupl in dessen Eigenschaft als interimistischer Bundesparteivorsitzender. Ich habe ihm gesagt, dass ich jetzt nicht in eine Kampfkandidatur gegen Christian Kern gehen werde.

Sie haben zwar bereits vor einem Jahr im KURIER-Interview sehr positiv über Ihren Konkurrenten Christian Kern gesprochen. Dennoch: Sind Sie jetzt nicht enttäuscht, dass Sie nicht zum Zug kommen?

Christian Kern und ich haben vor einem Jahr ausgemacht, dass wir uns nicht in die Quere kommen. Er hätte auf einem SPÖ-Parteitag nicht in eine Kampfkandidatur gegen Werner Faymann gehen können. Ich hätte das gemacht, weil ich einen beruflichen Hintergrund habe, der mich unabhängig macht. Mit dem Rücktritt von Werner Faymann hat sich das erübrigt. Christian Kern und ich sind ständig in Kontakt, wir haben am Sonntag telefoniert, wir haben am Dienstag telefoniert, wir haben heute telefoniert. Ich sage ganz klar: Er ist ein guter Kandidat, der die Chance hat, Österreich zu gestalten und den Stillstand zu überwinden.

Haben Sie mit Kern auch darüber gesprochen, was am dringendsten zu tun ist?

Wir sind da einer Meinung: Die Bürokratie, die uns niederringt, die nicht stattfindende Investitionspolitik, die Weltmeisterschaft bei den Lohnnebenkosten – es ist ein Muss für die neue Regierung, hier einen Deal mit der Wirtschaft zu machen. So wie es der frühere ÖGB-Präsident Anton Benya gesagt hat: Kühe, die man melken will, muss man auch füttern. Man muss in die Wirtschaft investieren, sie füttern, damit neue Arbeitsplätze entstehen. Der zweite Bereich ist die Bildungspolitik. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben: Wir sind hier nur ein paar Zentimeter weiter gekommen. In ganz Europa ist die Ganztagsschule die Normschule. Das muss auch in Österreich so werden. Das hilft den Familien, viel Geld für die Nachhilfe zu sparen. Es ist gut für die Integration, wenn die Kinder mehr Zeit miteinander verbringen und Deutsch sprechen. Die Ganztagsschule schafft auch Arbeitsplätze für Lehrer und Nachmittagsbetreuer.

Sie haben den Ruf, sehr kapitalistisch zu sein. Sind Sie der Meinung, dass Einkommen und Vermögen gerecht verteilt sind?

Mein alter Chef Fred Sinowatz, dessen Sekretär ich im Unterrichtsministerium war, hat immer gesagt: Die Reichen werden zwar reicher, aber auch den Armen geht es besser. Ich bin nicht sicher, ob er das heute auch so sehen würde. Ich glaube, es ist sehr wichtig, sich die Frage der Gerechtigkeit neu zu stellen. Wenn Leuten, die mehr als 40 Stunden arbeiten, trotzdem schon ab dem 25. des Monats das Geld ausgeht, wenn sich zwei Verdiener schon schwer tun, die steigenden Mieten zu bezahlen, dann läuft etwas falsch. Man muss sich das Steuersystem anschauen, massiv in den Wohnbau investieren. Auch hier stimmen Christian Kern und ich überein.

Ist es denkbar, dass Sie Christian Kern in irgendeiner Funktion unterstützen?

Der neue Chef muss sich sein Team selbst aussuchen können. Sie können meine Frau fragen: Ich bin ein guter Fahrer, aber kein sehr guter Beifahrer.

Was werden Sie jetzt machen?

Ich habe einen wunderbaren Job, ich kann auf der ganzen Welt tätig sein und trotzdem zwei, manchmal sogar drei Tage in der Woche in Österreich verbringen. Als ich am Dienstag in mein Büro in New York gekommen bin, haben meine Mitarbeiter gesagt, es wäre schade, wenn ich gehe. Ich bin gern in Österreich, aber es tut auch gut, von außen auf Österreich zu schauen. Ich bin sicher, Christian Kern wird den Job als Bundeskanzler sehr gut machen.

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