Kathrin Nachbaur, Team Stonach

© Deutsch Gerhard

Kathrin Nachbaur
08/02/2013

Stronachs rechte Hand

Kathrin Nachbaur (34) ist Frank Stronachs engste Vertraute. Das Interview über ihren Polit-Einstieg.

von Ida Metzger

Sie ist nicht nur die rechte Hand von Frank Stronach. Kathrin Nachbaur (34) besitzt Stronachs uneingeschränktes Vertrauen. Wenn der Milliardär in Kanada weilt, ist die Juristin die Hüterin von Franks Werten. Nun will die Grazerin, die 12 Jahre lang bei Magna in Kanada gearbeitet hat, in die Politik als Nationalratsabgeordnete für das „Team Stronach“ einsteigen.

KURIER: Frau Nachbaur, Sie werden als die Vize-Kanzlerin oder Kronprinzessin von Frank Stronach bezeichnet. Mögen oder ärgern Sie diese Titel?

Kathrin Nachbaur: Das ärgert mich überhaupt nicht. Im Gegenteil, darüber muss ich ein wenig schmunzeln. Ich glaube, diese Bezeichnungen sollen zum Ausdruck bringen, dass ich Frank tatsächlich schon sehr lange kenne – und er deshalb Vertrauen in mich hat, dass ich seine Werte in seinem Sinne mittrage.

Wollen Sie Nationalratsabgeordnete werden? Und werden Sie auf dem zweiten Platz der Bundesliste stehen?

Ja, ich möchte ins Parlament. Auf welchem Platz möchte ich nicht verraten. Aber es wird weit vorne sein.

Gibt es einen Bereich, für den Sie im Parlament vielleicht sogar Sprecherin für das „Team Stronach“ werden wollen?

Justiz interessiert mich sehr, weil ich Jus studiert habe. Aber auch Innen- und Außenpolitik.

Ist im Parlament nicht alles Innenpolitik?

Da haben Sie recht (lacht). Ein großes Anliegen von mir sind vor allem die Frauenthemen. Frank möchte da auch ein Zeichen setzen. Frauen müssen immer noch doppelt so hart arbeiten, um in wichtige Positionen zu kommen.

Wird Stronach tatsächlich als Abgeordneter im Parlament sitzen? Er pendelt zwischen Kanada und Wien. Wie will er das logistisch organisieren, wenn es jeden Monat Sitzungen gibt?

Er wird sich zwar bei der einen oder anderen Sitzung entschuldigen lassen, aber bei den wichtigen Sitzungen im Nationalrat wird Frank mit Sicherheit dabei sein.

Es wird kolportiert, dass Sie 1999 Frank Stronach in der Grazer Oper angesprochen haben, ob er nicht einen Job für Sie hätte. War das so?

Mein Vater wollte immer, dass ich Frank kennenlerne, weil er ihn für einen tollen Unternehmer hielt. In der Grazer Oper hat mich dann mein Vater Stronach vorgestellt. Frank fragte mich, was ich studiere. Ich antwortete: „Jus, Englisch und Französisch.“ Frank meinte: „Schade, dass du nicht fertig bist, denn meine Juristin ist gerade in Karenz gegangen.“ Ich ließ nicht locker: „Und welchen Job könnte es noch für mich geben?“ Er lud mich dann für ein Praktikum mit anderen Studenten nach Kanada ein. Und aus einem Jahr sind dann insgesamt zwölf Jahre geworden.

Und was hat Sie dazu bewegt, in die Politik zu gehen?

Das war eine natürliche Entwicklung. Frank und ich hatten während der langen Atlantikflüge viel Zeit zum Lesen von Magazinen und zum Philosophieren. Uns ist einfach aufgefallen, dass das System nicht mehr funktioniert. Und wir haben ausführlich darüber gesprochen, wo der Hase im Pfeffer liegt, wo dringend Reformen benötigt werden. Plötzlich ist das Theoretische dann immer praktischer geworden – und mündete darin, dass 2011 das Frank-Stronach-Institut für sozialökonomische Gerechtigkeit gegründet wurde.

Die TV-Auftritte von Frank Stronach werden kritisiert, weil ihm die Tiefe bei den Themen fehlt. Wie beurteilen Sie seine TV-Interviews?

Ich finde sie gut, weil Franks TV-Auftritte komplett authentisch sind. Er lässt sich nicht coachen oder trainieren. Franks Sätze kommen alle vom Herzen. Er gibt die Visionen und die Themen vor. Bei der Magna wusste er ja auch nicht, welchen Durchmesser die Schraube bei der Autotür links hinten hat. Für Detailfragen holt man sich Fachexperten.

Lassen Sie sich coachen?

Nein. Denn es war von Anfang an wichtig zu zeigen, dass wir keine typischen Politiker sind. Und ich glaube, die Wähler schätzen das auch. Diese antrainierten, aufgesetzten Sätze sind nicht authentisch. Wir sagen, was wir uns denken.

Ihre Partei liegt in Umfragen bei sieben Prozent. Wäre das für Sie ein Misserfolg?

Österreich ist ein wunderschönes Land, aber wir sind in diesem System gefangen – und das aufzuknacken wird nicht einfach werden. Und in den Hinterzimmern der Macht wird so viel ausgemacht, dass es für eine neue Bewegung gar nicht einfach ist, weiterzukommen.

Klubobmann Lugar hat in einem KURIER-Interview angedeutet, dass er sich eine Koali­tion Schwarz-Grün-Team Stronach vorstellen kann. Wie stehen Sie dazu?

Eines möchte ich gleich sagen: Wenn eine Koalition auch inkludiert, dass weiterhin Haftungen für Schuldnerländer übernommen werden, kommt das sicher nicht infrage. Ich kritisiere, dass SPÖ und ÖVP gemeinsam mit den Grünen dem ESM-Vertrag zugestimmt haben. Der ESM-Vertrag ist in Windeseile durchgepeitscht worden. Das war wahnsinnig unverantwortlich, und ich möchte nicht Politik mit Menschen machen, die unverantwortlich handeln.

Das heißt, Sie koalieren nur mit Parteien, die sich vom ESM-Vertrag distanzieren?

Ja, das stelle ich mir schon vor.

Das werden weder die Grünen, noch die ÖVP oder SPÖ machen.

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob die Basis der Grünen mit dem ESM-Vertrag glücklich war. Und auch die Wähler der ÖVP und SPÖ werden nicht einverstanden sein, dass ihr hart erarbeitetes Geld für die Schuldnerländer zur Verfügung stehen muss.

Auch Ex-Miss-World Ulla Weigerstorfer soll ins Parlament einziehen. Manche meinen, das hat Berlusconi-Touch.

(lacht) Das ist typisch und gleichzeitig traurig, obwohl ich jetzt lachen muss. Ich glaube, da spielt auch der Neid ein wenig mit, weil die Ulla sehr attraktiv ist. Ich kenne Ulla schon länger, sie ist eine tolle Managerin, kann sehr viel auf die Beine stellen und hoch konzentriert arbeiten.

Werden auf der Liste Stronach noch weitere prominente Österreicher stehen?

Wir werden die Bundesliste bald finalisiert haben, und ich kann sagen, dass wir sehr gute Leute haben.

Es gibt Gerüchte, dass Sie für Streit in der Partei und für das Zerwürfnis mit Medienberater Rudi Fußi verantwortlich sind (Honorare wurden nicht bezahlt).

Da fragen Sie am besten den Rudi Fußi selber. Ich glaube nicht, dass ich für Zerwürfnisse verantwortlich bin. Denn ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch und fühle mich hier nicht angesprochen.

Ihr Steuermodell nennt sich Fair Tax. Hier werden die Steuern für Unternehmen reduziert. Wie wollen Sie das Budget sanieren trotz Steuersenkung?

Es ist nachweislich so, wenn der Steuersatz ab einem gewissen Punkt sinkt, steigen die Steuereinnahmen wieder. Aus dem einfachen Grund, weil das zu Investitionen anregt, die Steuermoral anhebt und der Standort für Unternehmen interessant wird. Wir wollen das System beenden, wo Firmen ihre Verluste im Ausland in Österreich von der Steuer absetzen können.

Zur Person: Kathrin Nachbaur (34)

Die Grazerin studierte Jus in Mindestzeit. Sie war 20, als sie Stronach kennenlernte. Seither arbeitet sie für den Milliardär. Neben ihrer Tätigkeit für das Team Stronach ist Nachbaur Vice President der Stronach Group und Vize-Präsidentin des Stronach-Institut für sozialökonomische Gerechtigkeit.

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